Die Göttliche war gar nicht so scheu

Stockholm..  „I want to be alone“ - dieser hingehauchte Satz, aus dem so viel Leid und Erschöpfung klingt, kam aus Greta Garbos Herzen. Denn in dieser Szene aus dem Film „Menschen im Hotel“ sprach die berühmte Schauspielerin aus, was sie die meiste Zeit ihres Lebens am liebsten wollte: allein sein. Der große Leinwandstar mit dem Beinamen „Die Göttliche“ hat trotz der vielen Verehrer und Liebhaber niemals geheiratet. Vor 25 Jahren, am 15. April 1990, starb Greta Garbo in einem New Yorker Krankenhaus. Sie wurde 84 Jahre alt.

Dabei war das in Stockholm aufgewachsene Mädchen Greta Lovisa Gustafsson das genaue Gegenteil einer Einzelgängerin. „Greta war lebenslustig, immer auf Spaß aus, und sie wusste genau, was sie wollte“, sagt Rune Hellquist, der Leiter der Garbo-Gesellschaft im schwedischen Högsby, dem Heimatort von Gretas Mutter. Seit 14 Jahren betreibt die Gesellschaft ein kleines Garbo-Museum mit einer umfassenden Sammlung aus Fotos, Büchern und Dingen aus dem Nachlass der Diva. Hier wird das Leben der großen Garbo lebendig.

Nach dem frühen Tod des Vaters muss die 14-jährige Greta Geld verdienen. Sie beginnt in einem Friseursalon und arbeitet später als Verkäuferin in einem großen Warenhaus in Stockholm. Schon dort findet ihre Schönheit Beachtung. Das Mädchen mit dem feinen Gesicht posiert als Hutmodell für einen Katalog und spielt in kleinen Werbefilmen mit.

In ihrer freien Zeit lungert Greta am Ausgang des Theaters herum. Das Fieber hatte sie gepackt. Als sie kurz vor ihrem 17. Geburtstag von der Königlichen Schauspiel-Akademie in Stockholm angenommen wird, schmeißt sie den guten Job hin. „Ihre Mutter war davon nicht gerade begeistert“, weiß der Garbo-Enthusiast Hellquist. Schon wenige Monate später feiert sie mit der Komödie „Luffar-Petter“ (1922) ihr Filmdebüt. Doch die Komödie sollte nicht das Metier der kühlen Schwedin werden. Der Regisseur Mauritz Stiller sieht das Potenzial der jungen Greta und wird ihr Förderer. Er ist es, der sie überredet, den Namen Garbo anzunehmen.

Der Film „Gösta Berling“ (1924) wird ihr Sprungbrett nach Hollywood, und von da an geht alles ganz schnell. Mit ihrer ausdrucksstarken Mimik wird die Schwedin Star des Stummfilms. „Die Garbo vermittelte den Filmen ein Gefühl von Poesie, dem niemand anders nahe kam als – vielleicht - Charles Chaplin“, schwärmte der US-Schriftsteller Truman Capote. „Fluten der Leidenschaft“ (1926), „Totentanz der Liebe“ (1926) und „Es war“ (1927) ebnen ihr den Weg zum Weltstar.

Den Übergang zum Tonfilm meistert die Schwedin – trotz ihres leichten Akzentes – recht gut. Die Rolle der Spionin „Mata Hari“ (1931), der die Liebe zum Verhängnis wird, scheint ihr wie auf den Leib geschneidert. Auch in „Königin Christine“ (1934) „Anna Karenina“ (1935) und „Die Kameliendame“ (1936) verkörpert sie Frauen, die mit der Liebe kämpfen. „Ich sterbe mindestens dreimal im Jahr“, kommentierte die Diva. „Die Menschen lieben es, mich sterben zu sehen.“ Nur in der Komödie „Ninotschka“ (1939) darf sie fröhlich sein. „Die Garbo lacht“, war damals der Werbeslogan, der die Zuschauer ins Kino lockte.

Die Filmstudios vermarkten Greta Garbo als die Geheimnisumwitterte, die Unnahbare, schließlich: die Göttliche. Ihre Zurückgezogenheit fördert die Mysterienbildung. Sie gibt keine Interviews, kommt nicht zu Filmpremieren – der ganze Rummel ist ihr unangenehm. „Präsident Kennedy trifft sie erst, nachdem er sie vier Mal eingeladen hat“, weiß Hellquist. Eine Einladung der britischen Queen zum Tee soll sie ausgeschlagen haben, weil sie nichts Passendes zum Anziehen hatte.

Mit vierzig zieht sie sich zurück

Das, was über ihr Privatleben bekannt wird, spricht nicht für die große Diva: ständig wechselnde Männerbekanntschaften, lesbische Neigungen werden ihr nachgesagt. In den seltenen Interviews betont sie: „Es hat mich nie vor den Altar gedrängt. Ich bin kein Mensch, der leicht zu führen ist.“

Vielleicht liegt es auch daran, dass ihr letzter Film „Die Frau mit den zwei Gesichtern“ (1941) ein Flop wird. Garbo spielt eine Doppelrolle, in dem der eine Part als hemmungslose Verführerin auftritt. „Ich glaube, das Publikum hat die Frau in dem Film für die echte Greta Garbo gehalten“, meint Hellquist.

Der Misserfolg trifft die Schauspielerin hart. Mit nicht mal 40 Jahren zieht sich Greta Garbo zurück, lehnt alle kommenden Filmangebote ab und ist nur noch selten in der Öffentlichkeit zu sehen. Auch den Ehren-Oscar, der ihr 1954 verliehen wird, holt sie nicht persönlich ab. „Ich glaube, sie hat einfach die Lust am Filmemachen verloren“, sagt Hellquist.

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