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Die Wechseljahre – ein Wandel zum Guten

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Foto: Thinkstock
Die Furcht vieler Frauen vor den Wechseljahren ist unbegründet, sagen erfahrene Frauenärztinnen. So bekommen Sie diese Zeit des Wandels auf natürlichem Weg oder mithilfe von Hormonen in den Griff.

Kaum eine weibliche Lebensphase wird mit so großer Unsicherheit erwartet wie die Wechseljahre: Viele Frauen befürchten nicht nur Hitzewallungen, sondern auch andere Folgen wie etwa Schlafstörungen oder Depressionen. Dabei ist diese Phase eine natürliche „Durchgangszeit“ im Leben – das sagt die Düsseldorfer Frauenärztin, Psychoanalytikerin und Buchautorin Dr. Ingeborg Lackinger Karger. Gemeinsam mit Dr. Angela Köninger, Leitende Oberärztin an der Uni-Frauenklinik Essen, erklärt sie, wie man die Wechseljahre erkennt und gut meistert.

Woran merke ich, dass ich in den Wechseljahren bin?

Sie beginnen meist zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr: Dann wird die Periode unregelmäßig und bleibt irgendwann aus. Viele Frauen leiden in dieser Zeit unter Hitzewallungen. Sie hängen mit dem schwankenden Östrogenspiegel zusammen.

Wie entstehen Hitzewallungen?

Die Hormonschwankungen im Körper wirken sich auf das Temperaturzentrum im Gehirn aus und verstellen dessen Regelungsfunktion. „Der Organismus empfindet daraufhin die Umgebungstemperatur als kälter, als sie ist – und reagiert mit Erhitzen und unkontrollierbaren Schweißausbrüchen“, erklärt Dr. Ingeborg Lackinger Karger. Der Schweiß kühlt wiederum und man friert, das macht die Situation zusätzlich unangenehm. Hitzewallungen können auch nachts auftreten und für Schlafstörungen sorgen.

[kein Linktext vorhanden]Was kann man dagegen tun?

Oft hilft es, sich im Alltag auf diese Situation einzurichten. Der praktische „Zwiebel-Look“ macht es beispielsweise möglich, sich bei Bedarf aus Jacke oder Pulli herauszupellen.

Gibt es natürliche „Helfer“?

„Gegen lästige Hitzewallungen bieten sich Heilkräuter wie Traubensilberkerze oder Mönchspfeffer als sanfte Alternativen zu Hormonen an“, sagt Dr. Lackinger Karger. Es gibt sie in Form von Tropfen oder Kapseln in der Apotheke. Wer öfters reizbar wird oder sich niedergeschlagen fühlt, sollte die vorübergehenden Tiefs keinesfalls mit Psychopharmaka bekämpfen – sie haben häufig Nebenwirkungen, und Beruhigungsmittel können schon nach sechs Wochen Einnahme abhängig machen. Das pflanzliche Antidepressivum Johanniskraut hellt die Stimmung bei Bedarf auf milde Weise auf. Und wenn Wechseljahresbeschwerden die Nachtruhe rauben, sind Baldrian, Hopfen oder ein Glas alkoholfreies Bier harmlose Schlafmittel.

„Neuere Auswertungen von Studien zeigen, dass eine Hormonersatzbehandlung das effektivste Mittel gegen Hormon-Mangelerscheinungen ist, wenn diese Wechseljahresbeschwerden überhand nehmen lassen“, erklärt Dr. Angela Köninger. Eine solche Therapie kann sich positiv auf die Blutfette auswirken, das Bindegewebe elastisch halten und Gefäßverkalkung vorbeugen. „So bleiben die betroffenen Frauen länger herzgesund“, sagt Dr. Köninger. „Wichtig ist allerdings, dass die Therapie frühzeitig beginnt – nicht, wenn die Frau schon lange in den Wechseljahren ist.“

Ist eine Hormonbehandlung riskant?

„Hormone allein verursachen noch keine Krankheit, zumal sie heute über die Haut als Gel oder Pflaster wirken und die Leber nicht belasten“, erläutert Dr. Angela Köninger. Riskant wird es, wenn Frauen diese Therapie anwenden, die übergewichtig sind und rauchen. Dann können Thrombosen oder ein Schlaganfall drohen. Insofern gilt: Mit dem Frauenarzt sprechen, rechtzeitig auf starke Wechseljahresprobleme hinweisen und gemeinsam mit dem Mediziner Risiken und Nutzen einer Hormonbehandlung abwägen.

Auf was sollte ich sonst während der Wechseljahre achten?

Bewegung und ausgewogene Ernährung nach dem Ampelprinzip (rotes, gelbes und grünes Gemüse) werden jetzt wichtiger, weil der Körper sensibler ist. Vor allem aber sollte man achtsam mit sich umgehen, sich etwa öfters Ruhepausen während der Arbeit und Zuhause gönnen – vor allem in der angespannten Atmosphäre der Hitzewallungen. Auch in Sachen Kleidung und Make-up sollte man etwas für sich tun. Da die Haut mit der Zeit zarter wird und ihren Grundton ändert, muss eventuell die Farbe der Kleider oder der Haare – wenn man sie färben will – darauf abgestimmt werden. Faustregel: Milde Töne sind besser als harte (wie Schwarz), die angestrengte Gesichtszüge noch betonen.

Spätestens jetzt: regelmäßig jährlich zur Krebsvorsorge gehen. Denn die Gefahr von Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs steigt mit dem Älterwerden, unregelmäßige Blutungen können sogar ein Anzeichen für einen Tumor sein.

Wie kann ich mich am besten in meine neue Situation einfinden?

Die Wechseljahre bedeuten eine Anregung zum Nachdenken über das Leben. Es gilt, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass die Fruchtbarkeit künftig auf anderen Gebieten liegt – was auch positive Effekte hat: Keine schmerzhaften Blutungen mehr, das Thema Verhütung erledigt sich mit der Zeit von selbst. Warum jetzt nicht an etwas anknüpfen, das einem früher schon gefallen hat? Reisen oder Sprachen lernen, ein Studium beginnen oder den Computer mal selbst programmieren…Wozu hat man seine Lebenserfahrungen gemacht, wenn man solche Wünsche nicht irgendwann ernst nimmt?