Eine Liebesromanze mitten im Afghanistan-Krieg

Die 27-jährige Wendenerin Juliette Stahl lernte ihren Bräutigam Kevin Landgraf in Mazar-e Sharif kennen.
Die 27-jährige Wendenerin Juliette Stahl lernte ihren Bräutigam Kevin Landgraf in Mazar-e Sharif kennen.
Foto: WP

Wenden.. Während die deutschen Soldaten in Afghanistan tagtäglich um ihr Leben fürchten müssen, haben zwei von ihnen am Hindukusch einen Platz für die Liebe gefunden: Juliette Stahl aus Wenden und Kevin Landgraf aus Steinau.

Die 27-jährige Wendenerin Juliette Stahl lernte ihren Bräutigam Kevin Landgraf in Mazar-e Sharif kennen. Sie war dort als Unteroffizierin in einem Lazarettregiment für die Kontrolle afghanischer Frauen zuständig - und immer, wenn sie dafür das deutsche Lager verlassen musste, holte sie der Stabsgefreite Keven Landgraf ab. Sie war also die Vorgesetzte des jungen Mannes.

Uniformen machen zwar gleich, doch die inneren Werte können sie nicht verdecken. So kamen sich die beiden mit der Zeit immer näher. „Nicht nur Krieg, auch die Liebe findet man in Afghanistan“, schrieben sie jetzt in ihrer Hochzeitsanzeige.

Kein Wunder, dass die Wendenerin nicht lange in der Heimat blieb, als sie von ihrem Einsatz in Afghanistan zurückkehrte. Eilig packte sie ihre Siebensachen und zog zu Kevin Landgraf in die Oberpfalz. Dort arbeiten nun beide in einer Großbäckerei, sie als kaufmännische Leitung, er als IT-Fachmann.

Juliette gab ihrem Kevin das Ja-Wort

Jetzt erreichte die ungewöhnliche Romanze ihren ersten Höhepunkt: Im Wendener Rathaus gab Juliette ihrem Kevin vor dem Standbeamten Günter Frohnenberg das Ja-Wort.

Vor Ort waren natürlich auch Verwandte, Kameraden und Freunde der beiden 27-Jährigen. „Die haben mir beim Junggesellenabschied die Beine abrasiert“, klagte Kevin Landgraf augenzwinkernd über die Hochzeitsbräuche im Sauerland. Wie seine Braut in Pfälzer Tracht gekleidet, bereute er beim Anblick seiner unbehaarten Beine, die unten aus der Kniebundhose ­schauten, die unfreiwillige Enthaarungskur doch ein wenig.

Obwohl die echten Scherzaufgaben erst bei der kirchlichen Trauung im nächsten Jahr zu erwarten sind, wartete auch gestern schon eine Prüfung auf das Paar. Zusammen mussten Juliette und Kevin ein großes Herz in ein Stofflaken schneiden, bevor der Bräutigam die Braut hindurch tragen konnte.

Auf Hochzeitsreise geht es natürlich erst nach dem kirchlichen Festakt in der Oberpfalz. Juliette Stahl: „Ein Ziel haben wir noch nicht, aber nach Afghanistan werden wir garantiert nicht fahren.“

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