Deutsche haben Bridge-WM mit "Hüstel-Code" gewonnen

Foto: WAZ FotoPool
Mit einem Hustencode haben sich zwei deutsche Ärzte den Titel bei der Bridge-Weltmeisterschaft auf Bali erschlichen. Mitgeschnittene Videos belegen das seltsame Verhalten der Spieler während des Turniers. Die World Bridge Foundation sprach sie wegen Betrugs schuldig.

Bali.. Zum ersten Mal ist es einem deutschen Senioren-Team im November auf Bali gelungen, die Bridge-Weltmeisterschaft zu gewinnen. Doch die Freude währte nur kurz. Die beiden Spieler Michael Elinescu (61) und Entscho Wladow (71) wurden von der World Bridge Foundation (WBF) des Betrugs schuldig gesprochen.

Sie sollen mittels eines raffinierten Hustencodes während des Turniers betrogen haben. Der Weltmeistertitel soll den beiden Ärzten nun aberkannt werden. Außerdem dürfen sie als Paar nie wieder spielen. Als Einzelspieler wurden sie für zehn Jahr von allen offiziellen Wettkämpfen der WBF ausgeschlossen.

Seltsames Verhalten fiel bereits beim Viertelfinale auf

Wie die F.A.Z. berichtet, wurde der Fall in Dallas verhandelt. Bereits beim Viertelfinale bemerkte ein US-Spieler das eigenartige Husten der "German Doctors", wie sie unter Spielern genannt wurden. Er regte an, dass deutsche Team im weiteren Verlauf des Turniers filmen zu lassen. Dieses Material, das auszugweise auch bei YouTube zu sehen ist, wurde bei der Verhandlung ausgewertet.

Die beiden Ärzte sollen sich während des Spiels mittels eines codierten Hustensystems verständigt und so einen unlauteren Wettbewerbsvorteil erlangt haben. Laut einem Ermittlungsbericht der WBF sollen die Hustenzeichen beispielsweise immer dann erfolgt sein, wenn ein Spieler weniger als zwei Karten einer Farbe auf der Hand hatte. Die Anzahl an Hustern stand für die jeweilige Farbe, die benötigt wurde – also beispielsweise ein Huster für Karo, zwei für Pik.

Ulrich Wenning, Präsident des Deutschen Bridgeverbandes (DBV), war selbst Teil der Mannschaft. Er ist schockiert vom „größten Skandal, dem der DBV je ausgesetzt war“. Wenning fühle sich von den Entwicklungen überrumpelt und kann sich noch nicht zur Schuldfrage äußern, da er bislang nicht das gesamte Videomaterial der WM gesichtet habe.

Der Jurist finde jedoch die Vorgehensweise der WBF seltsam. Er habe erst etwa viereinhalb Monate nach dem Turnier erfahren, dass es überhaupt ein Verfahren gibt. Gegen wen genau – ob gegen den Verband oder einzelne Spieler – sei trotz mehrmaliger Anfragen lange unklar gewesen. Erst kurzfristig sei ihm mitgeteilt worden, dass es eine Verhandlung geben soll. Diese habe er aufgrund von lange feststehenden Terminen vergeblich zu verschieben versucht. Hervorzuheben sei, dass es keine Vorwürfe gegen die weiteren vier Spieler sowie den Verband gebe. Stellungnahmen finden sich auf der Internetseite des Deutschen Bridge-Verbands (DBV).

Beschuldigte Spieler sehen sich Intrigen der Profis ausgesetzt

BetrugDie beschuldigten Bridge-Spieler sehen sich laut F.A.Z. einer „infamen Intrige“ ausgesetzt. An den erhobenen Anschuldigungen sei „nicht das Geringste dran“. Elinescu vermutet „Neid und Missgunst“ unter den professionellen Bridge-Spielern als Motiv für die „Verleumdungen“. Schließlich seien Wladow und er die einzigen Amateure unter den Spitzenspielern. Die Weltmeisterschaft in Bali sei mit sauberen Methoden gewonnen worden. Auch hätten die Amerikaner nach dem Wettkampf 30 Minuten Zeit gehabt, Protest einzulegen, was sie nicht taten. Als er dann Monate später von den Anschuldigungen und der nahenden Verhandlung hörte, sei er „aus allen Wolken gefallen“. Elinescu habe versucht, die Verhandlung zu verschieben und beklagt, dass die Verhandlung von einem Amerikaner geleitet wurde. Auch der Ankläger kam aus dem Land der Konkurrenten um die WM. Insgesamt sei der Prozess für den Arzt Elinescu „eine Farce.“ Die beiden Ärzte wollen nun gegen das Urteil vorgehen.

Ulrich Wenning möchte möglichst bald eine Kommission aus „drei erfahrenen Leuten“ zusammensetzen, die den Fall eigenständig untersuchen soll. Auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist und die beschuldigten Elinescu und Wladow schon Rechtsmittel einlegten, sei der Imageschaden für den Sport enorm: „Betrügen ist tödlich.“ Es sei eine Katastrophe für den Bridge-Sport in Deutschland.

 
 

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