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Franka Potente und der lustlose Kampf an der Sex-Front

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Foto: WAZ
Eine starke Frau, ein Erregungsthema: Die Zeitgeschichte lieferte dem ZDF eine super Vorlage für den Film „Beate Uhse – Das Recht auf Liebe“. Doch Franka Potente hat ihre Chance versemmelt.

Essen. 

Als die Studenten auf die Barrikaden gingen, war die sexuelle Revolution in der Bundesrepublik fast vollendet. 1969 setzte Beate Uhse vor Gericht durch, Spezialkondome zur Steigerung der Lust verkaufen zu dürfen. Drei Jahre später strich der Gesetzgeber den umstrittenen Unzucht-Paragraphen 184, mit dem die Justiz die Erotik-Unternehmerin jahrzehntelang gepiesackt hatte. Eine starke Frau, eine Erfolgsstory, ein gesellschaftliches Erregungsthema: Das Leben der Uhse schrie geradezu nach Verfilmung. Aber: Erfüllt „Beate Uhse – Das Recht auf Liebe“ (Sonntag, ZDF, 20.15 Uhr) die Erwartungen?

Allein der Sendeplatz gibt dem kundigen Publikum zu denken. Der Sonntagabend im Zweiten bietet üblicherweise Damenprogramm als Alternative zum „Tatort“ im Ersten. Ob Pilcher oder Lindström – es wird geliebt, gelitten, geweint. Nur: Sex gibt es nie.

Das lässt Schlimmes für den Uhse-Film befürchten. Dass ausgerechnet Hansjörg Thurn das Leben der Erotik-Unternehmerin aus Flensburg bebildern durfte, trägt auch nicht eben zur Beruhigung bei: Der Regisseur verbrach „Die Wanderhure“. Mag sein, dass das ZDF glaubt, es könne den Erfolg des Sat.1-Mittelalterreißers auf die Ikone der Nachkriegsgeschichte übertragen.

Für Seriosität hingegen steht die Kölner Produktionsfirma Zeitsprung. Sie macht aus Zeitgeschichte Spielfilme, meist mit Geschick und Geschmack – wie „Contergan“.

Sorgfältig ausgestattet

Tatsächlich statteten die Produzenten Ica und Michael Souvignier den Streifen sorgfältig mit Antiquitäten aus. Dennoch wirkt der 111-Minüter optisch keineswegs wie ein Freilichtmuseum, in dem sich Schauspieler bewegen.

Leider bewegen sich jedoch die Stars des Films wie in einem Museum: Hans-Werner Meyer als Uhses Gatte Ewe und, schlimmer noch, Franka Potente als die Uhse selbst. Potente, die auf der Leinwand mit „Lola rennt“ und „Bourne Identity“ begeisterte, wirkt viel zu jung für eine Frau, die 1972, als der Unzuchtsparagraph fiel, bereits 53 war. Abgesehen von einer sehr hellen Blondhaar-Perücke, deutet nichts, nichts, nichts in Potentes Maske im Verlauf ihrer mehr als ein Vierteljahrhundert umfassenden Film-Lebensgeschichte auf einen Verlust an Jugend und einen Gewinn an Erfahrung hin. Auch Potentes Spiel bleibt unverändert. Mit der Leichtigkeit eines modernen Mädchens, dem zu viel zufiel, schwebt sie durch die Kulissen des Films, lächelnd, im Streit mit ihrem Mann wirkt sie sanft, beim Kampf vor Gericht unbeteiligt. Potente unterläuft mit Macht das Drehbuch von Timo Berndt, das vom exakten Gegenteil erzählt: Psycho-Krieg und Justiz-Scharmützel machen die Frau, die mit der gut gemeinten Aufklärungsbroschüre „Schrift X“ startet und als kommerzielle Sexpertin endet, zwar bundesweit bekannt. Dennoch muss sie einen hohen Preis dafür zahlen: Ehemann und Geschäftspartner Ewe hält den Druck nicht mehr aus, flieht in eine Affäre mit dem Kindermädchen und aus Uhses Leben.

Hübchen als knittriger Anwalt wunderbar

Im Gedächtnis bleiben eher Nebenfiguren wie der wunderbare Henry Hübchen als Uhses Anwalt, der für sie das Recht auf Liebe und die für ihre Kunden unverzichtbaren Utensilien durchsetzt – als Dank dafür, dass sie dem verstümmelten Kriegsheimkehrer zu Beginn ihrer Karriere Mut zum Leben zurückgab.

Dennoch wirkt die Filmbiografie über die Frau, die Geld, Liebe und Triebe in ihrem Versandhandel vereinte, keimfreier als Sagrotan. Die knallharte Unternehmerin wird weichgezeichnet, das milde Licht der Nostalgie schimmert über Uhses Kampf gegen Nachbarschaftsmobbing und Paragraphenkrieg. Obendrein fehlt der archivarischen Fleißarbeit das, womit Pilcher und Lind­ström ihr Publikum noch für die schwächste Handlung entschädigen: die beeindruckenden Landschaftspanoramen.