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Diese 13 Dinge kommen Deutschen im Ausland fremd vor

Diese 13 Dinge kommen Deutschen im Ausland fremd vor

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Foto: Getty/iStock
Essen, Kleidung, Pünktlichkeit – uns Deutschen ist im Ausland Vieles fremd. Die Sprache kann man lernen. Mit der Landeskult ist das nicht so einfach.

Essen. 

Woanders ist alles anders. Nicht nur die Sprache macht es Deutschen im Ausland schwer. Sprache kann man schließlich lernen. Eine weit größere Hürde ist die Landeskultur: Gewohnheiten, Werte und Lebensweisen haben sich über Jahrhunderte entwickelt. Sie lassen sich nicht lernen wie Vokabeln – man muss sie leben und verinnerlichen. Vor allem muss man sie verstehen.

Am Anfang aller kulturellen Unterschiede steht die Geographie: Liegt das Land in den Bergen, in weiten Ebenen oder am Meer? Ist es warm, kalt, trocken oder nass? Welche Pflanzen und Tiere gibt es? Daraus folgen verschiedene historische, politische und wirtschaftliche Entwicklungen, verschiedene Medien-, Ernährungs- und Bildungsgewohnheiten, unterschiedliche Architektur, Musik und Religion. All das fließt in die Sozialisation ein – ins kulturelle Gedächtnis, das eine Nation verbindet.

Wir haben ein paar Dinge herausgegriffen, die Deutschen im Ausland fremd sein können.

Sprache:

Klar – wer die Landessprache nicht spricht, fühlt sich fremd. Aber Sprache kann man lernen. Zumindest, wenn es um Vokabeln geht. Aber wie drückt man die Dinge aus? Knallhart, pragmatisch und direkt wie wir oder lieber blumig, vorsichtig und mit vielen Floskeln? Im Ausland wirken Deutsche auch deshalb oft unfreundlich und ruppig. In der Schweiz macht schon ein „Ich hätte gern ein Brötchen“ den Unterschied zu „Ich hätte gern ein Brötchen, bitte“. Und der traditionsbewusst-zurückhaltende Engländer fragt nicht nach der Toilette, sondern nach einer Waschgelegenheit für die Hände. Im Gegenzug kommen uns Deutschen Floskeln wie „Wie geht es Ihnen heute?“ an Ladenkassen in den USA aufgesetzt und überfreundlich vor.

Essen:

Sagen wir’s so: Wer auf Nummer sicher gehen will, bestellt bei McDonald’s einen Burger. Denn bei den Essgewohnheiten fremder Länder erlebt man man so manche Überraschung. Was in der französischen Kühltheke nach Hühnchenschenkeln aussieht, können Froschschenkel sein. Und schottisches Haggis ist auch nicht jedermanns Sache. Ganz zu schweigen von traditionellen Spezialitäten aus Südostasien. Auch Peruanische Meerschweinchen schmecken nicht jedem. Aber was sich andernorts über Generationen zur alltäglichen Esskultur entwickelt hat, ist für uns gewöhnungsbedüftig. Dazu gehört es auch, nicht darüber zu klagen, dass es zum Frühstück in Italien nur Espresso und ein süßes Hörnchen gibt, oder in Argentinien Instantkaffee und Toast. Zum Glück lieben viele andere Länder die deutsche Kultur von Brot, Wurst und Schwarzwälder Kirsch: Oft gibt’s entsprechende Geschäfte, betrieben von deutschen Auswanderern.

Pünktlichkeit und Regeln:

Wir sind mit Pünktlichkeit aufgewachsen – das hat sich eingebrannt. Ein 8-Uhr-Termin ist ein 8-Uhr-Termin. Wir können nicht anders. Auf diesen kulturellen Standard können wir uns aber in kaum einem anderen Land verlassen: Jede Kultur hat ihr eigenes Gefühl für Zeit, und damit für Pünktlichkeit. In Mittelmeerländern ist Pünklichkeit sogar unhöflich. Auch unser „preußischer“ Regelbegriff kann bei unserer Integration hinderlich sein: Wir nehmen es ganz genau und erwarten das auch von anderen. Natürlich lavieren wir Deutschen manchmal um Regeln herum, aber in engerem Rahmen. In anderen Ländern herrscht eine weniger strenge Kultur der Regelauslegung.

