Das Ruhrgebiet braucht die Loveparade

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Inspirierend und wandlungsfähig möchte sich die Metropole Ruhr im nächsten Jahr als Kulturhauptstadt der Welt präsentieren. Und ist jetzt schon am Projekt Loveparade peinlich gescheitert. Das Ruhrgebiet braucht die Loveparade, um Zeichen zu setzen, findet DerWesten-Redakteurin Annika Rinsche.

Über eine Million ausgelassener Techno-Fans, die begleitet von wummernden Beats ekstatisch durch Bochums Straßen raven - wie das zum Image-Gewinn der Region beitragen soll, ist wohl einigen der Verantwortlichen schleierhaft geblieben. Und so wurde der Liebeszug für 2009 kurzerhand abgesagt. Die offiziellen Begründungen liegen irgendwo zwischen Gleisbauarbeiten am Bahnhof und immensen Sicherheitsrisiken. Aber unterm Strich scheinen wichtige Entscheidungsträger die Wirkung der Loveparade gar nicht verstanden zu haben.

Mit weit über fünf Millionen Einwohnern ist das Ruhrgebiet der größte Ballungsraum in Deutschland. Kreatives Potential dürfte also vorhanden sein. Und auch wenn die Region zweifelsohne über hervorragende Künstler, Musiker und Kultureinrichtungen verfügt, ist davon in der Außenwahrnehmung längst nicht genug zu spüren. Trends werden in Berlin-Friedrichshain geboren, coole Szenegänger treffen sich im Hamburger Schanzenviertel.

Und das Ruhrgebiet? Bemüht sich. Nennt sich Metropole Ruhr und will als Kulturhauptstadt 2010 die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das kreative Potential und die geballte Kraft der Städte lenken. Demonstriert dann aber doch kleinstädtische Engstirnigkeit und verkündet, dass die Loveparade für Bochum eine Nummer zu groß ist.

Die Welt blickt auf die Metropole Ruhr

Dabei haben Essen und Dortmund in den vergangenen Jahren vorgemacht, wie man das Großprojekt stemmen kann. Für einen Tag blickte die Welt auf die Metropole Ruhr. Jeweils weit über eine Million Menschen tanzten gemeinsam beim Zug der Liebe - und ließen nebenbei auch viel Geld in der Region. Auf den Wagen sorgten neben internationalen Künstlern auch Musiker und DJs aus NRW für Stimmung. Gefeiert wurde tagelang in den Clubs vor Ort. 53 Länder haben die Bilder der Parade gesendet.

Eine Chance, die man in diesem Jahr vergibt. Hier könnte das Ruhrgebiet sich beweisen. Zeigen, welche Kraft in der Region steckt. Und was die Menschen vor Ort gemeinsam stemmen können. Und die Region hätte die Möglichkeit, der Welt zu beweisen, dass sie mehr ist als 53 Städte in einem Ballungsraum: nämlich die Metropole Ruhr.

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