Eine Zeitreise durch die Automobilgeschichte

Leonie und Klaus Pfeiffer in ihrem quietschgelben Fiat 600 auf der Techno Classica am Messestand der Fiat 600 Freunde.
Leonie und Klaus Pfeiffer in ihrem quietschgelben Fiat 600 auf der Techno Classica am Messestand der Fiat 600 Freunde.
Foto: Volker Hartmann
Auf der Oldtimermesse Techno Classica geht Liebhabern historischer Autos das Herz auf. Bis Sonntag können hier Chrom-Juwelen aller Art und Preisklasse bewundert und gekauft werden. Über eine besondere italienische Liebe und drei Experten-Tipps, damit der Kauf solch eines alten Schätzchens nicht zum Desaster wird.

Essen.. Versteckt in der hintersten Ecke in Halle 6 gibt es eine Rolltreppe. Sie führt den Techno Classica-Besucher zur Halle 6.1, in der – völlig zu Unrecht in die letzte Ecke verbannt – kleine, aber feine Automobilclubs liebevoll ihre Messestände errichtet haben.

Familie Pfeiffer ist dem Fiat 600 verfallen

So auch die „Fiat 600 Freunde Deutschland“ aus dem Emsland. Mit dabei die Pfeiffers. Eine Familie, die voll und ganz der Fiat 600-Liebe verfallen ist. Von 1955 bis 1969 produzierte Fiat den kleinen Großen, in den trotz gerade einmal 3,30 m Länge und 1,40 m Breite bis zu vier Personen passen. Ein praktischer Familienwagen.

Und so etwas „günstiges, kleines“ wollte Vater Klaus Pfeiffer (68) 1985 für seine Frau, „damit sie damit die Kinder zur Schule und zum Supermarkt fahren konnte.“ So kam er für knapp 600 DM zu seinem ersten gebrauchten Fiat 600. „Irgendwann ging der nicht mehr über den TÜV, aber wir wollten unser liebgewonnenes Familienauto behalten“, erinnert sich Tochter Leonie (30). So kam Vater Klaus 1999 zum „Fiat 600 Freunde“-Club.

Es war Liebe auf den ersten Blick

Heute schrauben Vater und Tochter gemeinsam an ihren inzwischen zwei fahrenden Exemplaren, zwei Bastelstücken und drei Karosserien leidenschaftlich herum, hegen und pflegen ihre kleinen Italiener und sind mit dem Club auf Oldtimer-Messen und Fiat-Treffen unterwegs. Nach knapp drei Jahrzehnten Fiat-600-Liebe sind sie zu Experten geworden.

Das war aber nicht immer so, zum Beispiel beim Kauf von Leonies quietschgelbem Fiat 600, der über zehn Jahre älter ist als sie: „Als ich ihn aus der Garage rausfahren sah, so strahlend gelb, das war Liebe auf den ersten Blick!“ Die Liebe entpuppte sich aber als tückisch: „Die Elektrik war nichts“ – und auch vieles andere war in die Jahre gekommen. Heute weiß sie: „So macht man es eben nicht. Man verliebt sich zu schnell!“

Damit aus so einer Liebesaffäre kein Ehe-Krieg wird, sind hier drei nützliche Tipps für Oldtimer-Neulinge.

1 Nichts überstürzen

Profis kennen sich aus auf dem Markt und können es riskieren, von privat zu kaufen. Neulinge sollten sich Zeit nehmen, den Markt sondieren und sich anhand von Fachmagazinen und Messebesuchen vor dem Kauf informieren. Oldtimer-Clubs helfen auch weiter. Im Internet finden sich zahlreiche Adressen und Datenbanken zur Wertermittlung alter Fahrzeuge. Zum Beispiel www.classic-analytics.de.

2 Händler suchen

Nicht nur Bastler kaufen sich heutzutage einen Oldtimer. Historische Fahrzeuge sind für viele eine sichere Wertanlage, daher wächst das Interesse an historischen Fahrzeugen.

Das haben sich auch Fälscher zunutze gemacht und bieten Nachbauten als teure Originale an. „Neulinge sollten sich einen guten Klassik-Händler mit Renommee suchen“, rät Frank Reichert, Leiter Klassik-Koordination des ADAC. Neben einer guten Beratung erhalten Käufer hier auch eine einjährige Gewährleistung auf die alten Schätzchen. „Der ADAC hat eine eigene Anlaufstelle, was klassische Fahrzeuge betrifft. Er vermittelt Sachverständige aus bundesweit 53 Kooperationsclubs und hat drei technische Prüfzentren, die auf Oldtimer spezialisiert sind“, erklärt Reichert. Außerdem bringt er jährlich einen Oldtimer-Ratgeber heraus mit allem Wissenswerten für Liebhaber klassischer Automobile.

3 Gutachten und Zertifikate

Die Fédération Internationale des Véhicules Anciens (FIVA) ist der Oldtimer Weltverband. „Der autorisierte und offizielle Fahrzeug-Pass ,FIVA-Identity-Card’ weist die Authentizität eines Fahrzeugs nach. Neben technischen Daten werden hier die Historie und etwaige Veränderungen dokumentiert“, so Reichert. Rechnungen, Vorbesitzer- und Auslieferungsbescheinigungen belegen die Originalität eines Oldtimers ebenfalls. „Aber auch Herstellerexpertisen oder Sachverständigengutachten geben Sicherheit beim Kauf. Solche Zertifikate treffen nicht nur wertvolle Aussagen über das Fahrzeug, sondern steigern auch den Wert der Klassiker.“

 
 

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