Deutsche Promis und ihre politischen Fettnäpfchen

Manchmal ist es wohl besser, den Mund zu halten: Das dürfte sich aktuell auch Martin Kesici denken, der nach einem umstrittenen Facebook-Post beurlaubt wurde. Kleiner Trost: Er ist nicht der erste Promi, der für seine unüberlegten Worte auf den Deckel bekam.

"Star Search"-Teilnehmer Martin Kesici (41) könnte ein umstrittener Facebook-Post den Job kosten. Der Moderator wurde von seinem Sender "Star FM" beurlaubt, nachdem er im Netz die Hooligan-Demo am vergangenen Wochenende in Köln kommentiert hatte. "Endlich gehen die Deutschen gegen die Salafisten auf die Straße. Wurde auch Zeit", schrieb er dort. Inzwischen ruderte Kesici zwar zurück, der Schaden war aber schon angerichtet. Doch ist der 41-Jährige nicht der erste Star, der mit schlafwandlerischer Sicherheit ins Polit-Fettnäpfchen trat.


Xavier Naidoo und die "Reichsbürger"


Von Xavier Naidoo war man sonst eigentlich eher sanfte Klänge und gefühlvolle Balladen gewohnt. Doch mischten sich zuletzt immer öfter auch teils hanebüchene Verschwörungstheorien des einstigen "Sohn Mannheims" unter seine Auftritte. Kostprobe gefällig? Bereits 2011 sinnierte der Sänger im ARD-Morgenmagazin: "Nein, wir sind nicht frei. Wir sind immer noch ein besetztes Land, Deutschland hat keinen Friedensvertrag und dementsprechend ist Deutschland auch kein echtes Land und nicht frei." Verschwurbelte Meinung, aber nichts wirklich Ernstes, konnte man hier noch attestieren. Allerdings goss Naidoo unlängst mit einer Rede vor einer Gruppe Rechtspopulisten, den selbsternannten Reichsbürgern, wieder Öl ins Feuer. Hier erneuerte er seine oben genannte These und stieß bei der fragwürdigen Gruppierung auf Gehör. Weniger begeistert war die Popakademie in Mannheim, bei der Naidoo Mitinitiator ist: "Wir distanzieren uns von den fragwürdigen und irritierenden politischen Äußerungen und dem Auftritt Xavier Naidoos", hieß es von deren Seite.


DJ Tomekk und sein rechter Arm


DJ Tomekk bewies bei der 2008er-Ausgabe von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" eindrucksvoll, wie man aus dem Dschungelcamp fliegen kann. Eine Kameraaufzeichnung im australischen Hotel wurde Tomekk zum Verhängnis: Er zeigte den Hitlergruß, sang "Deutschland, Deutschland über alles", scherzte über die "vielen Ausländer im Haus". Gar nicht witzig fand man das bei RTL: "Diese Art Humor ist nicht akzeptabel im Umfeld der Produktion einer Fernsehsendung", teilte RTL-Sprecher Christian Körner daraufhin mit. "Tomekk ist bereits auf dem Rückweg nach Deutschland." Dort gab sich der Rapper dann erwartungsgemäß kleinlaut und beteuerte: "Mein dummes Witz-Gelaber tut mir unendlich leid. Für alle Leute, die sich davon betroffen fühlen: Es tut mir unheimlich leid, es tut mir leid, es tut mir leid, es tut mir leid."


Willi Herren und der salafistische Vogel


Willi Herren betrat einst auf einer Kundgebung der radikalen islamistischen Salafisten-Gruppierung in Köln die Bühne. Dort lobte er den Hassprediger Pierre Vogel, bezeichnete ihn laut "Bild" als einen "sensationellen Menschen". Sonderlich sensationell findet zumindest der deutsche Verfassungsschutz Vogel nicht, welcher den Prediger bereits beobachtet haben soll, wie aus demselben "Bild"-Artikel hervorgeht. Herren selbst distanzierte sich kurz nach seinem dubiosen Auftritt von den Salafisten: "Mit dieser Erklärung möchte ich nochmals ausdrücklich und unmissverständlich darauf hinweisen, dass ich weder ein Freund noch ein Befürworter der Vereinigung der Salafisten bin. Ich distanziere mich in aller Deutlichkeit von jeglichen Gruppierungen, die menschenfeindlich, menschenverachtend oder rassistische Hintergründe haben."


Eva Herman und ihre Sorge um das deutsche Volk


Deutschland stirbt aus. Dessen ist sich Ex-Fernsehmoderatorin Eva Herman zumindest 2006 in ihrem Buch "Das Eva-Prinzip" sicher gewesen. Schließlich sei Karriere und Familie nicht vereinbar, die niedrige Geburtenrate in Deutschland belege dies. Ein Jahr später sorgte ihr zweites Buch, "Das Prinzip Arche Noah", dann für ihren Rauswurf beim NDR. Hermans schriftstellerische Tätigkeit sei nicht länger mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin vereinbar, hieß es damals in einer Pressemittelung des Senders. Doch was war geschehen? Herman hatte - gelinde gesagt - äußerst unglückliche Aussagen getätigt. Auch ihre Erläuterung, welche die "FAZ" zitierte, machte die Sache nicht besser. So sagte Herman: "Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden." In Johannes B. Kerners Talkshow sollte sie kurz darauf derartig anecken, dass sie der Talkmaster bat, die Sendung vorzeitig zu verlassen.


Heino, hart wie Kruppstahl


"Hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, flink wie ein Windhund" - so beschrieb sich Heino einst selbst im Interview mit der "FAS". Doch diese Beschreibung hat eine äußerst negative Konnotation - schließlich war es Hitler selbst, der 1935 50.000 Hitlerjungen dieses Ideal einbläute. Dazu Hits wie "Schwarzbraun ist die Haselnuss" oder "Es steht ein Soldat am Wolgastrand": Wenn man den Künstler Heino nach Teilen seines Werks beurteilt, dann verwundert es nicht, dass manch einer die Bedeutung der Lieder zu interpretieren begann. Zuletzt war das Gesangs-Kollege Jan Delay, der Heino in einem Interview kurzerhand als "Nazi" bezeichnete und dafür vor Gericht prompt eins auf den kahlen Deckel bekam. 20.000 Euro wurden Heino daraufhin zugesprochen. Der Schlagersänger selbst hat es bisher zudem stets verstanden, sich derartige Verdächtigungen mit Schlagfertigkeit vom Hals zu schaffen: "Ich bin nicht schwarzbraun, ihr Haselnüsse!"

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