Gefilmt: Bundeswehrjets holen Flugzeug ohne Funkkontakt ein

Der indische Jet mit 330 Passagieren, begleitet von zwei Kampffliegern. Aus einer Maschine der British Airways wurde die Szene gefilmt.
Der indische Jet mit 330 Passagieren, begleitet von zwei Kampffliegern. Aus einer Maschine der British Airways wurde die Szene gefilmt.
Foto: Mark Stewart, Ahmad Fly/Youtube
Irre Bilder aus dem Cockpit eines britischen Jets: Zu sehen ist, wie über Nordhessen und NRW Abfangjäger einen Passagierjet checken.

Berlin/Siegen.  Ein Pilot einer indischen Passagiermaschine hat eindrucksvoll erfahren, was passiert, wenn er den Funkverkehr nicht beachtet. Und weil versetzt hinter seiner Maschine eine Boeing 777 der British Airways mit dem gleichen Ziel unterwegs war, gibt es einzigartige Bilder: Zwei Eurofighter der Bundeswehr fliegen an die Maschine heran, eskortieren sie einige Minuten lang. Es war eine Maschine, die sich über Funk nicht mehr gemeldet hatte.

Wenn die Flugsicherheit „losscom“ (Verlust von Funkkontakt) meldet, geht im Nationalen Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum in Kalkar die rote Lampe an. Die Routinen hier sind entstanden als Konsequenz auf die Al-Kaida-Anschläge auf New York und Washington. Alle Nationen leben mit der Angst, dass ein ziviles Flugzeug plötzlich zur Bombe mutiert.

Mit Angaben der Luftwaffe, der indischen Fluggesellschaft und der Seite Flightradar24 haben wir den Fall vom 16. Februar rekonstruiert:

9.05 Uhr deutscher Zeit: In Mumbai in Indien hebt der Jet Airways Flug 9W118 mit 330 Passagieren und 15 Besatzungsmitgliedern ab.

16.53 Uhr: Die Maschine hat Kontakt mit der tschechischen Luftraumüberwachung.

17.04 Uhr: Die tschechische Luftraumüberwachung meldet sich beim Gefechtsstand in Kalkar-Uedem. Es gibt keinen Kontakt mehr. Von Kalkar aus werden die beiden deutschen Alarmrotten in Neuburg an der Donau und im friesischen Wittmund gesteuert. Sie sind rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr in Alarmbereitschaft. Kalkar befiehlt der Alarmrotte in Bayern den Start. Die indische Maschine ohne Funkkontakt ist zu diesem Zeitpunkt über dem tschechischen Brünn.

17.18 Uhr: In Neuburg sind zwei Eurofighter in die Luft gegangen. Zu Einsätzen wegen Maschinen ohne Funkkontakt starten die Kampfflieger zwischen zehn und 50 Mal im Jahr.

17.24 Uhr: Die indische Maschine erreicht deutschen Luftraum.

17.39 Uhr: Jetzt kommt es zu den Momenten, die das mehr als sechs Minuten lange Video aus dem Cockpit des British Airways-Fliegers zeigt. Besatzungsmitglied Mark Stewart soll gefilmt haben, wird zumindest als Quelle genannt. Zwischen Bad Hersfeld und Marburg in Nordhessen haben die Abfangjäger aufgeschlossen zu dem indischen Jet. In einigen Medienberichten heißt es, dass Manöver habe über Köln stattgefunden, das stimmt allerdings nicht. Wie es international festgelegt ist, tastet sich die erste Maschine von links heran.

17.42 Uhr: Es gibt Sichtkontakt zur Crew. Der erste Blick in einem solchen Fall gilt dem Passagierraum: nichts Auffälliges. Danach fliegt der Kampfjet-Pilot bis auf Höhe des Cockpits. Es gibt Sichtverbindung zu den Piloten. Er signalisiert: Notfallfrequenz. Die zweite Maschine der Bundeswehr folgt mit etwas Abstand.

17.44 Uhr: Die Maschinen sind jetzt nördlich von Siegen über dem Siegerland. Die Kampfpiloten wissen nun: alles in Ordnung. Die Besatzung hat über die Notfallfrequenz Entwarnung gegeben. Die Maschinen bleiben dennoch einige Minuten neben der Maschine. Bei Wipperfürth im Oberbergischen Kreis entsteht gegen 17.48 Uhr vom Boden aus dieses Foto.

In einer Stellungnahme von Jet Airways heißt es später, der Funkkontakt über Deutschland sei nur „für wenige Minuten“ unterbrochen gewesen. Die Fluggesellschaft erklärt aber auch, dass nun erst einmal ermittelt wird und die Crew so lange nicht fliegt. Die tschechische Luftraumüberwachung erklärt laut „Aviation Herold“, die Besatzung habe die Frequenz gewechselt. Nach dem Kontakt mit einer anderen Maschine der Jet Airways habe sich die Besatzung um 17.26 Uhr wieder in Prag gemeldet. Das sei auch weitergegeben worden.

18.49 Uhr: 9W118 landet in London.

18.53 Uhr: Die Eurofighter landen in Neuburg. Nach Angaben eines Sprechers der Luftwaffe ist es nicht unüblich, dass in einem solchen Fall die Maschinen nicht auf direktem Weg zurückkehren.

 
 

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