Für Nelly Furtado ist Schönheit nicht alles

"Perfekt sein macht nicht glücklich", findet Nelly Furtado.
"Perfekt sein macht nicht glücklich", findet Nelly Furtado.
Foto: Maxi Overfeld
Das Pop-Girlie ist erwachsen geworden: Nelly Furtado weiß, worauf es ankommt. Schönheit macht nicht automatisch glücklich: Das ist eine ihrer Erkenntnisse. Außerdem engagiert sich die Grammy-Gewinnerin für ein Frauenbildungsprojekt, das mit Deutschen Nachhaltigkeitspreis geehrt wurde.

Düsseldorf.. Vorbei sind die Zeiten der auffälligen Ohrringe, der engen Tops und knappen Röcke. Die kanadisch-portugiesische Sängerin Nelly Furtado (36, „I’m Like A Bird“) ist längst erwachsen geworden.

Die Klunker hat die Grammy-Gewinnerin gegen dezenten Goldschmuck eingetauscht, ihren Jugendstil gegen ein biederes blaues Kleid. Die Hände in den Schoß gelegt, die Beine damenhaft geneigt – auf der Couch sitzt sie wie eine englische Prinzessin.

Nelly Furtado ist nicht mehr nur das Mädchen mit der außergewöhnlichen Stimme, sondern eine Unternehmerin, eine Mutter und nun auch Trägerin des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, der in Düsseldorf verliehen wurde.

Sie setzen sich nun seit einigen Jahren für die Bildung von jungen Frauen in Ost-Afrika ein. Warum ist Bildung so ein wichtiges Thema, vor allem in Afrika?

Nelly Furtado: In Kenia vor allem in den ländlichen Gebieten, weit ab von den Städten ist es für junge Frauen sehr schwierig, sich weiterzubilden. Ab der achten Klasse müssen die Familien finanziell selbst für die Bildung aufkommen, eine öffentliche Förderung gibt es nicht. Dabei ist die weiterführende Schule so wichtig, dort erlernen die jungen Frauen ihre Fähigkeiten. Schule öffnet den Mädchen viele Türen und Optionen im Leben. Außerdem lieben sie es, zur Schule zu gehen. Sie wachen morgens um vier Uhr mit einem Lächeln im Gesicht auf, bereit fürs Lernen.

Für Ihr Engagement haben Sie nun den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2014 erhalten.

Furtado: Ich habe vor vier Jahren nach meinem ersten Besuch in Kenia angefangen für „Free the children“ zu arbeiten. Ich habe selbst miterlebt, wie nachhaltig in Ost-Afrika gearbeitet wird. Die Vororte in Kenia sind sehr landwirtschaftlich geprägt. Auch in der Schule lernen die Mädchen viel über Landwirtschaft und Agrarkultur. Sie lernen Felder richtig zu bewirtschaften und Dürren zu vermeiden. Was ich sehr interessant finde: Mädchen, die einen Schulabschluss erlangen, wollen innerhalb ihrer Gemeinde bleiben und helfen, die Gemeinschaft zu stärken. Sie wollen die Menschen davon abhalten, in die Großstädte auszuwandern. Dadurch stärken sie die vielen kleinen Dörfer in Ost-Afrika.

Viele junge Menschen nehmen die Schule nicht ernst, wissen den Wert von Bildung oft nicht zu schätzen. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Kindheit und Jugend mit der Schule gemacht?

Furtado: Ich hatte auch meine schwachen Momente während der Schulzeit. Es gab natürlich Zeiten, in denen es wichtiger war, cool und angesagt zu sein. Als ich angefangen habe, in der Schulband zu spielen, war ich engagierter in der Schule und auch fokussierter. Trotzdem habe ich nicht so hart für gute Noten gearbeitet wie diese 15-jährigen Mädchen in Kenia. Meine Mutter konnte ihre Träume, sich weiterzubilden, nicht verwirklichen. Ihre Familie war zu groß, und es fehlte das Geld, um sie auf die Universität zu schicken. Deshalb ist es für mich schön zu sehen, wie diese afrikanischen Mädchen ihre Träume verfolgen können.

Ihre Tochter ist inzwischen elf Jahre alt. Wie geht sie mit dem Thema Schule und Lernen um?

