Französische Sängerin Zaz ist wie Lena, nur besser

Die Sängerin Zaz hat mit ihrer heiseren Stimme erst ihre Heimat Frankreich erobert. Mit ihrem neuen Album will sie jetzt auch in Deutschland durchstarten. Ein bisschen wie Lena, nur älter und mit Stimme.

Essen. Manchmal muss Isabelle Geffroy nur „hallo“ sagen, und man ist besorgt. Weil die Stimme so heiser klingt. Als sei sie kurz davor zu versagen. „Schon dich, Mädchen“, will man sagen, aber ahnt, dass es zwecklos ist. Weil sich diese Frau nichts sagen lässt, sondern macht, was sie will. Meistens will sie singen. In Frankreich hat sie das im letzten Sommer unter dem Künstlernamen „Zaz“ zum Superstar gemacht. „Je veux“ heißt ihr Hit, der derzeit auch in deutschen Radiosendern mehrfach täglich läuft.

Mit Edith Piaf wird sie gerne verglichen. Weil sie so klein ist. Vor allem aber wegen ihrer Stimme, die Zaz selbst „voix cassée“ nennt, brüchige Stimme. Rau klingt sie und unverkennbar. Kommt von den vielen Zigaretten, die sie früher geraucht hat, mutmaßt Zaz. Und davon, dass sie so oft ohne Mikro gesungen hat. Damals, als sie aufgetreten ist in den Bars und Nachtclubs von Paris aber auch auf den Straßen des Montmartre. Mit einem Hut vor den Füßen. Für das Kleingeld, das die Touristen warfen. „Die totale Freiheit“, schwärmt Zaz bis heute von dieser Zeit. Obwohl es manchmal so kalt war, dass sie Wärmekompressen für den Gitarristen kaufen mussten.

Frau mit rauchiger Stimme gesucht

Die Vergleiche mit der Piaf, dem „Spatz von Paris“ findet sie „schmeichelhaft“, aber auch „überzogen“. „Die Piaf singt doch meistens von der Liebe, von Abhängigkeiten. Ich sehe mich ganz woanders, bei ganz anderen Themen.“ Konsumkritik zum Beispiel. In ihrem bisher größten Hit „Je veux“ geht es ums Geld. „Um in dieser Gesellschaft zu funktionieren, braucht man Geld. Aber es ist nicht das, was mich aufblühen lässt. Ich brauche keine Luxusgegenstände, ich messe Äußerlichkeiten keine Bedeutung bei.“ Dementsprechend läuft sie manchmal herum, trägt bunte Klamotten, Tücher in den Haaren und ein Piercing unter dem Auge. Locker sieht das aus. Manchmal allerdings etwas zu betont locker.

Aber es passt zur Musik der 30-Jährigen aus Tours. Musik, die sich mit den alten Piaf-Klassikern kaum vergleichen lässt. Zaz singt keine klassischen Chansons, sie mixt das französische Liedgut mit dem, was man Zigeunermusik nennt, würzt es mit Jazz und Blues, afrikanischen und südamerikanischen Klängen. Einflüsse, denen sie in den letzten Jahren immer wieder ausgesetzt war.

Denn Isabelle ist mit einem baskischen Tanzorchester auf Tour gewesen und mit einer Latinrockband. So hat sie in kolumbianischen Salzminen gesungen, bei minus 25 Grad in Sibirien und vor 10 000 Zuschauern im Baskenland. Dann liest sie eine Anzeige. „Frau mit rauchiger Stimme gesucht.“ Erst denkt sie an einen „Perversen“, fürchtet Schweinkram, doch es geht um Musik. Der Produzent Kerredine Soltani sucht ein neues Mitglied für sein Kabarett-Ensemble. Anderthalb Jahre tritt sie täglich von 23 Uhr bis 5 Uhr nachts im Kabarett auf. „Es war höllisch anstrengend.“

Sieg im Olympia

2009 tauscht Zaz das Kabarett gegen die Bühne beim „France Bleu/Réservoir Generation“-Talentwettbewerb im Pariser Olympia ein. Und gewinnt. Ein bisschen wie Lena. Nur älter und mit Stimme. Jetzt geht es steil nach oben. Mit Album und ausverkauften Konzerten. Erst in Frankreich, Belgien und der Schweiz. Mittlerweile auch in Deutschland.

Nun hat Zaz Geld. Geld, das ihr ja angeblich nicht so wichtig ist. „Wenn du denkst, dass Geld alleine glücklich macht, bist du darin gefangen“, warnt sie immer noch, sieht mittlerweile aber auch die positiven Seiten des Wohlstandes und kommt zu dem Schluss: „Geld an sich ist gar nicht schlecht.“

Das erste Album von Zaz ist seit gestern in einer Special Edition erhältlich und bietet u.a. Bonustracks, eine DVD mit Doku und Live-Konzertmitschnitt. Wer bei letzterem auf den Geschmack kommt: Die Sängerin tritt am 20. August beim Zeltfestival Ruhr in Bochum auf.

Infos unter http://zeltfestivalruhr.de

 
 

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