Sauberkeit, Kleidung, Wetter und Floskeln 

Sauberkeit und Hygiene:

Für Deutsche ist es normal, Leitungswasser zu trinken – aber in vielen Ländern kann das gefährlich werden. In Deutschland ist „Bad Kranberger“ eins der bestkontrollierten Lebensmittel, und auch in den meisten anderen EU-Ländern ist Wasser aus dem Kran bedenkenlos trinkbar. Aber weiter weg sind oft die Leitungen marode, das Leitungswasser ist mit Pestiziden oder Schwermetallen belastet. Manchmal sieht und riecht man das dem Wasser an, aber darauf ist kein Verlass. Auch der Begriff Sauberkeit wird von Land zu Land anders ausgelegt. Nicht überall sind Müllabfuhr und Abwasserbeseitigung so gut organisiert wie bei uns. Und dass uns in fernen Ländern manchmal Übelkeit und Durchfall plagen, liegt nicht nur am ungewohnten Essen: Unser Körper muss sich auch auf die neue Bakterienflora und das neue Klima einstellen.

Kleidung:

Jedes Land hat seine Kleidungkultur. Das kann auch die internationale „Leitkultur“ der Bekleidungsketten nur bedingt ändern. Unterschiede gibt es immer – auch wenn sie zusehends verwischen. In Deutschland würde zum Beispiel kein Student im pyjamaartigen Hausanzug ins Seminar spazieren. In Kanada und den USA kann das passieren. Zudem ist es in Ländern mit hoher Kriminalität gefährlich, mit Schmuck und teurer Kleidung durch die Straßen zu spazieren: Die Gefahr eines Raubes steigt ins Unermessliche. In erzkatholischen Ländern wie Italien oder in Südamerika darf man nicht in die Kirche, wenn die Schultern nicht bedeckt sind. Und in arabischen Ländern, vor allem im Iran, müssen sich Frauen an die islamischen Bekleidungsvorschriften halten: Arme, Beine, Haare und Nacken bedeckt sein.

Klima:

Immer Sonne, immer warm – ein Traum! Aber ein Klimawechsel kann seine Tücken haben, zumal Lichtverhältnisse und Wetter auch den Alltag bestimmen. In vielen heißen Ländern zum Beispiel ruht das Leben in den heißen Mittagsstunden. Dafür geht’s abends rund. Schon für 19 Uhr einen Tisch im Restaurant zu reservieren ist dort mehr als ungewöhnlich. Dafür haben frühe Dunkelheit und lange Winter in Skandinavien eine Kultur der Hausmusik geschaffen, und die der Sauna sowieso. Und noch etwas, das deutschen Auswanderern zu schaffen machen kann: In Ländern ohne richtige Jahrezeiten kann einem das deutsche Wetter ganz schön fehlen. Man glaubt es kaum.

Alltagsfloskeln und Umgangsformen:

Nettigkeiten und Gesten sind Alltag. Und das macht sie zur perfekten Falle für Deutsche im Ausland: Uns kommt gar nicht in den Sinn, dass etwas nett Gemeintes unhöflich oder beleidigend sein kann. Wer hätte gedacht, dass man in den Niederlanden nicht nur dem Geburtstagskind gratuliert, sondern auch Eltern oder Ehepartner? Oder dass man Blumen nur eingepackt überreicht, um zu zeigen: Die sind nicht selbstgepflückt, sondern gekauft? Auch Handzeichen sind nicht immer bedeutungsgleich. „Daumen hoch“ ist in Deutschland top – in Persien und der Türkei aber eine Beleidigung. Und in Japan gilt ein simpler Händedruck statt einer Verbeugung als unfreundlich. Genauso unfreundlich ist es, in Österreich den Titel wegzulassen, und sei es nur der Magister. In Norwegen könnten uns fehlende Gardinen stutzig machen – dabei ist es normal, dass jeder reingucken kann. Und in China sollte man sich über Geschenke nicht allzu sehr freuen und sich nicht dafür bedanken.

Bürokratie, Sicherheit und Verkehr 

Sicherheit:

Aller Unkenrufe zum Trotz: Deutschland ist sicher. Auch verrufene Viertel wie Duisburg-Marxloh oder die Dortmunder Nordstadt sind nachts keine Todesfalle. In anderen Ländern ist das anders – dort ist die Gefahr von Raubüberfällen oder Blitzentführungen erheblich höher als in Westeuropa. Das Auswärtige Amt warnt zum Beispiel für Brasilien: „Von Favela-Besuchen wird dringend abgeraten. Bewaffneten Auseinandersetzungen, auch mit der Polizei, fallen häufig auch Unbeteiligte zum Opfer.“ Oft sind sichere und unsichere Stadtteile nur durch eine Straße getrennt – und an diese unsichtbaren Grenzen müssen sich Deutsche erst gewöhnen. Auch Taxen sind nicht immer sicher, ganz anders als hierzulande.

