Digitale Kündigungshelfer kümmern sich ums Vertragsende

Kündigungsdienste helfen dabei, Verträge zu beenden.
Kündigungsdienste helfen dabei, Verträge zu beenden.
Foto: Getty Images
Handy, Bahncard, Single-Börse: Kündigungsdienste helfen beim Abschied von Verträgen. Allerdings verfügen sie so über viele Daten ihrer Kunden.

Essen.. Das Angebot klang sehr verlockend: niedrige Telefongebühren, dazu das neueste Smartphone zum Sonderpreis und jede Menge Musik- und Spiele-Apps gratis. Mit wenigen Klicks war der neue Handy-Vertrag online abgeschlossen. Doch die bestehende alte Vereinbarung mit einem anderen Anbieter trübte die Freude. Diese Firma wollte die Kundschaft nicht so einfach aus dem Vertrag entlassen und forderte Monat für Monat weiterhin Gebühren ein.

Hinweise im Kleingedruckten

Aus solchen Fällen haben Kündigungsdienste ein Geschäftsmodell gemacht. Denn oft sind die Vorgaben, wie Verbraucher kündigen können, im schwer zugänglichen Kleingedruckten versteckt. „Die Unternehmen wollen oft gar nicht, dass man die Hinweise findet“, sagt Daniel Pöhler, Kommunikationsexperte beim Verbraucherportal finanztip.de. Vor allem, wenn das Angebot nicht zwangsläufig Erfolg verspricht. Wen die Single-Börse eher frustriert als zufriedenstellt, der will den Vertrag möglichst schnell wieder loswerden. Ähnlich sieht es auch bei Handy-Verträgen, bei Angeboten für den Internet- oder Stromanschluss oder zum Bezahl-Fernsehen aus. Wie das geht, lässt viele Kunden verzweifeln.

Die digitalen Kündigungshelfer durchforsten die abgeschlossenen Verträge nach Fristen und Modalitäten. Für den Kunden setzen sie juristisch wasserdichte Anschreiben auf. Je nach Auftrag versenden sie Faxe oder Einschreiben an die Firmen, um die Verträge aufzulösen.

„Aboalarm“ gehört zu den Pionieren unter den Diensten. Firmenangaben zufolge wurden seit 2009 rund 2,5 Millionen Kündigungen abgewickelt. „Je schlechter ein Produkt ist, desto schwerer machen es einem die Anbieter zu kündigen“, sagt Bernd Storm, Geschäftsführer und Gründer von „Aboalarm“. Bei manchen Angeboten muss im Ausland gekündigt werden, bei anderen gelten lange Fristen, um aus dem Vertrag herauszukommen.

Kündigungsdienste wollen Geld verdienen

Storms Ehefrau brachte ihn 2008 auf die Idee für „Aboalarm“. Als sie ihre Bahncard loswerden wollte und beinahe die Frist verpasste, war klar, dass sich eine Marktlücke auftut. Heute verfügt Storms Dienst über eine Datenbank mit 16 000 Anbietern. „Die Leute haben in ihrer Freizeit keine Lust, sich mit Vertragskündigungen herumzuschlagen“, sagt er. Seit Kurzem gibt es seinen Dienst auch per App.

Bei „Aboalarm“ steigen Nutzer mit 0,99 Euro für eine Kündigung ein. Gratis per Fax macht es etwa vertragslotse.com. Bei kündigen.de liegt der Preis für eine verschickte Kündigung bei 1,99 Euro. Für ein Fax oder einen Brief per Einschreiben werden bis zu fünf Euro verlangt. Ein gerechtfertigter Preis? „Wenn die Kündigung sicher klappt und der Handy-Vertrag oder das Bahncard-Abo beendet werden, spart mir das unter Umständen mehrere Hundert Euro“, sagt Pöhler. „Außerdem wollen die Kündigungsdienste auch Geld verdienen.“

Allerdings lässt sich nicht ausschließen, dass mit den Daten der Dienste-Nutzer auch Geschäfte gemacht werden. „Nutzer müssen sich im Klaren darüber sein, dass sie relativ viel Persönliches preisgeben“, so Jürgen Widder, Rechtsanwalt aus Bochum. Ein seriöser Anbieter sollte klare Hinweise dazu geben – vor allem, wenn Daten zu Werbezwecken weiter vermittelt werden. Zudem rät Widder, genau zu prüfen, ob beim Kündigungsdienst auch Regressansprüche geltend gemacht werden können. „Wenn es mit der Kündigung nicht klappt, sollte nicht der Verbraucher den Schaden tragen“, sagt der Fachanwalt. „Wenn der Anbieter versucht den Schadensanspruch über die Geschäftsbedingungen auszuschließen, wäre das äußerst kritisch.“

Bei Werbung selbst aktiv werden

Landet dann doch unerwartet Werbung in E-Mail-Fach oder Briefkasten, bleibt den Verbrauchern nichts anderes übrig, als doch selbst aktiv zu werden. „Wenn man auf einen Anbieter hereingefallen ist, kann man den Verkauf der Daten natürlich nicht zurücknehmen“, sagt Pöhler. „Dann muss man die Firmen anschreiben und einfordern, dass keine Werbung mehr geschickt wird.“

Die Hitliste der Kündigungsrenner führen die Handy-Anbieter an. „Teilweise werden die Kunden richtig gegängelt“, sagt „Aboalarm“-Chef Storm. Ist einmal die Frist verpasst, kommt das die Kundschaft allerdings teuer zu stehen. Doch seinen Kunden geht es nicht nur um das Ende der Verträge. Viele Verbraucher wollen ihre Konditionen schlichtweg nachverhandeln – zum Beispiel bei Angeboten zum Bezahl-Fernsehen.

Geschäftsführer Bernd Storm versichert, dass sein Unternehmen keine Daten an Dritte weitergibt. Ganz ohne Datenspeicherung geht es freilich auch bei „Aboalarm“ nicht. Wird nur ein Kündigungsschreiben erstellt, werden die Daten zwar sofort anonymisiert. Bei der Kündigung per Fax jedoch speichert die Datenbank die Übersendung. Ohne Nachweis entlassen die Anbieter ihre Kundschaft schließlich nicht aus dem Vertrag.

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