Felicitas Woll und die Märchen

Foto: Andrea Enderlein/ZDF

Köln.  Ein Kaffee vorweg, und dann geht’s los. Unbefangen, offen und ehrlich wirkt Felicitas Woll (33) beim Gespräch mit Jürgen Overkott in einem Kölner Hotel über ihre Rolle als Kommissarin in der Nele-Neuhaus-Verfilmung „Schneewittchen muss sterben“ (Montag, ZDF, 20.15 Uhr).

Ihre Kommissarin zeichnet sich durch gute Menschenkenntnis aus. Gilt das auch für Sie?

Ich beobachte. Mein Beruf bringt mir viel Menschenkenntnis, weil man so viele Menschen trifft. Man guckt ihnen zunächst mal nur vor den Kopf, aber beim zweiten, dritten Treffen kann man auch dahinter sehen. Inzwischen kann ich die Leute schon ein bisschen analysieren und herausfinden, wie sie ticken. Und wenn ich dann noch nach dem Sternzeichen frage, weiß ich Bescheid.

Man sagt ja, der erste Eindruck zählt.

Oft ja, oft nein. Der zweite, manchmal sogar der dritte, vierte Blick ist nötig, um wirklich hinter die Fassade eines Menschen zu gucken. Viele Menschen sind wunderbare Schauspieler.

Der Filmtitel „Schneewittchen muss sterben“ klingt nach Märchen. Sind Märchen für Sie und Ihre Tochter ein Thema?

Oh ja, meine Tochter ist schon lange im Märchenalter. Sie hat sich schon früher für Werwölfe, Geister und Märchen interessiert. Sie fängt an, sich mit Angst auseinanderzusetzen. Sie erzählt Kindern in ihrer Klasse von Werwölfen, und die kriegen die Panik.

Märchen können brutal sein.

Das habe ich festgestellt, als ich angefangen habe, Märchen bewusster zu lesen. Aber Märchen sind eben super Lehrmaterial, um sich mit seinen eigenen Ängsten auseinanderzusetzen, mit Eitelkeit, mit Neid, mit Missgunst, mit bösen Energien. Man kann sich als Prinzessin fühlen, zugleich aber auch wissen, dass man ein Biest sein kann.

Märchen-Stoffe sind im Trend. Denken Sie an „Grimm“ bei Vox! Haben Sie eine Idee, warum Märchen wieder so wichtig geworden sind?

Ich glaube, Märchen waren immer Thema. Sie sind ja die Basis von vielen Filmen, von Verwandlungsgeschichten, vom Guten zum Bösen oder anders herum, das Finden der Liebe. Bei unserem Film müssen wir aufpassen, dass er nicht zu sehr Märchen wird, sondern dass er immer noch Krimi bleibt, wenn das Verwunschene auf das knallhart Berechnende trifft.

War „Berlin, Berlin“ auch ein Märchen?

Absolut! Vom Drehen her war’s ein Märchen, aber auch von den Geschichten her. Wir konnten uns Schlösser bauen und Drachen besiegen.

Haben Sie sich bei „Berlin, Berlin“ als Prinzessin gefühlt?

Nö, eher als Unke, die wach geküsst werden wollte.

Wie hat sich Ihr Leben durch „Berlin, Berlin“ verändert?

Das war die beste Zeit. Das war ein echter Knaller. Am Anfang hatten wir ja überhaupt keine Ahnung, wir haben einfach gedreht, und plötzlich war die Serie Kult, ein Hype.

Und es ist so schwer, etwas zu drehen, über das die Leute auf der Straße reden.

Deshalb finde ich Serie ja auch so toll. Oder eine Reihe. Weil man einen Charakter über eine längere Zeit erzählen kann. Die Zuschauer können sich reinfinden. Sie wollen wissen, wie es weitergeht. „Berlin, Berlin“ war ein Sprungbrett, dann kam „Dresden“, und dann kam das Kind. Und dann war da plötzlich Stille. Da habe ich mir schon die Frage gestellt, wie geht es jetzt weiter. Und ich habe auch Druck gespürt: Muss ich jetzt wieder super Leistungen bringen – oder kann ich mich entspannen? Nach dem Motto: Wir gucken einfach mal, was passiert – ich habe mir einen Namen erarbeitet.

 
 

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