Verwaltung und Bürokratie:

Sie glauben, deutsche Beamte seien der Inbegriff der Bürokratie? Dann wissen Sie nicht, wie angenehm die Ordnung hiesiger Verwaltungen ist. Es gibt Formulare für alles – und nichts davon geht verloren. In Ländern, in denen mehr Bürokratie bei weniger Ordnung herrscht, können Deutsche schnell verzweifeln. Auch unser Urkundenwesen ist ein Segen: Wer eine Geburtsurkunde braucht, geht zum Standesamt und muss nicht monatelang auf seine Papiere warten. Oder sie gleich fälschen.

Verkehr:

Dann nehme ich einfach den Zug! Leicht gesagt, aber in den USA zum Beispiel ist das nicht so einfach. Hier muss man in Fernzüge einchecken wie am Flughafen. Das macht spontane Fernreisen schwierig, weil nur so viele Tickets verkauft werden wie es Sitzplätze gibt. Dafür stehen Überlandbusse hoch im Kurs, wie in vielen anderen Großflächen-Ländern. Dafür sind die Busse oft superluxuriös: Wer in Brasilien von A nach B will, stellt seinen Sitz zum Schlafen in die Horizontale und lässt sich von der Bedienung einen Scotch bringen. Zugegeben, daran gewöhnt man sich als Deutscher im Ausland schnell… In vielen Ländern ist von Luxus aber nicht zu spüren. In Thailand, Vietnam und anderen Region Südostasiens ist die Holzklasse oft die einzige Art zu reisen, im Bus wie im Zug. Dafür ist das Taxi alltäglicher und billiger als in Deutschland. Auch daran muss man sich gewöhnen – in New York, wo man mit harten Bandagen ums Cab kämpft, genauso wie im Bangkok der Tuktuks. Auch Autofahren kann für Deutsche zum Fallstrick werden. Im britischen Linksverkehr sowieso. Aber auch in Italien, wo man gern hupt und sich nicht als Dellen und Lackkratzern stört. Und in Frankreich, dem Land des Parkens in zweiter Reihe.

Einkaufen, Gesundheit und Geld 

Einkaufen:

Ein Klassiker: Wer in den USA und Kanada Alkohol kauft, sollte ihn lieber in der Papiertüte lassen. Öffentliches Trinken ist verboten. Außerdem gibt’s nicht überall Alkohol, erst recht nicht an Tankstellen. Und Hochprozentiges bekommt man nur im Liquor Store – und die schließen sehr früh am Abend. In manchen Geschäften in Argentinien herrscht ein kompliziertes System von Beraten, Bestellen und Bezahlen: An einer Verkaufstheke wird beraten und der Artikel notiert, ein zweiter Mitarbeiter nimmt die Bestellung auf, an der Kasse gibt der Käufer eine Nummer ab, zahlt und bekommt den Artikel. In England gibt man sich geduldig langen Warteschlangen hin. In Schweden muss man oft eine Nummer ziehen, sogar beim Bäcker. Noch eine schwedische Besonderheit: Einige kleine Geschäfte sind im Sommer geschlossen, weil Arbeitnehmer Anspruch auf vier Wochen zusammenhängenden Urlaub haben. Ach, und das leidige Thema Plastiktüten: In sehr vielen Ländern liegen sie zu Hauf kostenlos an der Kasse – oft werden die Einkäufe sogar von einem Mitarbeiter verpackt. Wem das als Deutscher unangenehm ist, der hat Pech: Wehren kann man sich dagegen nicht.

Krankenhäuser und Ärzte:

Beim Thema Gesundheit sind wir Deutschen verwöhnt. Wenn’s ziept, gehen wir einfach zum Arzt. Das ist in vielen anderen Ländern nicht so leicht. Oft gibt es nicht mal eine Pflichtversicherung – geschweige denn eine „Flatrate-Versorgung“. Auch für Notfälle muss man selbst zahlen beziehungsweise in Vorleistung treten. Oft gibt es auch ein Zwei-Klassen-System staatlicher und privater Kliniken. Und obwohl wir hierzulande über lange Wartezeiten für einen Facharzttermin klagen, muss man in anderen Ländern erheblich länger warten. Ganz davon abgesehen, dass es in Schwellen- und Entwicklungsländern oft an der Qualität der Versorgung hapert. Da merkt man als Deutscher im Ausland schnell, wie verwöhnt man ist.

Geld:

Daueraufträge sind etwas sehr Praktisches. Trotzdem sind sie längst nicht in jedem Land Usus, nicht mal, wenn es ein funktionierendes Bankensystem gibt. In Kanada und den USA zum Beispiel werden laufende Zahlungen wie Miete oder Strom meist mit Verrechnungschecks bezahlt.

(mit dpa)