Gericht verurteilt Holocaust-Leugner zu einer ungewöhnlichen Strafe

Holocaust-Leugner Laurent Louis soll insgesamt fünf Konzentrationslager besuchen – unter anderem auch das ehemalige KZ in Auschwitz.
Holocaust-Leugner Laurent Louis soll insgesamt fünf Konzentrationslager besuchen – unter anderem auch das ehemalige KZ in Auschwitz.
Foto: Chuck Myers / imago/ZUMA Press
  • Ein Brüssler Gericht verhängt eine ungewöhnliche Strafe für einen Holocaust-Leugner
  • Laurent Louis muss fünf ehemalige Konzentrationslager besuchen – und Bericht darüber ablegen
  • Der Verurteilte spricht von einem „Sieg“

Brüssel.  Der ehemalige belgische Abgeordnete Laurent Louis war wegen Leugnung der Judenvernichtung angeklagt. Ein Brüssler Gericht fällt nun ein ungewöhnliches Urteil. Die Strafe: Mehrere Besuche in ehemaligen Konzentrationslagern.

Schriftliche Berichte auf Facebook

Laurent Louis soll in den nächsten fünf Jahren jeweils ein ehemaliges KZ besuchen. Nach jedem Besuch müsse er außerdem „einen Text von mindestens 50 Zeilen“ über das Erlebte und seine Gefühle dazu verfassen, wie der „Stern“ mit Berufung auf die Nachrichtenagentur Belga berichtet. Die Berichte müsse Louis dann innerhalb von fünf Monaten auf seiner Facebook-Seite veröffentlichen.

Das Gericht reagiert damit auf ein Urteil aus der Vorinstanz. Die damalige Verurteilung zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung und eine Strafe in Höhe von 18.000 Euro wird mit dem neuen Urteil für fünf Jahre ausgesetzt.

--------------

Mehr zum Thema:

Frage zum Holocaust im Wahl-O-Mat sorgt für viel Wirbel

Mann rettete Kinder vor Holocaust – Jahre später traf er sie

-------------

Angeklagter begrüßt Urteil

Laurent Louis beschreibt das gesprochene Urteil als „Sieg“. Laut „Stern“ bekundete Louis’ Anwalt, das Gericht sei mit seinem Urteilsspruch genau dem gefolgt, was dieser vorgeschlagen hatte. Er fügte außerdem hinzu, sein Mandant bedaure seine „Entgleisungen“.

Der 37-Jährige ist ehemaliger belgischer Abgeordneter und war früher Chef der rechtsextremen Partei Debout Les Belges. Während dieser Zeit äußerte er sich mehrmals öffentlich antisemitisch. So zum Beispiel im Jahr 2014, als er über den millionenfachen Mord an den Juden während des Zweiten Weltkrieges sagte: „Der Holocaust ist von den Pionieren des Zionismus erfunden und finanziert worden.“ (alka)

 
 

EURE FAVORITEN