Daimler-Werbung mit Che vergrätzt Exil-Kubaner

Bild: Ilja Höpping
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Foto: WAZ
Commandante Dieter - das war wohl kein gelungener Werbeauftritt. Daimler-Chef Dieter Zetsche wirbt auf der Messe CES in den USA mit Che Guevara und bringt damit die Exil-Kubaner gegen sich auf.

Washington/Miami. Drei Mercedes hat er schon gefahren in seinem Leben, einen vierten wird es wohl nicht mehr geben. Felix Rodriguez, einst vom amerikanischen Geheimdienst CIA angeheuert, um den Marxisten und Guerilla-Anführer Che Guevara im bolivianischen Urwald aufzustöbern, hat die deutsche Nobelmarke entrüstet von seiner Kaufliste gestrichen.

Daran ist gewissermaßen Dieter Zetsche schuld. Der Vorstandschef der Daimler AG und Leiter von Mercedes-Benz Cars war dieser Tage bei der “Consumer Electronics Show” (CES) in Las Vegas zu Gast. Mission des Schnauzbarts auf der Messe war es, die neuen Ideen des Konzerns zu bewerben, wenn es darum geht, Kunden das Leben zu erleichtern, die kein eigenes Auto besitzen, sondern es sich mit anderen teilen wollen: Carsharing eben.

„Es lebe die Revolution“

Zetsche tat dies vor einem überdimensionalen Porträt eben jenes Che Guevara, ohne den, jedenfalls aus Sicht von Felix Rodriguez, seinem geliebten Kuba 50 Jahre Fidel Castro und Siechtum erspart geblieben wären. Wörtlich sagte Zetsche vermutlich auf Geheiß leicht kopfverdrehter Marketingberater: “Einige Kollegen denken immer noch, dass Carsharing an Kommunismus grenzt. Aber wenn das der Fall ist: Viva la revolución!” Es lebe die Revolution? Hallo?

Felix Rodriguez, Präsident eines Verbandes von Veteranen, die auf Kuba schon in der berühmten Schweinebucht-Auseinandersetzung dabei waren, erkennt in den Worten eine törichte Geschichtsvergessenheit, die bestraft gehört. Der Mann kann einfach nicht verstehen, warum sich eine Weltmarke, die Luxus-Autos verkauft, auf eine historische Figur bezieht, die über “Gewalt zum Sozialismus kommen wollte”. Für ihn ist Che Guevara nichts weiter als ein „Mörder“.

Kubaner will Mercedes boykottieren

Wie Rodriguez dem “Miami Herald” sagte, werde er nie wieder einen Mercedes kaufen – und alle seine Freunde in der starken kubanischen Exil-Gemeinde Süd-Floridas auffordern, es ihm nach zu tun.

Die Drohung blieb nicht lange ohne Wirkung. Am Donnerstagabend entschuldigte sich Daimler in aller Form in einem Brief. Weder habe man sich Tun und Wirken Che Guevaras zu eigen machen wollen, noch werde man weiter mit einem Repro des berühmten Fotos von Alberto Korda werben.

Ob das Felix Rodriguez milde stimmen wird, ist noch nicht ausgemacht. Vielleicht legt Zetsche mit einem “Cuba libre” nach.