Die Feuerreiter kommen zur „Hund & Pferd“

Stefanie Brüning
Jedes Jahr begeistern die Feuerreiter ihr Publikum mit einer neuen Show. Foto:
Jedes Jahr begeistern die Feuerreiter ihr Publikum mit einer neuen Show. Foto:

An Rhein und Ruhr. Michael Paulus und sein Stunt-Team Ars Equitandi brennen für ihre Pferde-Stuntshow. Sie reiten zwischen Feuerfontänen hindurch und „kämpfen“ mit brennender Lanze. Bei der Messe „Hund & Pferd“, die am Freitag, 14. Oktober in Dortmund beginnt, haben sie einen Auftritt.

Dramatische Musik hallt über das Gelände: Hunderte Besucher richten ihre Augen auf den abgetrennten Sand-Parcours. Ein Ritter auf einem weißen Andalusier-Hengst galoppiert über den Platz, richtet die Fackel in seiner Hand auf den Boden, und sekundenschnell entzündet sich eine Feuerwand. Bis die Flammen hoch lodern, ist er schon weg. Doch dann, am Ende des Platzes, wendet er plötzlich sein Pferd, nimmt Anlauf und springt mit ihm durchs Feuer. Drei weitere Ritter folgen ihm.

Es ist das Stuntshow-Team von Ars Equitandi, bei einem seiner Auftritte auf dem Mittelalterlichen Phantasie Spektakulum, der größten Mittelalter-Wandershow der Welt, die regelmäßig durch ganz Deutschland reist.

„Mich hat die Verbindung von Feuer und Pferden fasziniert“

Angefangen hat es vor über 15 Jahren, als sich Fotograf Michael Paulus (41) ein Ritter-Turnier angesehen und großspurig gedacht hat: Das kann ich auch. „Doch ich wurde dann schnell eines Besseren belehrt“, erzählt er. Zunächst war vor allem das Barockreiten sein Hobby: eine Art des Dressurreitens, die möglichst leicht aussehen soll und bei der möglichst wenig mit den Zügeln gearbeitet wird. Auf Mittelalter-Festen hat er mit Lanzenturnieren angefangen. Doch haben ihn auch Feuerkunststücke seiner Kollegen fasziniert – schließlich hat er angefangen, es selbst auszuprobieren. „Mich hat die Verbindung von Feuer und Pferden fasziniert.“ Einen Stuntkurs hat er in all den Jahren nie besucht – „ich habe mir viel bei Kollegen abgeschaut – sie haben mir sehr viele Tipps gegeben“, und der Rest war Eigenarbeit, eben „Learning by Doing.“

Inzwischen reiten er und sein Team als eines von wenigen in ganz Europa zwischen Feuerfontänen hindurch, „kämpfen“ mit brennender Lanze und treten mit ihren Pferden unter das brennende Gestänge einer Feuerkuppel. Besonders gefährlich sei es als brennender Reiter – wenn da irgendwo eine Stelle am Kostüm undicht ist, wird es ungemütlich: „Ich habe mich auch schon mal ordentlich verbrannt“, erzählt er. Angst, dass ihm bei seinen Feuer-Experimenten etwas passieren könnte habe er nie - „nur Lampenfieber“ vor der Show.

Ein Pferd gegen seinen Willen durchs Feuer zu zwingen, sei unmöglich

Doch wie sieht es bei den Pferden aus – rufen seine Feuerreiter-Stuntshows nicht die Tierschützer auf den Plan? „Man muss immer mal wieder Leuten erklären, dass die Pferde zu nichts gezwungen werden“, sagt Paulus. Ein Pferd gegen seinen Willen durchs Feuer zu zwingen, sei unmöglich und es auch nur zu versuchen, sei „absolut kontraproduktiv“. Denn „Pferde dürfen nie, nie, nie eine schlechte Erfahrung machen – sonst ist es vorbei“, erklärt Paulus. Deshalb werden sie vor jedem Einsatz sorgfältig präpariert, um sich nicht zu verbrennen – bis jetzt sei glücklicherweise auch noch immer alles gut gegangen.

Insgesamt hat er acht Pferde, und schon als Jungtiere gewöhnt er sie nach und nach ans Feuer. So probiert er es Anfangs mit Fackeln aus, wie die Pferde darauf reagieren. „Einige sind ruhiger, andere sind schreckhafter“. Doch sind beim Training auch immer erst erfahrene Pferde dabei. „Wenn die jungen Tiere sehen, dass die Erfahrenen mitmachen, wissen sie ,Okay, ich brauche keine Angst zu haben‘“.

Man brauche sehr viel Geduld, um das nötige Vertrauen beim Pferd aufzubauen; „wir arbeiten viel mit Belohnungen“, erklärt er, und: „Wie beim Menschen begreifen manche Pferde schneller und manche langsamer.“ Sein weißer Hengst Gallito ist ein „Naturtalent“, und hat nur ein halbes Jahr gebraucht, bis das Feuer für ihn „das Normalste von der Welt“ geworden sei.

„Jedes Jahr haben wir eine neue Show, immer höher, weiter, schneller“

Was die Zuschauer beim nächsten Auftritt von Ars Equitandi auf der Dortmunder Messe Hund & Pferd (siehe Infokasten) von ihm und seinen Feuerreitern erwartet, will er noch nicht verraten. Doch zeigen sie auf der Messe stets einige neue Effekte der Show, die sie für die kommende Saison ab dem Frühjahr planen, wenn es wieder auf Tour mit dem wandernden Mittelalterfest geht.

„Jedes Jahr haben wir eine neue Show, immer höher, weiter, schneller“, sagt er. Im Herbst beginnt er damit, sich eine neue Geschichte mit neuen Stunts und Effekten zu überlegen, die er und sein Team rund um eine Burgkulisse dann auch in Szene setzen können.

Dann schickt er seine Ideen – ganz unmittelalterlich per E-Mail – an die anderen Mitglieder von Ars Equitandi („Wir sind über ganz Deutschland verteilt“). An zwei Wochenenden treffen sie sich dann mit ihren Pferden, um die neu gelernten Stunts gemeinsam zu einem ganzen Bühnenstück zu fügen. Dann werden die Effekte mit einer Pyro-Technik-Firma auf ihre Umsetzbarkeit geprüft und Einzelanfertigungen bestellt. Requisiten und Kostüme haben sie selbst hergestellt – bis auf die Ritterrüstungen, die sie sich in Tschechien haben schmieden lassen.

Nur in der Saisonpause im Herbst und Winter wird trainiert, zwischen den Auftritten gönnen sie sich eine Pause, und seine spanischen Hengste bleiben auf der Wiese, sollen „einfach mal Pferd sein“. Denn die Stunts sind Konzentrationsarbeit - auch für die Pferde: „Ich lege viel Wert darauf, dass sie auch mal abschalten können.“