Frauen wollen erwachsene Männer - Männer lieber Mutti?

Essen. Eigentlich gibt es nur Muttersöhnchen. Das jedenfalls schreibt Psychologe Roland Kopp-Wichmann in "Frauen wollen erwachsene Männer". Die Ablösung von Mutti ist das große Thema des Buchs. Warum Frauen aber kein Kind als Partner wollen, bleibt im Dunkeln. Unsere Autorin findet: Thema verfehlt.

Eigentlich sollte der Ratgeber nicht "Frauen wollen erwachsene Männer" heißen, sondern schlicht "Wie ich mich von Mutti löse". Denn nichts anderes ist dieses Buch. Es thematisiert, weshalb die Mutter eine immens wichtige Rolle im Leben des Mannes spielt, auch wenn sie das ab einem gewissen Alter nicht mehr machen sollte. Wobei das genaue Alter in der Schwebe bleibt.

Autor Roland Kopp-Wichmann, der auch Persönlichkeitsseminare leitet und als Führungskräftetrainer arbeitet, beginnt thematisch bei der Geburt. Er erklärt, weshalb auch ein Mann mittleren Alters noch immer mit einer imaginären Nabelschnur mit seiner Mutter verbunden ist. Das Ziel: Diese Nabelschnur muss zerschnitten werden.

Probleme über Probleme

Das Problem: Will Mann das überhaupt? Kopp-Wichmann blickt dabei auf die zahlreichen Geschichten seiner Klienten. Seine Definition eines erwachsenen Mannes ist eindeutig: "Ein Mann ist erwachsen, wenn er eine intime, gleichberechtigte Beziehung zu einem anderen erwachsenen Menschen über längere Zeit aufrechterhalten und genießen kann und zudem einen angemessenen Kontakt zu seinen Eltern pflegt." Was bereits der Kern des Buches ist, die Beziehung eines Mannes zu seinen Eltern, speziell zu seiner Mutter.

Für die Männerwelt

Kopp-Wichmann gibt in seinem Werk unumwunden zu, dass das Buch für die Männerwelt gedacht ist. Aber welcher Mann blättert in einem rosafarbenen Buch? Genau, wahrscheinlich nur welche, die es zufällig bei der Freundin/Frau auf dem Nachttisch liegen sehen. Der Autor stellt denn auch treffend fest, dass wohl 80 Prozent der Leser eher weiblicher Natur sein werden. Deshalb wirken die acht Seiten "Wege zur Ablösung – für Frauen" auch nicht als ernst gemeinter Ratschlag, sondern eher als Alibi, etwas für Frauen schreiben zu müssen. Ähnlich sieht es mit dem Ende des Buches aus. "Ein Kapitel für beide" scheint nur so zu heißen, damit es Leser für ein rosafarbenes Buch gibt.

Männlicher Mann

Erläuterte Konzepte, Theorien und Standpunkte müssten nicht zwingend "wahr" seien, aber nützlich, um sich mit der eigenen Beziehung näher zu beschäftigen. Deshalb stellt Kopp-Wichmann die Gleichung auf: "Je männlicher der Mann, umso weiblicher kann sich die Frau fühlen." - "Je unmännlicher der Mann sich gibt, umso weniger weiblich wird die Frau sich fühlen und stattdessen entweder ‚männlich’ oder ‚mütterlich’ werden." Deshalb lade ein nicht selbstständiger Mann seine Partnerin dazu ein, ihn zu bemuttern, ihn übermäßig zu trösten, wo sanfte Konfrontation besser wäre, ihm Dinge abzunehmen, die ihm lästig sind, anstatt ihn die Konsequenzen seines Tuns erleben zu lassen.

Kein Erziehungs-Camp

Erwachsene Männer brauchen keine Nacherziehung, und eine Beziehung ist kein Erziehungs-Camp. Das jedenfalls stellt der Diplompsychologe fest. Erwachsene Männer bräuchten eine erwachsene Partnerin. Was aber immer noch nicht die zentrale Frage des Buches beantwortet, nämlich warum Frauen erwachsene Männer wollen.

Lediglich: Der Mann muss sich von seinem Elternhaus lösen, damit er eine erwachsene Beziehung führen kann. Prinzipiell sagt das aber auch bereits der Untertitel des Buches aus: "Warum Männer sich ablösen müssen, um lieben zu können."

Gründe finden?

Mit Achtsamkeit und Zwiegesprächen könne man den Problemen, sowohl mit den Eltern als auch mit der Partnerin, auf den Grund gehen. Kurz gesagt: "Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe", sagt jedenfalls Kopp-Wichmann.

Mein Tipp: Am besten gleich einen neuen Weg finden und zu einem Psychologen gehen, denn eigentlich ist der Inhalt des Buches eine Zusammenfassung der gesammelten Erfahrungen des Autors. Oder: Man unterhält sich einfach mal mit dem Partner/der Partnerin länger als zehn Minuten am Stück über persönliche Belange und nicht über Fußball, Windeln und Essen.

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