Der Untergang der Pommesbude?

Ruhrgebiet.  Für Freunde vorgefertigter Nahrungsmittel gibt es dieser Tage Unangenehmeres als eine Currywurst von Uli Hoeneß. Sie wird seit dem gestrigen Valentinstag bei McDonald’s aufgetischt. Ein enormer Ansturm aufs Produkt war an Rhein und Ruhr nicht zu verzeichnen, aber nachgefragt wurde: 2,99 € „mit Kaiserbrötchen“, wahlweise mild oder scharf.

Vornehmlich wählt der Kunde diesen Donnerstag crispiges Chicken oder Triple Choc Cookies. Wer wegen Currywurst am Tag ihrer Erstlandung hier ist, fällt indes nicht weiter auf, was an der Schachtel liegt: kleine gedeckelte Pappe mit großem geschwungenen „M“. Hatten wir mild oder scharf gesagt? Egal. In der Pappe ist erstmal alles gleich. Näheres regelt dafür das Gewürz im Extra-Tütchen. In Amerika ist man eben sein eigener Scharfmacher.

Wie leicht es wäre, aus fußballerischen Gründen (es geht ja letztlich doch immer um die Schale) oder patriotischen (der Pott hat sie erfunden, leugnen Berliner) diese Currywurst in die Pfanne zu hauen. Aber sie schmeckt: saftig bei kräftig-sachtsüßer Sauce. Das mit dem Selber-Aufpulvern ist etwas steril, wobei natürlich „scharf“ gilt: Aufsteigen sachte Noten von Knoblauch, Koriander, Bockshornklee. Respekt!

Currywurst von Hoeneß und Mäckes? Ist dies der Untergang der Buden von Wattenscheid bis Düsseldorf? Im Hafengrill zu Essen (2,20 € samt Pommes) standen sie zur gleichen Zeit jedenfalls Schlange wie immer: Müllwerker wie Versicherungsleute. Und sie riefen „Mamma schaaf!“, was man Uli Hoeneß wohl besser übersetzen sollte.

Eine Weltanschauung

Nicht zum Einsatz kommt hier: US-Einheitskleidung. Stattdessen frittiert man in Leggings, Strickjacke, Birkenstock. Auch herrscht die alte Sitte, erst nach dem Essen Geld dafür zu verlangen. So reden wir am Ende wohl doch von Currywurst als Weltanschauung. Möge jeder selbst sehen, in welche Pappe seine gehört.

 
 

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