Gefängnischef bewahrt Atomkraftgegnerin mit Spende vor Haft

Cecile Lecomte ist auch als das "Eichhörnchen" bekannt, weil sie regelmäßig mit Kletteraktionen protestiert. Ein Tag Gefängnis für eine solche Aktion ist ihr nun erspart geblieben, weil ein Gefängnisdirektor das von ihr nicht bezahlte Bußgeld bezahlt hat.
Cecile Lecomte ist auch als das "Eichhörnchen" bekannt, weil sie regelmäßig mit Kletteraktionen protestiert. Ein Tag Gefängnis für eine solche Aktion ist ihr nun erspart geblieben, weil ein Gefängnisdirektor das von ihr nicht bezahlte Bußgeld bezahlt hat.
Foto: aaa-West
Eine Umweltaktivistin musste in Hildesheim ihre Haft aus ungewöhnlichem Grund nicht antreten: Der Leiter der JVA hat für sie bezahlt.

Hildesheim..  Die Atomkraftgegnerin und Kletteraktivistin Cécile Lecomte ist um eine Erzwingungshaftstrafe herumgekommen, und die Begründung klingt zunächst verrückt: Der Gefängnischef hat 20 Euro gezahlt, damit sie nicht einsitzen muss.

Die in der Szene als „Eichhörnchen“ bekannte Lecomte sagte, sie habe für Dienstagmorgen eine Ladung zum Haftantritt in der JVA Hildesheim erhalten. Dort erfuhr sie dann, dass das Bußgeld bereits „von der JVA in Vechta“ gezahlt worden sei, die auch für Hildesheim zuständig ist. Die Strafe war wegen eines nicht gezahlten Bußgeldes gegen sie verhängt worden.

Die Verwirrung war zunächst groß: Die JVA hat ihr Bußgeld gezahlt? Aufklärung kam von Anstaltssprecherin Petra Huckemeyer. Der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) für Frauen in Vechta habe die Forderung vorab persönlich beglichen, sagte sie. „Und zwar als Spende und nicht etwa aus Haushaltsmitteln.“ Er sei der Ansicht gewesen, „dass dies für alle Beteiligte die geeignete Lösung ist“.

In Münster Atommüll-Schiff blockiert

Lecomte und andere Umweltschützer hatten Ende Mai 2012 in Münster gegen ein Schiff demonstriert (Fotos), das einen Dampferzeuger aus dem abgeschalteten Atomkraftwerk Obrigheim über den Dortmund-Ems-Kanal ins Zwischenlager Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern transportierte. Zwei Aktivisten seilten sich mit der Botschaft „Vermeiden statt Verschieben“ von einer Kanalbrücke ab. Das Schiff „Edo“ musste deshalb seine Fahrt unterbrechen.

Erst ein Spezialkommando der Polizei beendete die Blockade, Lecomte wurde für einen Tag inhaftiert. Wegen „Fehlbenutzung einer Schifffahrtsanlage“ verurteilte das Dortmunder Schifffahrtsgericht sie zu einem Bußgeld von 20 Euro. Weil sie dieses nicht zahlen wollte, hatte das Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft Erzwingungshaft gegen Lecomte angeordnet.

Sie selbst schrieb dem Richter einen offenen Brief: „Mein Gehorsam kann man nicht erzwingen. Erzwingungshaft ist aus diesem Grund zwecklos.“ Sie erklärte auch, „der Tag Knast werde den Staat sicher mehr als 20 Euro kosten. „Ich bedanke mich bei der Justiz dafür, dass sie mir die Gelegenheit gibt, mal wieder aufzuzeigen, wie absurd und sinnlos das System Knast ist.“ Die Reaktion des Anstaltsleiters dürfte sie da überrascht haben.

Die 37-jährige Lecomte engagiert sich seit Jahren im Widerstand gegen Atomtransporte und Braunkohleabbau. Sie wurde bereits mehrfach inhaftiert und zu Geldstrafen verurteilt. Die frühere französische Jugendmeisterin im Sportklettern lebt in Lüneburg. (epd/law)

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