Der Prinzipal ist „Untertage“

Herten..  Der Prinzipal kommt in braun und schwarz. Passend zum Ambiente, Ton in Ton mit seiner Untertagebar. „Untertage“ klingt ein wenig hoch gegriffen. Nicht siebte Sohle, sondern eher der Tatsache geschuldet, dass in die grauen Betongemäuer im Keller seines Revuepalastes kein Tageslicht eindringt. Unmengen an Teelichtern sorgen für eine urige Stimmung. Alte Kronleuchter und moderne Studiostrahler tauchen Schwanenbilder, Spiegel und schlichte Holztische in eine einzigartige Atmosphäre. Ein eigenwilliger Mix aus Purismus und Überbordenheit. „Eine wunderbare Location“, schwärmt Christian Stratmann.

Der Charme deralten Heizzentrale

Nicht nur er ist dem Charme der alten denkmalgeschützten Heizzentrale auf der Brache der Zeche Ewald in Herten erlegen. Wo seit 2009 regelmäßig Deutschlands einzige „Travestieschau auf Zeche“ gegeben wird, hat sich jetzt auch der WDR eingemietet. Mindestens acht Mal wird Moderator Alexander Bommes seine Gäste in der Untertagebar zum „Sportschau Club“, empfangen. Zum Beispiel diesen Mittwoch um 23 Uhr.

Stratmann ist begeistert vom jüngsten Coup. Sein Sendungsbewusstsein hat einen neuen Kick bekommen. „Zuschauer aus Hamburg haben angerufen und von diesem tollen Ort im Revier geschwärmt“, erzählt er. Der „kleine Bruder“ von Dr. Ludger Stratmann, der in einer Familie mit neun Geschwistern aufwuchs, hat seinem Revier inzwischen ein drittes Theater geschenkt.

Stratmann ist nicht nur ein kleines bisschen stolz auf sich. Mit inzwischen 62 Jahren kann der Mann auf eine beachtliche Karriere zurückblicken. Denn er macht etwas, das er nie gelernt hat: Theater. Genauer gesagt: Volkstheater. Was Ohnsorg für Hamburg und Millowitsch für Köln ist sein Mondpalast für Wanne-Eickel. „Ich bin kein Mäzen, kein Altruist“, sagt er. Stratmann nennt sich Prinzipal, ein Theaterunternehmer alter Schule. Einer, der auf die Wirtschaftlichkeit seiner Bühnen achten muss, der sein „kleines mittelständisches Unternehmen“ mit etwa 100 Angestellten auch durch die nächsten Jahre sicher manövrieren möchte.

Theater als Dienstleistungsunternehmen mit hohem Serviceanspruch. Seine Besucher nennt er Gäste. 100 000, schätzt er, kommen im Jahr. Fast alle begrüßt er persönlich. Vor jeder Vorstellung steht er an der Tür, plauscht hier, witzelt dort. In Maßen, meint er, sei er eine Rampensau.

Als solche lässt er sich zuweilen durch die Reihen treiben. Von Gästen zum Beispiel, die Monate vor der Vorstellung ihre Karte kaufen, und jetzt schon mal Probe sitzen wollen. „Wird gemacht“, sagt Stratmann und lächelt. Er versteht sich als Diener, der alles daransetzt, den Service in seinen Palästen so perfekt wie möglich zu gestalten.

Einmal im Jahr gönnt sich Stratmann eine Premiere. Das soll auch so bleiben. „Ich bin ja ein Hypochonder“, erzählt er. Der letzte Pickel war kein Krebs, der Arzt seines Vertrauens hat ihm erklärt, er sei kerngesund. Für Stratmann heißt das: weitermachen. Die nächsten 25 Jahre, mindestens. „Wenn diese Jahre nur halb so kreativ werden, wie die letzten, dann wird‘s spannend“, verspricht er. Und entschwindet zu den Proben.

 
 

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