Ein Stipendium als Alternative zum Bafög

In Ruhe studieren, ohne sich um die eigenen Finanzen zu sorgen – Stipendien machen’s möglich.
In Ruhe studieren, ohne sich um die eigenen Finanzen zu sorgen – Stipendien machen’s möglich.
Foto: Getty Images
Das Deutschlandstipendium wird von zu wenigen Studenten genutzt, sagen Kritiker. Stipendiaten und Hochschulen aber sind vom Konzept überzeugt.

Das Deutschlandstipendium gilt seit der Einführung im Jahr 2011 als alternative Studienfinanzierung zum Bafög. Doch noch immer nehmen viel weniger Studenten dieses Stipendium in Anspruch als gedacht. Zwei Prozent sollten es sein, doch die Förderung nutzen deutschlandweit tatsächlich nur 0,84 Prozent aller Studenten.

Worum geht es beim Deutschlandstipendium?

Begabte Studenten aller Nationalitäten können mit 300 Euro monatlich unterstützt werden. Das Geld kommt vom Staat und von privaten Förderern. Ausgewählt werden die Stipendiaten durch die Hochschule. Ziel war es, das Studieren in Deutschland attraktiver zu machen und somit vor allem Studienanfänger zu fördern. Doch mittlerweile erhalten mehr Studenten nach dem ersten Semester die Fördergelder.

Wer wird gefördert?

Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit 22 500 Studierende (0,84 Prozent) gefördert, teilt das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf Grundlage der Zahlen des Statistischen Bundesamtes mit. In NRW lag die Gesamtzahl, gemessen an der Anzahl der Studenten, mit 0,91 Prozent über dem Bundeswert.

Gefördert werden begabte Studierende, die hervorragende Leistungen in Studium oder Beruf erwarten lassen oder bereits erbracht haben. Neben den akademischen Leistungen werden bei der Bewerbung auch die besonderen persönlichen oder familiären Lebensumstände berücksichtigt. Dazu zählen etwa Krankheiten und Behinderungen, die Betreuung eigener Kinder oder pflegebedürftiger Angehöriger, ein Migrationshintergrund oder die besondere Situation von Studierenden, die als erste aus ihrer Familie ein Hochschulstudium aufgenommen haben. Auch gesellschaftliches Engagement und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, sollen in die Auswahlentscheidung einbezogen werden.

Wie kann man sich bewerben?

Die Entscheidung über die Auswahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten liegt bei der Hochschule. Sie bestimmt die Zusammensetzung der Auswahlgremien. Private Förderer können lediglich mit beratender Funktion beteiligt werden und dürfen nicht mitentscheiden.

Was sagen die Kritiker?

Nicht mal ein Prozent der Studenten sei zu wenig, sagen die Kritiker. Deshalb plädiert Matthias Anbuhl vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) für eine Umwandlung der Fördergelder in das Bafög: „Die Bundesregierung sollte einen Schlussstrich unter das Programm ziehen und die staatliche Förderung einstellen.“ Denn die Förderung durch den Staat koste laut Bundesrechnungshof rund 25 Millionen Euro.

Was sagen die Stipendiaten?

Marco Bösebeck ist 26 Jahre alt und studiert an der Ruhr-Universität Bochum „Management & Economics“ (Wirtschaftswissenschaften). Er wird bald den Masterstudiengang beginnen und ist vom Deutschlandstipendium begeistert.

Er hat sich online über eine Bewerbungsplattform beworben. „Durch das Kompaktstudium des Bachelor und Master ist es nicht immer einfach, neben dem Studium ausreichend Geld zu verdienen, um die Lebenshaltungskosten abzudecken. Daher stellte die Möglichkeit einer weiteren finanziellen Unterstützung einen großen Reiz für mich dar“, sagt der Student. Zusätzlich treffe er durch das Stipendium auf potenzielle Arbeitgeber.

Konkrete Pflichten seien mit dem Stipendium nicht verbunden. „Jeder bringt sich nur in dem Umfang in den Stipendiatenkreis ein, wie er es möchte.“

Ähnlich verhalte es sich mit dem Kontakt zu seinem Förderer. „Es gibt keine konkreten Verpflichtungen, jedoch sind sich die Stipendiaten als auch die Förderer bewusst, welche Vorteile sich durch das Stipendium ergeben“, sagt Bösebeck. Daher komme letztendlich der regelmäßige Kontaktaustausch automatisch zustande.

Das Deutschlandstipendium solle für jeden Studenten zusätzliche Motivation bringen, meint Bösebeck, um noch bessere Leistungen zu erzielen. Besonders gut findet er die Auswahlkriterien: „Gute Noten sind zwar ein Kriterium, jedoch spielt das gesellschaftliche Engagement aus meiner Perspektive eine ebenso wichtige, wenn nicht gar gewichtigere Rolle.“

Was sagen die Hochschulen?

Bei den Universitäten im Ruhrgebiet ist das Deutschlandstipendium sehr beliebt. Auch, weil die Unis durch die akquirierten Förderer wichtige Kontakte schließen können, wenn es um die Förderung weiterer Projekte geht.

Britta Wilhelm ist Abteilungsleiterin im Bereich Fundraising und Alumni der Ruhr-Universität Bochum und spricht von einem Kreislauf: „Die Ergebnisse dieser Förderung wird man erst in zehn bis zwanzig Jahren deutlich erkennen können. Dann werden die geförderten Stipendiaten fest im Berufsleben stehen und sich dankbar an ihre Förderung zurückerinnern und vielleicht selbst zu Förderern werden.“ Da die staatlichen Förderungen immer mehr zurückgeschraubt würden, seien private Förderer heute immer wichtiger, so Wilhelm.

Ähnlich sieht es auch an der Technischen Universität Dortmund aus. Die Zahl der Deutschlandstipendien ist dort in den vergangenen Jahren gestiegen: Im Jahr 2011 hat die Universität ihr Kontingent von 106 Stipendien auf 200 aufgestockt. Es soll weitere Stipendien geben. Daher laufen schon Gespräche mit neuen potenziellen Förderern.

 
 

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