Felix Klare – vom „Momentversagen“ zur Fehlerkette

Eine Kette fataler Fehler: Felix Klar, Lisa Wagner
Eine Kette fataler Fehler: Felix Klar, Lisa Wagner
Foto: WDR/Frank Dicks
Ein Augenblick kann das Leben eines Menschen verändern. Das ARD-Drama „Momentversagen“ zeigt, wie ein Staatsanwaltschaft durch eine unbedachte Reaktion in einen Abwärtsstrudel gezogen werden kann. Den Film interessiert vor allem das moralische Dilemma, in dem sein Held steckt.

Köln. Es gibt sie, diese Augenblicke, die alles verändern. Fehlentscheidungen, die einen Lebensplan zertrümmern und denen das ewige Lamento des „hätte ich doch mal...“ folgt. Fehler, die weitere Fehler nach sich ziehen und die die Lage verschlimmern. Jeder kennt das oder hat es schon gehört. Für ein Fernsehdrama müssen Wucht und Fallhöhe stimmen, und das ist in Friedemann Fromms Film „Momentversagen“ (ARD, 20.15) so. Seinen Staatsanwalt Manuel Bacher (Felix Klare) lässt Drehbuchautor Norbert Ehry tief stürzen. Gerade noch befördert und gefeiert und glücklich verheiratet, manövriert der Aufsteiger sich von einem zum anderen Augenblick in eine Krise.

Er landet im Bett einer Kollegin – aber das ist nur der Anfang

Erst landet er nach durchzechtem Abend im Bett der schönen Kollegin (Julia Thurnau), und auf dem nächtlichen Heimweg durch einen Park greift er in den gewalttätigen Streit eines Junkie-Pärchens ein, schlägt den jungen Mann mit einer Flasche nieder und prügelt plötzlich in einem Aggressionsrausch auf ihn ein, als bereite es ihm Lust. Ein Kopfmensch entdeckt die dunkle Seite in sich. Tags darauf muss Bacher erfahren, dass der Bursche ein paar Meter weiter tot aufgefunden wurde.

„Momentversagen“, eine Art „Tatort“ ohne Kommissar, spielt die Gewissensfrage als Kern der Geschichte aus und macht Bachers falsche Entscheidungen nachvollziehbar, ohne sie zu verteidigen. Denn der Film argumentiert ja lieber hübsch moralisch: Wer versucht, sich durchzulavieren, den trifft es noch härter, als wäre er von Anfang an ehrlich gewesen. Natürlich fragt sich Bacher, ob er alles opfern soll für eine ehrliche Aussage bei der Polizei: Die Karriere läuft, die liebevolle Frau (Lisa Wagner) ist schwanger, das schicke neue Haus ist gerade fertig geworden. Und hat er mit seiner Zivilcourage nicht sogar rechtens gehandelt?

Regisseur Friedemann Fromm zwingt den Betrachter in diese gedankliche Debatte, denn Felix Klare, der diesem inneren Kampf ein glaubhaftes Gesicht gibt, spielt den Staatsanwalt eben nicht als einen skrupellosen Emporkömmling. Das wäre zu billig, das Urteil über ihn fiele zu leicht. Dieser Bacher, der unter immer stärkeren Druck gerät, ist kein unsympathischer Typ. Auch als er seiner Leonie den Seitensprung und das Drama im Park kleinlaut beichtet, wird spürbar, dass es seiner Natur zuwiderliefe, das alles mit sich alleine auszumachen. Er ist keiner, der schon aus Routine lügt.

Als sich eine junge Drogenabhängige (Lili Zahavi) erpresserisch ins getrübte Eheglück einmischt, weil ein Freund von ihr als Tatverdächtiger verhaftet wurde, spitzt sich die Lage weiter zu. Denn nun ist womöglich ein Unschuldiger von Bachers Fehlentscheidungen betroffen. Aber jetzt ist es vor allem Leonie, die nicht will, dass ihr Mann alles aufs Spiel setzt.

Leider verliert Ehrys Drehbuch an dieser Stelle ein Stück seiner ordentlichen Qualität, das Spiel zwischen der jungen Frau, die sich nun im Haus einnistet und gar gemeinsame Pläne mit dem Paar schmiedet, verliert zusehends an Halt und Glaubwürdigkeit. Gleichwohl ist Fromms Erzählstil erfreulich unaufgeregt. Und sein Ensemble liefert seriöse Arbeit ab.

 
 

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