Das steckt hinter der Milliarden-Spende von Mark Zuckerberg

Dirk Hautkapp
Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan: Wenn die beiden 99 Prozent ihres Vermögens spenden, bleiben ihnen noch fast 500 Millionen Dollar übrig.
Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan: Wenn die beiden 99 Prozent ihres Vermögens spenden, bleiben ihnen noch fast 500 Millionen Dollar übrig.
Foto: REUTERS
  • Facebook-Gründer will den Großteil seines 45-Milliarden-Dollar Vermögens spenden
  • Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan haben deshalb eine Stiftung gegründet
  • Kritiker bemängeln großen Steuerbonus für den 31-Jährigen

Washington. „Der Mann, der reich stirbt, stirbt in Schande.“ Seit der Stahlmagnat Andrew Carnegie 1889 in seiner Schrift „Das Evangelium des Wohlstands“ diesen Satz schrieb, trennen sich in den Vereinigten Staaten immer wieder unvorstellbar wohlhabende Menschen von großen Teilen ihres Vermögen und fördern das Gemeinwohl. Unter den potenziell größten Geldgebern darf Facebook-Chef Mark Zuckerberg ab sofort eine Sonderrolle beanspruchen. Mit 31 Jahren ist der Gründer des sozialen Netzwerks der jüngste Mega-Spender weit und breit. Jedenfalls auf dem Papier.

Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan (30) wollen bis zu ihrem Tod 99 Prozent ihres derzeit auf 45 Milliarden Dollar taxierten Aktienvermögens in eine – von Zuckerberg und Chan kontrollierte – Stiftung für karitative Zwecke überführen. Das hatte Zuckerberg am Dienstag (Ortszeit) in einem Brief an seine in der vergangenen Woche geborene Tochter Max angekündigt.

Der erste Schritt fällt noch bescheiden aus. In den kommenden drei Jahren, so weisen amtliche Papiere nach, werden insgesamt maximal drei Milliarden Dollar übertragen. Was Kritiker auf den Plan ruft: Das amerikanische Steuerrecht beschert Zuckerberg dafür einen Steuervorteil von knapp einer Milliarde Dollar.

In den Fußstapfen von Bill und Melinda Gates

Wie Zuckerberg in dem offenen Brief auf seiner Facebookseite schreibt, soll das Geld für nicht näher bezeichnete Bildungsprojekte, erneuerbare Energieformen und die Bekämpfung von Krankheiten eingesetzt werden. „Wir machen das nicht nur, weil wir Dich lieben”, schrieb Zuckerberg, „sondern weil wir eine moralische Verpflichtung gegenüber allen Kindern der nächsten Generation haben.”

Chan und Zuckerberg treten damit demonstrativ in die Fußstapfen von Bill und Melinda Gates. Der Microsoft-Gründer, in vielem eine Art Vorbild für Zuckerberg, und dessen Frau betreiben die finanzstärkste Privatstiftung weltweit. Finanzvolumen: 41 Milliarden Dollar. Allerdings war Gates etwa 15 Jahre älter, bevor er sich auf die gute Tat besann.

Zuckerbergs Versprechen hat die kontroverse Debatte um den „Philanthropen-Kapitalismus“ in den USA neu entfacht. Die eine Denkschule hängt diesem Weltbild an: In Amerika gehört die Möglichkeit obszönen Reichtums ebenso zum Verständnis einer freien Gesellschaft wie die Bereitschaft, nach erreichtem Erfolg etwas zurückzugeben. Super-Reiche stopfen daher traditionell Lücken, die der Staat hinterlässt. UN-Statistiken weisen nach, dass die öffentliche Hand in Amerika im Vergleich zu anderen Industrie-Nationen regelmäßig zur Faust wird, wenn es gilt, das soziale Netz für die Bürger zu polstern. Ein Beleg ist, dass vielerorts Parks, Schulen, Kultureinrichtungen, Bibliotheken und Theater nicht bestehen könnten, würden nicht Reiche in die Bresche springen und – auch zur Hebung des eigenen Egos – die Rechnungen übernehmen.

