Fanatische Bibellehrer drängen an deutsche Schulen

In einigen Schulen wird der Lehrplan untergraben und die Evolutionstheorie nicht unterrichtet. (Symbolbild)
In einigen Schulen wird der Lehrplan untergraben und die Evolutionstheorie nicht unterrichtet. (Symbolbild)
Foto: Felix Kästle / dpa
Die kreationistische Bewegung, die nur an die göttliche Schöpfung glaubt, drängt vermehrt an deutsche Schulen. Experten sind alarmiert.

Berlin.  Charles Darwin und die Entwicklung des Menschen sind Themen, die im Biologieunterricht auf dem Lehrplan stehen. Alles Quatsch, sagen die Kreationisten. Sie sind Verfechter der göttlichen Schöpfung und glauben, das Gott Himmel und Erde geschaffen hat, so steht es schließlich in der Bibel. Und: Sie geben ihren Glauben im Unterricht an ihre Schüler weiter.

Nach deutschem Recht haben Glaubensfragen außerhalb des Religionsunterrichts nichts an staatlichen Schulen in Deutschland verloren – und doch passiert es täglich. Experten warnen, dass auf diese Weise eine Generation von Wissenschaftsskeptikern herangezogen wird, wie die „WAZ“ berichtet.

Ausrichtung an der Bibel

Keimzellen sollen Schulen evangelikaler Freikirchen sein. Sie sind staatlich zugelassen, aber in der Hand privater Träger. Etwa 1100 derartige Schulen gibt es in Deutschland. Sie richten ihre Unterrichtsinhalte am Deutungsrahmen der Bibel aus, wie sie auf der Internetseite des Verbands Evangelischer Bekenntnisschulen erklären.

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Besonders in den USA ist der Kreationismus zu einer mächtigen Bewegung geworden, aber auch in Deutschland steigt sein Einfluss. Laut einer Studie sollen 1,3 Millionen Menschen Kreationisten sein, so die „WAZ“.

Was ist richtig und was falsch?

Dittmar Graf, Professor für Biologie und Didaktik an der Universität Gießen, sieht das Fundament der Gesellschaft bedroht. Grundschulkindern werde beigebracht, dass sie an wissenschaftliche Erkenntnisse nicht glauben müssten, so Graf. Ebenso sieht der Europarat darin eine „große Gefahr in den Köpfen der Kinder eine Verwirrung zwischen Überzeugung oder Glaube und Wissenschaft zu verursachen“.

Wie sehr die Kreationismus schon Wurzeln geschlagen hat, zeigt eine Studie von Professor Graf: Demzufolge haben fünf Prozent aller künftigen Biolehrer nach eigener Aussage Probleme, die Evolutionstheorie anzuerkennen. (ln)

 
 

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