Elche stürmen schwedische Städte

Stockholm..  So viele waren es schon lange nicht mehr. Nach extrem starken Schneefällen in Nordschweden haben sich ganze Elchrudel aus den norrländischen Wäldern mit Heißhunger auf den Weg in die nahe liegenden Städte gemacht.

So konnten Bewohner im rund 41 000 Einwohner zählenden Piteå allein am Wochenende drei kleine Gruppen Elche an unterschiedlichen Orten in der Stadt bestaunen. „In diesem Jahr sind es viel mehr und größere Gruppierungen, und wir haben einen Sturm von Bürgeranrufen zu bewältigen“, sagt Lars Lundman, Tiersachverständiger der Polizei der Region Norrbotten, dieser Zeitung.

„Wir können leider nicht viel dagegen tun. Wenn wir versuchen, sie zu verjagen, besteht das Risiko, dass sie aus Angst auf die Straßen in den Verkehr rennen“, sagt Lundman. Er habe großes Verständnis dafür, dass vor allem Familien mit kleinen Kindern und Hundebesitzer sich Sorgen machen, angesichts der majestätisch-großen Vierbeiner. Die seien aber zumindest grundsätzlich friedliebend. Die Polizei hat der Bevölkerung deshalb gleich Tipps zum Umgang mit den Besuchern aus dem Wald gegeben. „Wenn man sie versucht wegzujagen, etwa indem man Gegenstände auf sie wirft, können sie aggressiv werden“, warnt Lundman.

Elche lieben besonders Apfelbäume. Wer seinen Vorgärten und Bäume vor ungebetenem Elchbesuch schützen will, sollte laut Polizeimitteilung Plastikmüllsäcke, CD-Scheiben oder Topfdeckel anhängen. Die Tiere haben für gewöhnlich Angst vor den Geräuschen und dem Glitzern solcher Gegenstände im Wind, erklärt Lundman.

Die Vierbeiner verirren sich immer wieder mal an falsche Orte. Im Herbst sind sie außerdem mitunter betrunken, weil sie viele vergorene Äpfel gegessen haben. In angeheitertem Zustand verlieren sie dann jede Scheu und attackieren schon mal ein am Waldesrand gelegenes Altersheim. Selbst einer ausgerückten Polizeistreife gelang es nicht, die Tiere zurück in den Wald zu treiben. Die Streifenpolizisten mussten Verstärkung durch mit Flinten bewaffnete Jäger anfordern, bevor die „Könige des Waldes“ sich davon trollten.

Beliebt bei Touristen,aber gefürchtet bei Autofahrern

Auch ein großer Teil der Verkehrsunglücke ist auf Elche, aber auch Rentiere zurückzuführen, die sich auf Straßen verirren. In Schweden gibt es zwischen 300 000 und 400 000 Elche im Sommer. Rund 100 000 Tiere werden bei der als Volkssport weit verbreiteten Elchjagd im Herbst erlegt. Neben dem Menschen müssen die Tiere auch die in Schwedens Wäldern lebenden Wölfe fürchten.

Elche sind aber auch ein Tourismusmagnet. In zahlreichen Regionen gibt es Elchsafaris und Streichelgehege, die vornehmlich von deutschen Touristen besucht werden. Die Schweden selbst mögen die Elche dagegen ganz anders: als Hauptspeise auf dem Tisch.

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