Ex-Bundespräsident Wulff schimpft von der Anklagebank

Ex-Bundespräsident Christian Wulff mit seinem Anwalt Michael Nagel.
Ex-Bundespräsident Christian Wulff mit seinem Anwalt Michael Nagel.
Foto: Getty
Christian Wulff mag die Rolle überhaupt nicht: die des Angeklagten. Das lässt er alle Beteiligten im Prozess um Vorteilsnahme vor dem Landgericht Hannover spüren. Wulff gibt allerdings ein schlechtes Bild ab. Seine Ex-Sekretärin zeigt auf, wie sehr ihr ehemaliger Chef bemüht war, um das private Treffen mit Filmproduzent Groenewold herum dienstliche Termine zu legen.

Hannover.. Der Ärger war dem Ex-Bundespräsidenten anzusehen. „Der Eindruck entsteht ja, dass ich mich überwiegend auf Sylt und Capri aufgehalten hätte“, schimpfte Christian Wulff von der Anklagebank, während seine frühere Sekretärin auf dem Zeugenstuhl saß. In Stapeln habe man seine zahlreichen Termine als Ministerpräsident sortieren müssen, schon im Januar 2013 habe er 800 Termine für das Jahr enthalten, erinnerte Wulff die Zeugin unwirsch. Und laufend seien neue Einträge dazugekommen.

Als Angeklagter vor Gericht – diese Rolle nervt Christian Wulff weiter gewaltig. Das Landgericht Hannover versuchte am Mittwoch mit weiteren Zeugen zu klären, ob Wulff sich 2008 als niedersächsischer Ministerpräsident der Vorteilsannahme schuldig gemacht hat. Mit Ehefrau Bettina hatte Wulff das Oktoberfest in München besucht und zwei Nächte im Nobelhotel „Bayerischer Hof“ logiert.

Einen Teil der Kosten trug der mit Wulff gut bekannte Filmunternehmer David Groenewold, der mit von der Partie war. Für eine Nacht in der Suite 770 des Hotels, normal mit 1900 Euro gelistet, zahlte Wulff letztlich 230 Euro. Denn von jenen 430 Euro, die die Hotelleitung ihm als Prominenten-Superrabatt in Rechnung stellte, übernahm Groenewold für Wulff nochmal 200 – an beiden Tagen.

„Mittagessen mit Professor M.“

Der München-Aufenthalt mit Groenewold war Wulff wichtig. Bereits im Januar 2008 habe sie einen Termin geblockt, erzählte Wulffs frühere Sekretärin. Alles weitere erledigte das Büro Groenewolds. Um überhaupt noch Zeit für Wulff freizuschaufeln, hatten seine Mitarbeiter Codes erfunden. Wenn „Mittagessen mit Professor M.“ im Terminkalender stand, bedeutete das: Wulff braucht ein paar Stunden zum Arbeiten. „Professor M. gab es nicht“, erzählte die Sekretärin.

„MP in Brandenburg“ lautete eine andere Variante, wenn Wulff ein ganzes Wochenende zur Verfügung haben sollte. Neue Belege für Amigo-Wirtschaft mit Groenewold brachte die Aussage der Frau zwar nicht. Wulff tat aber offenbar einiges, um seine München-Reise zur Dienstreise zu machen. So trat er am ersten Tag mit einem Grußwort bei einer CSU-Kundgebung auf dem Marienplatz auf – als Vertreter der Niedersachsen-CDU. Die erste Übernachtung war damit über die Parteikasse abzurechnen.

"Er brauchte ja einen dienstlichen Anlass"

Mit dem Verleger Hubert Burda kam es am zweiten Tag zu einem Treffen im „Käfer“-Festzelt des Oktoberfestes. Dabei sprach Wulff angeblich über Medienpolitik, machte also Regierungspolitik. Bei der CSU war offenbar eigens angefragt worden, ob es am fraglichen Abend einen passenden Termin gebe. „Da hat Herr Wulff gesagt, da kann er doch mal kurz zu der Parteiveranstaltung gehen“, erzählte die Sekretärin. Zu dem Gespräch mit Burda meinte sie: „Das war der Termin, der Herrn Wulff berechtigt hat, die zweite Nacht zu übernachten. Er brauchte ja einen dienstlichen Anlass.“

Polizei und Staatsanwaltschaft hatte stutzig gemacht, dass ein Burda-Termin nicht im Terminkalender Wulffs auftauchte. Burda, Ehemann von „Tatort“-Kommissarin Maria Furtwängler, soll im Prozess wie seine Frau noch als Zeuge befragt werden. Auch Furtwängler saß mit den Wulffs im „Käfer“-Zelt.

Groenewolds damalige Sekretärin bestätigte als Zeugin, dass die Reiseabwicklung über sie lief. Sie kam mit einem Anwalt ins Gericht. „Mir war bei der Reservierung klar, dass alle Kosten Christian Wulffs von David Groenewold übernommen werden“, hatte sie schon bei einer früheren Vernehmung durch die Polizei betont, nämlich über Groenewolds private Kreditkarte. Wie die beiden Männer sich dann vor Ort geeinigt hätten, gehe sie nichts an.

 
 

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