Fridays for Future: AfD will Schüler mit Quiz bloßstellen – und blamiert sich selbst

Bei den „Fridays for Future“-Demos in Berlin am vergangenen Freitag hat die AfD Flugblätter mit einem Klima-Quiz verteilt. Das hatte aber einige Schwächen.
Bei den „Fridays for Future“-Demos in Berlin am vergangenen Freitag hat die AfD Flugblätter mit einem Klima-Quiz verteilt. Das hatte aber einige Schwächen.
Foto: dpa

Bei den „Fridays for Future“-Demos können Schüler richtig was über den Klimawandel lernen. Es sei denn, sie geraten an die AfD. Am vergangenen Freitag hat die Partei in Berlin nämlich nicht gerade mit wertfreier Wissensvermittlung geglänzt.

Stattdessen sah es so aus, als habe die Partei die demonstrierenden Schüler bloßstellen wollen – und zwar mit Flugblättern, die der AfD-Bundestagsabgeordnete Karsten Hilse bei den Schülerdemos in der Hauptstadt verteilt hat. Darauf: ein Klima Quiz.

„Fridays for Future“-Demo in Berlin: AfD verteilt Klima-Quiz – Klimatologe stellt richtig

Stefan Rahmsdorf, Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam, hat sich die Fragen und Antworten im AfD-Quiz einmal genauer angesehen und festgestellt: Vieles von dem, was die „Alternative für Deutschland“ dort behauptet, stimmt entweder von vornherein nicht oder suggeriert Falsches.

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In einem Beitrag im Blog „Klimalounge“ löst Rahmsdorf das Quiz auf – und gibt die, wie der Wissenschaftler selbst sagt, korrekten Antworten.

Das AfD-Quiz fängt schon gut an - mit einer Frage, deren drei Antwortmöglichkeiten nicht stimmen:

1. In wie vielen wissenschaftlichen Experimenten oder Versuchen wurde bereits nachgewiesen, dass die CO2-Emissionen der Menschheit den Klimawandel wesentlich beeinflussen?
a) 73
b) 46
c) in keinem, die Ergebnisse stammen aus Klimacomputermodellen.

Laut Stefan Rahmsdorf ist von der AfD vorgesehen, dass immer Antwort c) die richtige ist. Was in diesem Fall aber nicht ganz stimmt. Zugegeben, a) und b) sind gleich komplett falsch. Aber: Der Zusammenhang zwischen CO2-Emissionen und Klimawandel ist durch viele Messungen bestätigt worden. Das Problem bei der so formulierten Frage, so Rahmsdorf, ist dieses:

„Der AfD geht es hier aber um eines der fünf klassischen Elemente der Wissenschaftsleugnung: einen unmöglichen Beweis zu fordern. Denn ein Experiment, wie wir den Klimawandel beeinflussen, wäre ja ein Experiment mit der gesamten Erde – kein Laborexperiment kann das.

Daher gibt es so ein Experiment nur einmal: die gerade ablaufende globale Erwärmung. Die verläuft allerdings exakt so wie von der Physik vorhergesagt.“

Antworten im AfD-Quiz suggerieren laut Wissenschaftler Falsches

Die nächste Frage hat eine korrekte Antwort, jedoch führt sie ziemlich in die Irre:

2. Wie hoch ist der Anteil von CO2 in der Atmosphäre?
a) 4,3 % (430 Moleküle pro 10.000 Moleküle)
b) 2,7 % (270 Moleküle Pro 10.000 Moleküle)
c) 0,04 % (4 Moleküle pro 10.000 Moleküle)

Antwort c) ist hier richtig. Stefan Rahmsdorf bemängelt allerdings, dass „0,04 %“ zu Unrecht nach sehr wenig klingt. Jedoch sei CO2 eben ein Spurengas, das schon in sehr geringer Konzentration schädlich wirke. Man denke an andere hochwirksame Gifte:

„Die AfD bringt das hier als Suggestivfrage: die kleine Zahl 0,04 % soll suggerieren, dass auch die Wirkung von CO2 auf das Klima gering sein müsse. Wer dieser Logik folgt, trinkt sicher auch gerne einen Zyankali-Cocktail. Den Wissenschaftlern, die behaupten, schon 3 mg/kg Körpergewicht (also 0,0003 %) Zyankali seien tödlich, ist bestimmt nicht zu trauen!“

Jede der acht Fragen und je drei Antwortmöglichkeiten nimmt Rahmsdorf in seinem Blogbeitrag auseinander und findet Unstimmigkeiten.

„Grundlage einer Unterrichtsstunde über politische Propaganda“

Sein Fazit lautet deshalb:

„Wie man sieht, ist das Quiz der AfD durchaus lehrreich, aber nicht unbedingt im Sinne der AfD. Es könnte Grundlage einer Unterrichtsstunde über politische Propaganda sein – geht es doch um eine Form von Propaganda, die heute überall im Internet zu finden ist, den Fortschritt beim Klimaschutz erheblich behindert und damit die Zukunft der jungen Generation erheblich gefährdet und beeinträchtigt.“ (lin)

 
 

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