Dieter Bohlen löst hitzige Debatte aus – mit einer einfachen Frage

Kann er wahrscheinlich selbst kaum glauben: Dieter Bohlen hat eine wichtige Diskussion losgetreten.
Kann er wahrscheinlich selbst kaum glauben: Dieter Bohlen hat eine wichtige Diskussion losgetreten.
Foto: dpa

Man erfährt ungeheuerliche Dinge in diesen Tagen. Weil man sich aus gegebenem Anlass mit Dieter Bohlen beschäftigt, liest man: Dieter Bohlen war mal Mitglied der linksextremistischen Partei DKP. Steht so zumindest bei Wikipedia. „Was zum ...?!“ denkt man sich.

Vergisst es aber schnell wieder, denn die eigentlich aufregende Neuigkeit ist: Dieter Bohlen hat mutmaßlich zum ersten Mal öffentlich eine wichtige gesellschaftliche Debatte angestoßen. Aus Versehen zwar, aber das macht es nicht weniger wahr.

Dieter Bohlen beim „Supertalent“: „Wo kommst du denn her?“

Passiert ist das ganze bei der RTL-Sendung „Das Supertalent“. Dieter Bohlen führt einen kurzen Dialog mit der fünf Jahre alten Melissa, der im Begriff ist, legendär zu werden.

  • Dieter Bohlen: „Wo kommst du denn her?“
  • Melissa: „Aus Herne.“
  • Dieter Bohlen: „Und Mama und Papa? Wo kommen die her? Philippinen?“
  • Melissa: „Nein. Die kommen auch aus Herne.“
  • Hier hätte Dieter Bohlen es gut sein lassen können - hat er aber nicht. Aus welchem Land ihre Familie denn komme, fragt er. Melissas Antwort: „Ich weiß es nicht.“

Die SPD-Politikerin Sawsan Chebli teilte später einen Clip der Szene bei Twitter - und kritisierte Dieter Bohlen. „Bohlen mag es gut gemeint haben. Es ist aber ein riesiges Problem. Wie soll eine deutsche Identität entstehen, wenn einem das Deutschsein abgesprochen wird, weil man anders aussieht? Es ist nicht lustig. Es ist traurig und es hat fatale Auswirkungen.“

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Der Tweet ging schnell viral, Tausende likten ihn, hunderte Male wurde er geteilt. Knapp zwei Wochen später hat sich daraus eine gesellschaftliche Diskussion entwickelt.

Ist es rassistisch, wenn ich mich für mein Gegenüber interessiere?

Die eine Position: Wenn ich jemanden wegen seines Phänotyps nach seiner Herkunft frage, kann das als rassistisch aufgefasst werden. Beziehungsweise: Ich grenze die Person implizit aus, nur weil ihr Aussehen nicht in meine Denkschubladen passt.

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Sawsan Chebli:

  • 1978 in West-Berlin geboren
  • Ihre Familie hat palästinensische Wurzeln
  • Seit 2001 Mitglied der SPD
  • 2014 wurde sie als erste Muslimin stellv. Sprecherin des Auswärtigen Amts

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Die Gegenposition: Wenn ich jemanden nach seiner Herkunft frage, bekunde ich ein ernst gemeintes Interesse an meinem Gegenüber. Ich möchte etwas über meine Mitmenschen lernen - das ist nicht rassistisch.

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Der Bohlen-Dialog hat ein Gespräch über ein Thema angestoßen, von dem viele gar nicht wussten, dass es überhaupt existiert - mit dem andere aber Tag für Tag leben müssen. Die Frage nach der Herkunft wird für den Gefragten nämlich allein durch die Häufigkeit der Frage durchaus zu mehr als schlichter Interessenbekundung.

Die Bohlen-Frage: Eine extrem knifflige Situation

Wer in Deutschland immer wieder nach seiner Herkunft gefragt wird, obwohl er und womöglich auch seine Eltern hier geboren wurden, der bekommt irgendwann das Gefühl: Ich bin anders und gehöre nicht dazu. Das ist verletzend.

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Dieter Bohlen:

  • 1954 in Berne geboren
  • In den 70er Jahren beginnt Dieter Bohlen seine Karriere als Musiker und Komponist
  • 1984 erste Hits mit "Modern Talking"
  • 2002 erstmals Juror bei DSDS - inzwischen ist Bohlen das Gesicht der Sendung

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Schon unter Cheblis erstem Tweet ist die Debatte schnell entfacht. „Eine extrem knifflige Situation. Die er aber, wenn er ganz klug gehandelt hätte, ohne Lachen einfach so hätte beenden können. Aus Herne. Die Antwort war ja top. Aber so weit sind wir alle noch nicht. Kein Bohlen-Bashing. Nur eine Momentaufnahme“, schreibt ein Nutzer.

„Sawsan Chebli übertreibt es wie immer“

„Welche fatalen Auswirkungen kann es schon haben? Also ich finde, Sawsan Chebli übertreibt es wie immer“, findet ein anderer.

Inzwischen hat sich unter dem Hashtag #vonhier eine Netzdebatte entwickelt. Viele der Nutzer kennen Dialoge wie den zwischen Dieter Bohlen und der kleinen Melissa aus ihrer eigenen Biographie. CDU-Politikerin Serap Güler griff das Thema unlängst ebenfalls bei Twitter auf - mit dieser Dialog-Schablone:

  • "Woher kommst Du?"
  • "Köln."
  • "Also so richtig...?"
  • "Marl."
  • "Ok, Deine Eltern, woher kommen die?"
  • "Ach die! Die kommen aus der Türkei. Und Deine?"
  • "Meine? Dies sind von hier."
  • "Nein, was Deine Eltern bei der letzten BTW gewählt haben?"
  • "Bitte?"
  • "Nur so aus Interesse."

Journalist Malcolm Ohanwe schreibt: „Ganz viel Liebe für von hier. Nach #MeTwo haben wir es erneut geschafft! (... ) Wir sind alle von hier und das muss gehört und gelesen werden!“

Wichtig bei so einer Debatte ist es, den Ball flach zu halten. Nicht jede Frage nach der Herkunft eines Menschen ist rassistisch. Oder: Jedes Gespräch zwischen Menschen wird im Keim erstickt, wenn jeder sich jede Frage aus Angst verkneift, etwas Unpassendes zu sagen. Es kommt eben immer auf den Kontext an - und den gesunden Menschenverstand.

 
 

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