"Der Fisch in uns" - 3sat bietet Evolution für Einsteiger

Neil Shubin mit verschiedenen Tier-Skeletten. Vor allem die Zähne können Aufschluss darüber geben, wie die Tiere gelebt haben.
Neil Shubin mit verschiedenen Tier-Skeletten. Vor allem die Zähne können Aufschluss darüber geben, wie die Tiere gelebt haben.
Foto: Mike Coles/ZDF/Tangled Bank Studios
DFB-Pokal und keine Alternativen? Von wegen. Wenn die Großen dem Fußball nur olle Kamellen entgegensetzen, schlägt die Stunde der Kleinsender.

Essen. Die Materie ist komplex, zuweilen gar kompliziert. Zum Glück kennt der Mann, der zum Thema spricht, sich aus. Neil Shubin heißt er, ist Professor für Evolutionsbiologie und Anatomie an der University of Chicago.

Viele Bücher hat er geschrieben, noch mehr Vorträge gehalten und auch Dokus für das Fernsehen gedreht. Drei davon zeigt 3sat Mittwoch und Donnerstag. Die erste heißt "Der Fisch in uns".

Shubin sucht. Nicht nach Nadeln im Heuhaufen, das wäre zu einfach. Shubin sucht, was die Wissenschaft „Brückentiere“ nennt. Tiere sind das, die von einer Art zur anderen verbinden.

Eine Sisyphusarbeit, denn: „Über 99 Prozent aller biologischen Arten, die jemals gelebt haben, sind ausgestorben“, erzählt der Wissenschaftler, „ nur ein sehr kleiner Teil von ihnen ist in Form von Fossilien erhalten geblieben, und von diesen wird wiederum nur ein sehr kleiner gefunden.“

Evolution wird für den Zuschauer anschaulich

Vor gut zehn Jahren hat er Glück gehabt, die Welt sprach von einem „Sensationsfund“. Denn in der Arktis entdeckte er mit seinen Mitarbeitern das Fossil eines Tieres, das den Übergang zwischen den Fischen und den ersten an Land lebenden Wirbeltieren markiert.

„Tiktaalik roseae“ nennt er es. Einerseits hat es Kiemen und eine Haut, die von Schuppen bedeckt ist, andererseits finden sich typische Landwirbeltier-Merkmale wie eine Lunge oder ein unabhängig vom Schultergürtel beweglicher Hals.

Man merkt sich das, weil Shubin wie in seinen Büchern auch vor der Kamera weit weg ist von staubtrockener Wissenschaft, die anschauliche Praxis eher sein Metier ist als die graue Theorie. Mit leichter Hand häuft der Professor Belege auf Belege für die Theorien Darwins und bringt Fossilienfunde zum Sprechen.

Stets seriös, aber dennoch unterhaltsam, oft mit Augenzwinkern manchmal gar witzig erzählt er über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus Paläontologie und Genetik, berichtet aber auch ebenso lebendig über seine tägliche „Knochenarbeit“.

So wird die Evolution für den Zuschauer so anschaulich, wie selten zuvor und wir erfahren: Im Körper des Menschen ist die Geschichte des Lebens auf dieser Erde verborgen: Er trägt das Vermächtnis von Tieren in sich, die Hunderte von Millionen Jahren vor uns lebten. So zeigt Neil Shubin an fossilen Knochenmustern wie viel Fisch noch in uns steckt.

Lernen fürs Leben

Ein einziges Gen – Sonic Hedgehog – formt nicht nur die Flossen im Urfisch, sondern auch unsere Finger und Zehen. Das innere Ohr des Menschen hat sich beispielsweise aus dem Kieferknochen eines prähistorischen Fisches entwickelt. Haut und Haar können zurückgeführt werden auf Säugetiere, die Spitzmäusen ähnelten und vor zirka 165 Millionen Jahren lebten. Um nur mal ein paar Beispiele zu nennen.

Shubin erzählt das alles recht flott, bedient sich an nahezu allem, was die moderne TV-Technik so hergibt. Aber er nutzt diese Technik nur, um seine Wissenschaft verständlicher darzustellen, nicht um eine Show daraus zu machen.

Mann kann den Experten gut folgen, erfährt viel überraschendes aber ein wenig aufpassen muss man schon. Dann aber lernt man fürs Leben. Auch, warum fast jeder Mensch im Leben „Rücken“ hat.

Fazit: Anspruch und Unterhaltung gehen Hand in Hand.

"Der Fisch in uns", Mittwoch, 4. März, 20.15 Uhr, 3sat

"Das Reptil in uns", Mittwoch, 4. März, 21.05 Uhr, 3sat

"Das Säugetier in uns", Donnerstag, 5. März, 20.15 Uhr, 3sat

 
 

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