Der Islam hat viele Gesichter

Ein Mann in Mekka liest im Koran.                                                                                                                         Foto: SWR
Ein Mann in Mekka liest im Koran. Foto: SWR

Ruhrgebiet.. Kaum einer weiß was, aber viele reden mit. Bei der Debatte über die Integration der vier Millionen Muslime in Deutschland geht völlig unter, wofür der Islam eigentlich steht – die jüngste Weltreligion, der heute 1,4 Milliarden Menschen angehören. Einen Beitrag zum besseren Verständnis kann die vierteilige ARD-Dokumentationsreihe „Gesichter des Islam“ leisten.

Der erste Teil „Glaube und Kultur“ startet an diesem Sonntag um 17.30 Uhr auf dem Sendeplatz von „Gott und die Welt“. Die übrigen drei werden an den darauffolgenden Sonntagen jeweils zur gleichen Zeit ausgestrahlt.

Lange bevor die Integrationsdebatte durch das Sarrazin-Buch erst voll entbrannte, hatte Reinhard Baumgarten, Leiter des Ressorts Religion, Kirche und Gesellschaft beim SWR, das Projekt konzipiert. Per Interview kündigte er jetzt eine „einzigartige Bestandsaufnahme des Gegenwarts-Islam mit zahlreichen und überraschenden Facetten“ an. Noch mehr Vorschusslorbeeren kommen vom Deutschen Kulturrat. Geschäftsführer Olaf Zimmermann glaubt, dass „die Wissenslücken, die nicht zuletzt Grundlage von Angst und Ablehnung sind, durch die großartige Dokumentationsreihe gefüllt“ werden könnten. Verantwortlich für alle Beiträge zeichnet Regisseur und Mitautor Hannes Schuler (44), ein Ethnologe und Sprachwissenschaftler für Afrikanische Sprachen.

Es gibt nicht den einen Islam, sondern seine Ausprägungen sind bunt und unterscheiden sich nach Regionen und Ländern. Die Macher haben unter anderem in Ägypten, Marokko, Saudi-Arabien und in Indonesien recherchiert, mit 200 Millionen Menschen das größte islamische Land der Welt. Natürlich auch in der Türkei. Und in Duisburg-Marxloh, wo die größte deutsche Moschee steht.

30-Minuten-Filme

Woran glauben die Muslime? Wie prägen Religion und Tradition ihren Alltag? Welche Rollen haben Männer und Frauen? Wie offen sind islamische Gesellschaften für den Fortschritt? Die 30-MinutenFilme nähern sich vorurteils- und ideologiefrei der gesamten Bandbreite des Islam und sind sehenswert auch für jene, die zur Sendezeit lieber Sport oder Kochshows einschalten.

In der ersten Folge „Glaube und Kultur“ geht es um die religiösen Grundlagen der muslimischen Welt und um deren Vielfalt. So kauft in Istanbul eine junge Familie das festliche Gewand für die Beschneidung des kleinen Sohnes Efe. In der Wüste Saudi-Arabiens pflegen Beduinen das einfache Leben der Kamelzüchter – fast wie zu Zeiten des Propheten. Und in Mekka umrunden Millionen Pilger die Kaaba, den zentralen Ort der Muslime. Dann geht es zurück nach Istanbul, wo Architektin Nilgün Olgun enthusiastisch die Restaurierung der Süleymaniye-Moschee leitet.

Bei aller Vielfalt zeigen sich immer wieder die fünf Säulen des Islam: Glaubensbekenntnis, Gebet, Fasten, das Almosengeben und die Pilgerfahrt nach Mekka. Die zweite Folge „Männer und Frauen“ dreht sich um das Selbstverständnis der Geschlechter ( 21. November). In der dritten Folge „Frieden und Gewalt“ (28. November) wird das Verhältnis des Islam zur Gewalt untersucht. „Wissen und Fortschritt“ stehen abschließend am 5. Dezember im Mittelpunkt. Hier geht es nach Andalusien, wo in Cordoba und Granada das goldene Zeitalter von Kultur und Wissenschaft des Islam heute noch lebendig ist.

 
 

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