Entführtes Model erzählt von Flucht: „Ich musste meinen Kidnapper dazu bringen, sich in mich zu verlieben“

Das Model wurde nach der Entführung häufig angefeindet – weil es „zu unbeschwert“ wirkte. (Symbolbild)
Das Model wurde nach der Entführung häufig angefeindet – weil es „zu unbeschwert“ wirkte. (Symbolbild)
Foto: Valentina Barreto / imago/Westend61
  • Im vergangenen Jahr wurde ein britisches Model in Mailand entführt
  • Der Täter wurde inzwischen verurteilt
  • Das Model hat ein Buch geschrieben und spricht offen über das Erlebte

London.  Der Fall erregte im vergangenen Sommer viel Aufsehen: Ein britisches Model reiste zu einem fingierten Fotoshooting nach Italien, wurde entführt – und sollte offenbar im Darknet für Geschlechtsverkehr und pornografische Aufnahmen angeboten werden, wenn sich kein Zahler für ein hohes Lösegeld fände. Der 20-jährigen Chloe Ayling gelang nach sechs Tagen die Flucht.

Anschließend wurde das Model angefeindet – viele wollten ihr die Geschichte nicht glauben, weil sie unter anderem gut gelaunt mit ihrem Entführer beim Einkaufen gesehen wurde, wie Stern.de schreibt. Man warf Ayling vor, die Entführung inszeniert zu haben, um ihre Karriere voranzutreiben. Der Täter, ein 31-jähriger Pole, wurde inzwischen in Italien wegen Entführung zu 16 Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Bett mit Entführer geteilt

Nun hat Ayling mit der britischen Moderatorin Victoria Derbyshire in der gleichnamigen BBC-Sendung über den Fall gesprochen – und brisante Details enthüllt, die ihr zur Flucht verholfen haben sollen.

Bei dem vermeintlichen Fotoshooting in Mailand soll man ihr Ketamin injiziert haben, um sie gefügig zu machen. Nachdem sie anschließend zwei Tage lang an eine Kommode gekettet war, hat sie sich nach eigenen Angaben dazu entschieden, mit ihrem Kidnapper das Bett zu teilen. „Je mehr wir geredet haben, desto mehr festigte sich ein Band zwischen uns, und als ich realisierte, dass er begann, mich zu mögen, wusste ich, dass ich das zu meinem Vorteil nutzen musste“, erzählt das Model gegenüber Derbyshire.

Gemeinsamer Cafébesuch

Anschließend habe sie gegenüber dem Kidnapper vorgetäuscht, eine Beziehung mit ihm eingehen zu wollen. „Ich dachte: Das ist meine Chance, rauszukommen“, so Ayling. Als der Entführer realisiert habe, dass das Lösegeld nicht gezahlt werden würde, fuhr er sie zum britischen Konsulat in Mailand, um sie frei zu lassen. Ayling zufolge soll ihn zusätzlich die Tatsache, dass sie Mutter eines kleinen Kindes ist, zu ihrer Freilassung bewegt haben.

Während die beiden darauf warteten, dass das Konsulat öffnete, saßen sie lachend und scherzend in einem Café, wie Zeugen beobachteten.

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Ayling gibt zu, dass das „komisch“ gewirkt haben könnte, „aber warum solltest du kühl zu einer Person sein, die gerade beginnt, Gefühle für dich zu entwickeln und sich darauf verlässt, um dich zu entlassen?“

Model hat Buch geschrieben

Nach ihrer Rückkehr nach Großbritannien wurde Ayling dafür kritisiert, unbeschwert und glücklich zu wirken. „Die Menschen erwarteten, dass ich die ganze Zeit weinen und mich von der Welt abschotten würde, ohne vor irgendwelche Kameras zu treten. Ich hätte das durchaus tun können, aber ich dachte, dass mir das nicht helfen würde. Indem ich über das Erlebte sprach und von Leuten umgeben war, konnte ich weitermachen“, erklärt sie. Inzwischen hat sie ein Buch über ihre Entführung veröffentlicht.

Der verurteilte Täter hatte während des Prozesses angegeben, Ayling schon vor der Entführung kennengelernt und sich in sie verliebt zu haben. Durch den Skandal habe er ihr Aufmerksamkeit bescheren wollen. (raer)

 
 

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