Kritiker werfen den Spendern undemokratisches Gebaren vor

In den USA werden pro Jahr etwa 300 Milliarden Dollar gespendet, fast 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: In Deutschland sind es gerade einmal 0,2 Prozent. Anstatt das Füllhorn erst nach dem Ableben per Testament öffnen zu lassen, entscheiden sich immer mehr Super-Reiche schon zu Lebzeiten zum Abgeben. Erst im Frühjahr hat Apple-Chef Tim Cook angekündigt, sein komplettes Vermögen von etwa 800 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke zu spenden. Für welche genau, weiß man noch nicht.

Gegner dieses organisierten Geldsegens werfen den Initiatoren nicht selten undemokratisches Gebaren vor, entzögen sich doch viele Stiftungen der öffentlichen Kritik und verweigerten Rechenschaft abzulegen. Darüber hinaus wird eine „Milchmädchenrechnung“ bemängelt. Durch die karitativen Aktivitäten reduzierten die Geldgeber in massivem Umfang ihre Steuerschuld, was schließlich zu Lasten der Allgemeinheit gehe, kritisierte am Dienstag das Magazin „Daily Beast“.

Zuckerberg spendet nicht zum ersten Mal

Und manchmal zielt das philanthropische Engagement auch daneben. 2010 hatte Zuckerberg auf dem Talkshow-Sofa von Oprah Winfrey erklärt, 100 Millionen Dollar locker zu machen, um die maroden öffentlichen Schulen im US-Bundesstaat Newark und New York zu stützen. Das Projekt gilt allgemein als Fehlschlag. Berater kassierten hohe Honorare, viel Geld versandete in der Bürokratie. Selbst Zuckerberg war am Ende betrübt und räumte Fehler ein. Was aber seiner Spendenbereitschaft keinen Abbruch tat.

2012 und 2013 gaben er und seine Frau Facebook-Aktien im Wert von 2,5 Milliarden Dollar an eine Stiftung im Silicon Valley, die karitative Zweck fördert. 2014 überwies er der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC 25 Millionen Dollar, um deren Kampf gegen die Ebola-Seuche zu unterstützen. Und erst Anfang dieser Woche schloss er sich anlässlich der Klima-Konferenz in Paris einer Initiative von Microsoft-Gründer Bill Gates an, die mit einer neuen milliardenschweren Stiftung für mehr klimafreundliche Energieformen sorgen will.

Den Zuckerbergs bleiben dennoch Millionen übrig

Mit Gates verbindet Zuckerberg auch der ehrgeizigste und gleichzeitig umstrittenste Versuch, Amerikas Superreiche zur Kasse für die Allgemeinheit zu bitten: die Aktion „Giving Pledge“. Damit sollten sich Milliardäre verpflichten, mindestens die Hälfte ihres Vermögens abzutreten. Bisher haben sich etwa 200 Familien und Einzelpersonen dem medienwirksamen Vorhaben angeschlossen. Darunter Oracle-Gründer Larry Ellison, der Medien-Mogul Michael Bloomberg, der Hedgefonds-Manager Bill Ackman und der Drehbuch-Autor George Lucas. Kritiker bemängeln, dass der exklusive Club rechtlich nicht bindende Absichtserklärungen als bereits geleistete Wohltat verkauft. Und wer welche Summen für genau welchen Zweck gespendet hat, sei nicht bekannt.

Dennoch: Dass Zuckerberg sich von seinem Reichtum trennt und trotzdem nach eigenen Angaben noch „viele, viele Jahre“ an der Spitze seines global agierenden Unternehmens stehen will, und dass seine Frau weiter als Kinderärztin zu arbeiten gedenkt, verleiht dem Paar nach Ansicht von Warren Buffett eine besondere Stellung: „Er erreicht ein ganz anderes Publikum als ich, er kann ein Vorbild für die jüngere Generation werden“, sagte der auf rund 65 Milliarden Dollar Privatvermögen geschätzte Unternehmer aus Omaha.

Zuckerberg muss sich um sein Auskommen trotz der Groß-Spende nicht sorgen. Ein Prozent des Aktienpakets des Ehepaars ist heute 450 Millionen Dollar wert.