Facebook schürt Neid und macht Nutzer unglücklich

Bei Facebook ist man immer und überall mit allen Freunden verbunden. Doch glücklich macht Facebook nicht, sagen dänische Forscher.
Bei Facebook ist man immer und überall mit allen Freunden verbunden. Doch glücklich macht Facebook nicht, sagen dänische Forscher.
Foto: imago/Fotoarena
Der Verzicht auf Facebook führt offenbar zu höherer Zufriedenheit, sagen Forscher. Facebook fördere Neid – und das ist so gewollt.

Stockholm.. Das soziale Netzwerk Facebook beeinflusst die Auffassung der Wirklichkeit stark – und anscheinend auch negativ. Die Nutzer vergleichen sich unaufhörlich miteinander. Das schürt Neid und das Gefühl der Unzulänglichkeit des eigenen Lebens. Zu diesem Schluss kommen zumindest Wissenschaftler des dänischen Forschungsinstitutes für das Glück, des Happiness Research Institute.

In einer umfangreichen Studie haben sie festgestellt, dass Menschen, die Facebook nicht weiter nutzen, schon nach einer Woche ein „signifikant höheres Niveau von Lebenszufriedenheit erreichen“, wie Institutschef und Forschungsleiter Meik Wiking unserer Redaktion sagte. Für die repräsentative Studie unter Facebooknutzern in Dänemark befragte das Institut 1095 Personen zu deren Zufriedenheit in unterschiedlichen Lebensbereichen und bewertete diese unter anderem in einer Skala von eins bis zehn. Die Hälfte der Befragten musste anschließend eine Woche auf Facebook verzichten.

Am Ende der Woche hatte die Testgruppe, die Facebook weiter nutzte, zu 39 Prozent häufiger das subjektive Gefühl, im Vergleich mit dem eigenen Bekanntenkreis weniger glücklich zu sein, als die Gruppe, die Facebook nicht mehr nutzte. In der Facebook-Abstinenzgruppe stieg die allgemeine Lebenszufriedenheit in einer Woche auf der Skala signifikant von 7,56 auf 8,12 Punkte. In der Kontrollgruppe lag sie zu Beginn bei 7,67 und nach einer Woche bei 7,75 Punkten.

Facebook-Abstinenzler können sich besser konzentrieren

Die Forscher konnten auch feststellen, dass die Facebook-Abstinenzler nach einer Woche mehr realen sozialen Aktivitäten nachgingen als die Kontrollgruppe. Das Gefühl, Lebenszeit zu vergeuden, nahm bei ihnen stark ab. Auch die Konzentration der Facebook-Entsager stieg im Vergleich zu der Gruppe, die Facebook weiter benutzte, deutlich an. Die Versuchspersonen, die Facebook weiter nutzten, fühlten sich zu 55 Prozent mehr „gestresst“ als die anderen Teilnehmer. Das Gefühl im „Hier und Jetzt“ zu sein, stieg bei den Facebook-Pausierern im Vergleich zur Kontrollgruppe um 18 Prozent.

Facebook sei eine Vergleichsmaschine, die den menschlichen Neid anfeuere, sagt Wiking. „Facebook verzerrt unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit.“ Es vermittle den Eindruck, das Leben der anderen sei toller, „weil die meisten Menschen bei Facebook ausschließlich positive Dinge posten“, erklärt Wiking. „Es ist eine schöne neue Welt mit fast ausschließlich positiven Nachrichten, die uns auf Facebook von unseren Freunden erreicht. Wir fühlen uns unzureichend, denn alle scheinen es viel besser zu haben“, sagt er.

Facebook feuert Neid bewusst an

Der US-Schriftsteller und Gesellschaftskritiker Jonathan Franzen geht noch weiter. Er sagte kürzlich im schwedischen Fernsehen SVT, kommerzielle Internetforen wie Facebook feuerten Neid und Unzufriedenheit ihrer Nutzer bewusst an. Je unzufriedener jemand sei, desto häufiger klicke derjenige auf der Suche nach Bestätigung auf Facebook und vergleichbaren Seiten herum. Je mehr Nutzeraktivitäten im jeweiligen Internetforum, desto höhere Werbeeinnahmen. Neid schaffe mehr Konsum, so Franzens Theorie.

Die dänischen Forscher planen nun eine Studie, in der die Auswirkung auf die Zufriedenheit bei einem noch längeren Fernbleiben von Facebook gemessen werden soll. „Der Effekt auf das Glück könnte noch viel mehr ansteigen. Gleichzeitig könnte aber auch ein Gefühl der Isolation zu dessen Minderung führen“, vermutet Wiking. Inzwischen sei Facebook ein so fester Bestandteil der wirklichen sozialen Welt, dass es einem fehlen könnte. „Es ist also nicht alles schlecht bei Facebook“, stellt Wiking klar. „Aber es hat anscheinend einen negativen Effekt auf unsere Zufriedenheit.“

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