Ehemaliger SS-Mann (96) verhöhnt Nazi-Opfer – das hat nun Folgen

Gegen Karl M. ist Anklage erhoben worden.
Gegen Karl M. ist Anklage erhoben worden.
Foto: NDR/Panorama

Gegen einen früheren SS-Mann (96) ist in Niedersachsen Anklage erhoben worden. Nicht aber wegen eines Massakers, an dem er mutmaßlich beteiligt war, sondern wegen der Art, wie er über das Verbrechen und den Völkermord an den Juden in Europa sprach: volksverhetzend und verunglimpfend.

Karl M., ehemaliges Mitglied der SS-Panzerdivision „Hitlerjugend“, hat dem NDR-Magazin „Panorama“ ein Interview gegeben, das nun zu der Anklage gegen ihn geführt hat. Das teilte die Staatsanwaltschaft Hildesheim am Mittwoch mit.

SS-Mann in Hildesheim angeklagt

Das Interview ist in Teilen am 29. November 2018 ausgestrahlt worden. Karl M. spricht darin über ein Massaker, dass seine Division am 2. April 1944 in Nordfrankreich verübt hat. In Ascq haben SS-Leute 86 Zivilisten als Racheakt für einen Sprengstoffanschlag auf einen deutschen Transportzug getötet.

M. sagt darin, dass die ermordeten Menschen selbst schuld an ihrem Tod gewesen seien, da sie trotz Arrestierung geflüchtet seien. Sie hätten halt „Pech“ gehabt.

Dazu sagt er den Journalisten in dem Gespräch über den millionenfachen Mord an den europäischen Juden: „So viele Juden hat's damals gar nicht gegeben bei uns. Das hat man jetzt schon widerlegt. Ich habe letztens irgendwo gelesen, dass diese Zahl gar nicht stimmt, die da rausgegeben wird. Ich glaub' das alles nicht mehr.“

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Diese Aussagen werden dem heute 96-Jährigen aus Nordstemmen (Kreis Hildesheim) nun zum Verhängnis. Volksverhetzung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener lauten die Anklagepunkte. Auf Ersteres droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf, auf Letzteres eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe.

M. bestreitet Aussagen nicht – Autogramme für Rechtsradikale

Außerdem hatte er den NDR-Journalisten erzählt, dass er jungen Rechtsradikalen bei einem Vortrag Autogramme auf Dokumente mit Hakenkreuz-Symbolen gegeben habe.

M. hat sich bereits zu den Vorwürfen geäußert. Er bestreitet nicht, die gesendeten Angaben gegenüber den Journalisten gemacht zu haben. Er will jedoch nicht gewusst haben, dass das Gespräch aufgezeichnet wurde und veröffentlicht werden sollte.

Den Angaben der Journalisten nach habe er aber seine Zustimmung dafür gegeben.

Er selbst sieht die Aussagen nicht als volksverhetzend an.

Inwiefern M. selbst am Massaker von Ascq beteiligt gewesen ist, wurde bereits vor einigen Jahren ermittelt. Der Verdacht damals: Beihilfe zum Mord. Doch es stellte sich heraus, dass der ehemalige SS-Mann bereits 1949 von einem Militärgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war. Nach europäischem Recht kann ein Mensch nicht zweimal für die gleiche Tat angeklagt werden.

 
 

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