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Eine Stuntfrau kämpft um ihr Leben

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Foto: Diana Pakroppa
Diana Pakroppa war eine leidenschaftliche Reiterin und hat als Stuntfrau für TV- und Kino-Produktionen gearbeitet. Vor zwei Jahren wurde sie bei einem Dreh von einem Motorrad am Kopf getroffen und schwer verletzt. Die 36-Jährige kämpft sich zurück ins Leben.

Hagen. 

Diana Pakroppa steht auf einem Kissen und versucht, die Balance zu halten. Für die große, schlanke Frau keine leichte Übung. „Ich muss mich darauf konzentrieren, nicht hin und her zu wackeln. Das sieht sonst aus, als wäre ich betrunken“, sagt die 36-Jährige und lächelt. Dass sie überhaupt wieder stehen kann und in einer Reha-Einrichtung in Hagen trainiert, grenzt an ein Wunder. Denn vor zwei Jahren wurde die Stuntfrau bei Dreharbeiten für die RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“ schwer verletzt.

Ein Motorradfahrer sollte ein von Pakroppa geführtes Pferd überspringen. Der Stunt ging schief. Der Motorblock des Fahrzeuges knallte mit voller Wucht gegen ihren Hinterkopf. Eine Geschichte, die in ihrer Tragik an den schweren Sturz des Stuntmans Samuel Koch in der ZDF-Show „Wetten, dass…?“ am 4. Dezember erinnert. Nur dass Diana Pakroppa nicht vor den Augen von Millionen von Fernsehzuschauern verunglückte.

Mit dem Rettungshubschrauber wurde die Wuppertalerin an diesem 16. September 2009 in die Bonner Uniklinik geflogen. Mit massiven Blutungen im Gehirn, einem zweifach gebrochenen zweiten Halswirbel und einem Riss in der Lunge – dem Tod näher als dem Leben. Wochenlang lag sie im Koma. „Erinnerungen an diese Zeit habe ich nicht mehr“, erzählt die alleinerziehende Mutter einer 13-jährigen Tochter. „Es ist, als ob mir jemand im Kopf radiert hätte.“

„Weil ich nicht im Rollstuhl enden wollte“

Diese Frau mit dem blonden Pferdeschwanz ist eine Kämpferin, stellten ihre Ärzte schnell erleichtert fest. Eine, die nicht nur bei Stunts als lebende Fackel oder bei Salti vom Pferderücken Mut beweist. Gut ein halbes Jahr lag die Wuppertalerin im Krankenhaus. Seit elf Monaten kämpft sie sich in der Helios Klinik Hagen-Ambrock, einem Fachkrankenhaus für neurologische und neurochirurgische Rehabilitation, zurück ins Leben. „Weil ich nicht im Rollstuhl enden wollte.“ Die sportliche, durchtrainierte Frau musste wieder laufen, sprechen und schlucken lernen. Eine Minute lang schafft sie es mittlerweile sogar, sich an einer Kletterwand festzuhalten. Ein Therapeut steht daneben und passt auf, dass nichts passiert.

Vor dem verhängnisvollen 16. September hatte die gelernte Industriekauffrau zwei Berufe. Sie war Sekretärin eines Steuerberaters und arbeitete parallel als Stuntfrau. „Damit habe ich vor sechs Jahren begonnen.“ Mit „Feuernummern“ war die 1,77-Meter-Frau im Movie Park Bottrop zu sehen. Dann nahm sie ein Kölner Stuntman in sein Team auf, das für das Fernsehen arbeitet, und trainierte sie. Diana Pakroppa spezialisierte sich auf Pferdestunts und war nicht nur in „Alarm für Cobra 11“, sondern auch in den ZDF-Serien „Unser Charly“ und „Da kommt Kalle!“ zu sehen. Sie hat Schauspieler Heino Ferch im Fernsehfilm „Der geheimnisvolle Schatz von Troja“ in einer Reitszene gedoubelt. Beim Kino-Historienfilm „Henri 4“ assistierte sie bei den Pferdestunts. Diana Pakroppa liebte die Arbeit vor der Kamera: „Doch das ist Vergangenheit.“

Dem Kollegen macht sie keinen Vorwurf

Die 36-Jährige ist erwerbsunfähig. Für ihren Haushalt benötigt sie eine Hilfe. Ohne Begleitung kann sie ihre Wohnung nicht verlassen. „Ich gehe nur mit meiner Tochter oder meinem Freund nach draußen. Hand in Hand, für den Fall, dass ich umkippe.“

Wo andere aufgeben würden, hat Diana Pakroppa sich Ziele gesetzt. „Ich will wieder wie früher sprechen können, das geht noch zu schleppend. Ich möchte meine rechte Körperhälfte wieder richtig bewegen und auch wieder Auto fahren.“ Wichtig sind ihr auch ihre regelmäßigen Gespräche mit einem Psychiater. „Mit ihm habe ich viel über den Unfall geredet, das ist unheimlich erleichternd.“

Dem Motorradfahrer, einem Stuntkollegen, macht die Wuppertalerin keinen Vorwurf, wie sie betont. „Dieser Unfall war eine Verkettung unglücklicher Umstände.“ Der Stuntman überschlug sich 20 Mal mit seinem Motorrad. „Zum Glück ist ihm dabei nichts passiert“, sagt die 36-Jährige, die nicht zurück, sondern nach vorne blicken will. „Schon für meine Tochter. Für die ist das alles sehr schwer. Sie soll stolz auf mich sein.“