Contergan: Grünenthal muss spanische Opfer entschädigen

Madrid.  Mehr als 50 Jahre nach dem Contergan-Medikamentenskandal in Deutschland haben nun die spanischen Opfer die erste Runde eines Entschädigungsstreites mit dem deutschen Pharmariesen Grü­nenthal gewonnen. Ein spanisches Gericht verurteilte den früheren Contergan-Hersteller zu einer millionenschweren Entschädigung der Opfer in Spanien. Dem erstinstanzlichen Urteil zufolge muss Grünen­thal im Schnitt rund eine Million Euro an die spanischen Contergan-Opfer zahlen. Gegen das Urteil kann jedoch Revision eingelegt werden.

Der spanische Contergan-Opferverband hatte Grünenthal im Namen von 180 spanischen Betroffenen auf 204 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Das Gericht in der Hauptstadt Madrid sprach den Opfern nun 20 000 Euro je Prozentpunkt des offiziell anerkannten Behinderungsgrads zu. Bei einem durchschnittlichen Behinderungsgrad von etwa 50 Prozent würde sich die Entschädigung somit auf eine Million Euro belaufen.

Viele Betroffene, deren Mütter das Medikament eingenommen hatten, wurden ohne Arme oder Beine geboren. Von den 180 klagenden Opfern sind bisher allerdings von einer staatlichen Kommission in Spanien erst 23 offiziell anerkannt worden. Für eine Anerkennung muss nachgewiesen werden, dass die Behinderungen eindeutig durch die Einnahme des Contergan-Medikamentes verursacht worden sind. Das ist beileibe keine leichte Aufgabe mehr als 50 Jahre nach der Geburt der Betroffenen.

Der von Grünenthal hergestellte Wirkstoff Thalidomid, der in Deutschland unter dem Markennamen Contergan vertrieben worden war, konnte bei der Einnahme in den frühen Schwangerschaftsmonaten Fehlbildungen an den Föten und auch Totgeburten produzieren.

 
 

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