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Franjo Pooth und die Millionen

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Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool
Das einstige Glamour-Paar Franjo und Verona Pooth verstand sich mal prächtig mit den Sparkassenbossen. Lang ist’s her. Jetzt sitzt ein Ex-Vorstand vor Gericht. Das letzte Kapitel einer Skandalstory.

Düsseldorf. 

Typisch Düsseldorf, lästern sie im Ruhrgebiet, wenn sie solche Geschichten lesen. Nichts in der Tasche, aber auf dicke Hose machen. Die Hauptdarsteller: Franjo Pooth, von Beruf Sohn und Gatte von Verona, ein Teil der damaligen Führungsriege der Düsseldorfer Stadtsparkasse, Insolvenzverwalter und die Staatsanwälte. Die schlagen am Mittwoch das letzte Kapitel auf in einer Skandalstory, bei der sich vor allem das sonst so solide Geldhaus nach mehr als drei Jahren endlich das Schlusswort herbeisehnt. Es hat Millionen verloren.

Ein längst gefeuertes Vorstandsmitglied sitzt vor den Richtern. Der 52-Jährige soll Franjos Elektronikfirma Maxfield eigenmächtig den Kreditrahmen erhöht haben. Laut An­klage ließ er sich obendrein mit einer kostenlosen „Bang & Olufsen“-Fernsehanlage im Wert von 8825 Euro bei Laune halten, auf die er laut Pooth voller Ungeduld gedrängt ha­ben soll. Die bombastische Technik war zwar bei der Hausdurchsuchung wohl verschwunden. Of­fenbar lag aber die Bedienungsanleitung noch herum. Da wird’s mit den Begründungen kompliziert.

Vorbestraft wegen
Insolvenzverschleppung

Pooths Laden rauschte trotzdem in die Pleite, der 41-Jährige wurde obendrein 2009 we­gen Untreue, Bestechung, Vorteilsgewährung und fahrlässiger Insolvenzverschleppung per Stafbefehl zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Einmal wollte er seiner Familie zeigen, dass auch er es draufhat. Und dann sowas.

Von den 9,3 Millionen, die ihm die Stadtsparkasse einst großzügig überließ, hat er 820 000 Euro zurückgezahlt. Vermutlich Bares vom Papa, einem angesehenen Architekten. Oder von Verona, der Ge­schäftstüchtigen. Deren tränenunterlegtes „Alles nicht so schlimm“-Geflöte bei Kerner und Co. löste vor allem in Franjos Gläubigerschlange nicht gerade Freudengeheul aus. Dass die Dinge des Lebens andere bezahlen, ist für den Blondgelockten mit dem Milchgesicht vermutlich keine neue Erfahrung. Viel Gel, wenig Geld.

Was waren das noch für Zeiten, als das Promipärchen aus der Familienvilla im Nobelvorort Meerbusch eine Prise Glamour ins biedere Geldhaus an der Berliner Allee brachte. Als Franjo noch im hellgrauen Hummer die Herde der Rest-Autos vor sich hertrieb und man darüber hinweglächelte, wenn Veronas Plappermündchen in ei­ner Talkshow die Bemerkung entfleuchte, ihr Ehemann könne Banker um den Finger wic­keln.

Der hatte ein paar Semester Architektur studiert und im Grunde keine großen kaufmännischen Vorkenntnisse. Warum auch, wenn man gute Freunde hat?

Ritterschlag für den Sparkassenboss

Vor allem der lebenslustige Sparkassenboss empfand es ganz offensichtlich als Ritterschlag, mit den Pooths per du zu sein. Es ist ja nicht so, als ob sich auf der Königsallee täglich die Weltstars in den Ar­men lägen. Promis sind selbst in Düsseldorf ein rares Gut.

Der Top-Banker und fünf seiner Kollegen tanzten 2005 so­gar auf der Wiener Hochzeit der Pooths. Das würde er heute nicht mehr tun, hat er un­längst gesagt. Diese Entscheidung wird er allerdings auch nie mehr treffen müssen.

Vom linken bis zum rechten Ohr grinste er einst in die Kamera, als er mit Verona beim Golfen abgelichtet wurde. Man tafelte gemeinsam beim Edelitaliener in Oberkassel, und ja, im Gegensatz zum Angeklagten ließ der 57-Jährige einen fetten Flachbildschirm, der ihm aus Pooths Ecke zugedacht war, sofort wieder zu­rückgehen. Zwar feuerte auch ihn die Sparkasse fristlos, sie musste das aber teuer bezahlen, weil die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Banker einstellte: 1,2 Millionen als Abfindung und etwa die gleiche Summe noch einmal in Form von Altersbezügen, ist zu hören.

Bescheidenere Ausstattung

Davon kann sein ehemaliger Vorstandskollege nur träumen. Der sitzt ab Mittwoch auf der Anklagebank. Sein aktueller Fernseher dürfte etwas bescheidener sein in der Ausstattung. Eine Fernbedienung wird allerdings dazugehören. Damit kann er ja schnell um­schalten, wenn Verona mal auf dem Bildschirm erscheint.

So oft passiert das allerdings auch nicht mehr.