Furtado: Sie liebt die Schule, aber ich glaube, das liegt in unserer Familie. Wir alle lesen und schreiben gerne. Wir sind sehr wissbegierig. Und das ist auch gut so, denn Neugierde ist wichtig und sollte gefördert werden.

Inmitten ihrer Karriere kam Ihre Tochter zur Welt. Ist es schwer, eine Familie zu haben und gleichzeitig im Rampenlicht zu stehen?

Furtado: Nach 15 Jahren im Showbusiness gewöhnt man sich daran. Am Anfang hatte ich kein Kind, jetzt bin ich eine Mutter. Zu Beginn war es natürlich hart, alles in die richtige Balance zu bringen. Aber mittlerweile bin ich gereifter und habe herausgefunden, wie ich beides vereinen kann. Nun bin ich eine Sängerin und eine Mutter, man muss sich einfach auf seine Rollen einlassen. Durch meine Tochter habe ich erkannt, dass auch andere Mädchen in ihrem Alter Nelly Furtado als ein Vorbild sehen. Es zeigt mir, dass ich darauf achten muss, wie ich lebe und wie ich mich nach außen hin präsentiere.

Sie waren 20 Jahre alt, als sie ihren ersten Plattenvertrag erhielten. Wie hat sich Ihre Karriere generell auf ihr Leben ausgewirkt?

Furtado: Ich war sehr jung als ich über Nacht berühmt geworden bin und meinen ersten Hit im Radio hatte. Am Anfang hat alles sehr viel Spaß gemacht, weil ich auch meine Familie um mich hatte. Wir waren eine typische Arbeiter-Familie, sehr bodenständig – das war gut für mich. Gleichzeit wird man während seiner Karriere aber auch langsamer erwachsen. Ich habe die ganze Zeit gearbeitet und hatte so weniger Zeit, an meiner eigenen Entwicklung zu arbeiten. Darum habe ich mir innerhalb der vergangenen fünf, sechs Jahre wieder mehr Zeit genommen. Ich habe alles ein bisschen langsamer angehen lassen, um einen eignen Alltagsrhythmus zu entwickeln und um an mir als Person zu arbeiten.

Sie sind seit über 15 Jahren im Rampenlicht. Die Stars von heute sind sehr auf ihr Äußeres fixiert. Ist das perfekte Aussehen für prominente Persönlichkeiten über die Jahre hinweg wichtiger geworden?

Furtado: Schönheit war schon immer wichtig. Seit meinen Anfängen war Ästhetik ein Teil des Showgeschäfts, ein Teil meines Jobs. Als weibliche Künstlerin muss man viele Entscheidungen treffen und auch zu ihnen stehen. Aber Schönheit kann auch Spaß machen. Ich würde lügen, wenn ich sage, ich würde Mode und Make-Up nicht mögen. Aber man muss sich bewusst machen, dass es vor allem um die Musik geht. Natürlich wollen die Leute eben auch unterhalten werden. Sie möchten jemanden sehen, mit dem sie sich verbunden fühlen können. Aber wenn man versucht, perfekt zu sein, dann funktioniert das meistens nicht und führt zum Gegenteil. Perfekt sein macht nicht glücklich, denke ich.

Spielen Fitness und gesunde Ernährung eine wichtige Rolle?

Furtado: Wenn man viel Fitness macht, hat man unweigerlich ein höheres Energielevel und man fühlt sich gesünder. Auch ich achte darauf, was ich esse. Einfach weil ich darauf achten möchte, was ich meinem Körper zuführe. Aber jeder muss das für sich selbst entscheiden. Wenn du in einer Phase bist, in der dir Sport sehr wichtig ist, ist das gut für dich und du siehst vermutlich auch super aus. Oder du befindest dich in einer Phase, in der du lernst, die perfekte Lasagne zu machen (lacht). Schönheit ist nicht alles. Man kann auch perfekt aussehen und trotzdem unglücklich sein.

Ihr letztes Album „The Spirit Indestructible“ liegt zwei Jahre zurück. Gibt es musikalische Neuigkeiten?

Furtado: Ich arbeite gerade tatsächlich an einem Album und darüber freue ich mich sehr. Ich schreibe an diesem Album schon eine ganze Weile, werde wahrscheinlich auch noch in diesem Jahr weiter daran arbeiten. Fertig wird es dann hoffentlich im kommenden Jahr, vielleicht aber auch erst 2016.

 
 

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