Ein Kölner ist der „DJ der guten Laune“

Kirsten Simon
Eigentlich heißt er Christian Horsters. Bekannt geworden ist er aber als „DJ der guten Laune“. Foto: Matthias Graben
Eigentlich heißt er Christian Horsters. Bekannt geworden ist er aber als „DJ der guten Laune“. Foto: Matthias Graben
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Köln. Musik an, ein Mann dreht auf: Dieser DJ steht so sehr unter Strom, dass ein Elektrizitätswerk im Vergleich dazu schwach abschneiden würde. Man kennt ihn aus dem Youtube-Video als „DJ der guten Laune“.

Dieses Video geht so: Sitzt ein grauhaariger Mann am DJ-Pult und legt David Guetta auf. „Memories”, ein Party-Kracher, der sogar Nicht-Tänzern Wackelpudding in die Beine treibt. In diesem Fall ist der DJ selbst der Star. Er reißt die Hände hoch, freut sich wie Bolle, pfeift auf den Fingern, fuchtelt mit den Armen. Als wäre er ein Dirigent, der in einer Minute ein Zwei-Stunden-Programm durchziehen will.

Mister 1000 Volt

Er, das ist der „DJ der guten Laune”, der abseits der Plattenteller Christian Horsters heißt. Wie ist dieser Mann privat? Klingelingeling. Da kommt er um die Ecke geradelt. Erster Eindruck: so dynamisch wie im Video. „Hier bin ich. Dann mal rein. Und bitte die Schuhe ausziehen!”

Christian Horsters ist 55. Er lebt bürgerlich-bodenständig. In einer Neubausiedlung am Rand von Köln. Orange gestrichene Wände, rotes Sofa, bunte Bilder, Kerzen. Heimelig, nicht kitschig. Tine Wittler hätte hier nichts zu tun. In dem aufgeräumten Reihenhaus bleibt Platz zur freien Entfaltung. Irgendwo muss Mister 1000 Volt seine Energie ja lassen. Er hat alle Zimmer mit Lautsprechern aufgetunt, so-gar das Klo. „Musik ist ein Geschenk, ich möchte sie immer um mich haben.” Im Hintergrund läuft Simply Red. Der DJ schmiert sich am Essplatz eine Schnitte mit Marmelade. Er redet ohne Punkt und Komma und vergisst dabei sein Frühstück. Gut, dass ein Brot nicht kalt werden kann.

Bekannt geworden ist Christian Horsters über dieses Video, das ein beeindruckter Partygast gefilmt und bei Youtube hochgeladen hat. Es zeigt den DJ bei einer Hochzeitsfeier in Bergisch-Gladbach. Eine Minute und 13 Sekunden, die das Leben eines 55-Jährigen auf den Kopf gestellt haben.

Über zwei Millionen Mal wurde der Film in nicht einmal vier Monaten angeklickt. „Menschen erzählen mir, dass sie sich das immer wieder ansehen, wenn sie schlechte Laune haben. Sofort geht’s bergauf”, sagt Christian Horsters. Heiterkeit steckt an. „Das ist doch das Beste, was einem DJ passieren kann.” Hauptberuflich arbeitet er bei einem Textilverlag. Ein Bürojob.

Als DJ ist er ein Gesamtkunstwerk. Er entspricht schon äußerlich gar nicht dem Klischee der jugendlichen oder sich so gebenden, betont lässigen und womöglich im­pertinenten Plattenheroen. Allein wegen seines schnieken Hemdes und seiner grauen Haare, die so lustig gekräuselt sind, dass man darin Verstecken spielen könnte.

Jahrzehnte lang ist er nebenbei als Freizeit-DJ unterwegs gewesen. Auf Hochzeiten oder bei Geburtstagen. Party-Hopping halt. „Mein voriges Leben“, nennt er das heute. Da hatte er noch keinen DJ-Namen. Der Mann, der den Film hochgeladen hat und dem Horsters dankbar dafür ist, hat ihn „DJ der guten Laune” getauft. Der Anfang eines Kults. Szene-Clubs aus Frankfurt, Koblenz und Köln stehen Schlange. Junge Partygänger jubeln einem Mann zu, der ihr Vater sein könnte. Klick, klick. „Vor lauter Fotos vergessen die zu tanzen.“ Das Video von der Hochzeit zieht um die Welt: „Bis aus Brasilien kommen Anfragen.” Einigen sagt er zu, denn er weiß: „Der Hype kann schnell vorbei sein.” Deshalb hat er auch einen Spot für einen Baumarkt gedreht. Geld, das er gerne mitnimmt.

Angebote häufen sich, auch unmoralische. Er ist nicht nur der DJ der guten Laune, sondern auch der guten Tat. „Prostituieren will ich mich nicht.” Christian Horsters will nicht in Klatsch-Blättern landen oder verballermannt werden. Lieber möchte er sich für den Schutz der Umwelt einsetzen, die Menschen zum Radfahren und zum Bio-Essen bewegen.

Mit seinen 55 Jahren ist er ein Dino-DJ. Sein Sohn Paul (20) sagt: „Ist doch cool, dass er sich im hohen Alter verwirklicht.” Manchmal wird Papa sogar auf der Straße erkannt. Und wenn das eines Tages wieder vorbei ist, hat er auch im stillen Kämmerlein Spaß am Leben. Wegen der Musik. „Da lasse ich meine Energie raus.“

Seine Anlage ist in der ersten Etage. Er legt Guetta auf, „Memories“. Da ist er: der Mann aus dem Video. Paaarty! Hoffentlich kracht er nicht mit dem Stuhl durch den Boden. Dann würde er am Essplatz landen. Aber vielleicht käme er so dazu, sein Brot zu essen.