Conny Meys bittersüßer Abschied vom Tatort

Frank Preuß

Irgendwann wirft der Kommissar doch mal ein Aspirin ins Wasserglas. Was Frank Steier im neuen Frankfurter Tatort „ Wer das Schweigen bricht“ (ARD, 20.15 Uhr) durchmachen muss, kann man nicht ständig nur mit Schnaps aus dem Flachmann betäuben. Welche große Lebensschuld den Mann drückt, das wird man diesmal endlich erfahren. Seine Teampartnerin Conny Mey verabschiedet sich zudem aus dem aktiven Polizeidienst. Natürlich noch ein letztes Mal mit der Knarre knapp über dem Po in knackengen Jeans, roten Cowboystiefeln und Leder­jacke­. Ob sich eine Polizistin so anmustert, hat Deutschland hinreichend diskutiert. Vermutlich nicht.

Na und?

Das Ende des Gespanns wiederum darf man als Zuschauer durchaus betrübt zur Kenntnis nehmen: Joachim Król, der so unnachahmlich den schlunzigen Muffkopp gibt, und Nina Kunzendorf, die das mit lässigem Charme und lauter Fröhlichkeit abfedert, weil ihre Conny den kleinen Mann mit dem scharfen Verstand ja ins Herz geschlossen hat und ihm irgendwie helfen will – dieses spannungsgeladene Duo ist nach nur fünf starken Fällen Geschichte. Man hätte ihm ein langes gemeinsames Ermittlerleben im Ersten gewünscht. Król macht weiter, Kunzendorf will sich mehr Freiraum für andere Filme verschaffen, Nachfolgerin wird Margarita Broich (siehe links).

Um einzuschätzen, was die Kraft der beiden im Wechselspiel für die Reihe bedeutet, muss man nur den anrührenden Moment erleben, in dem sie ihm sagt, dass sie nach Kiel verschwinden wird, um auf der Polizeihochschule dem Nachwuchs auf die Sprünge zu helfen. Wie er, der niemanden in sein Innerstes blicken lässt, seine Gefühle hinter einer schrecklich ruppigen Antwort versteckt und es später in einer noch intensiveren Szene auf linkische Art versucht, wieder gutzumachen, das gehört zu den großen Augenblicken dieses Films, der natürlich zuvorderst ein Krimi ist.

Steier, der mit Dreitagebart und cholerischen Anfällen noch ein bisschen ausgebrannter wirkt als sonst, und Mey müssen einen Mord im Jugendgefängnis aufklären; ein junger Türke wurde erst gefoltert und dann getötet, die Details sind nichts für zarte Gemüter. Ein Landsmann des Opfers muss derweil fürchten, dass draußen Frau und Kind umgebracht werden, weil er offene Rechnungen bei einem Rauschgifthändler hat. Damit nimmt die Geschichte Fahrt auf.

Edward Berger inszeniert die Ermittlungen als kühles Kammerspiel hinter den Mauern. Eine Welt mit klaren Hierarchien, mit Gewalt und Drogen, mit überforderten Wachleuten. Das wirkt in Bild und Text stimmig und riecht nicht ständig nach Fernsehen, selbst wenn der stammelnde Anstaltsleiter (Sylvester Groth) zu überdreht erscheint und das Drehbuch nicht jedes Knastklischee vermeidet.

Es ist nicht der beste der fünf Frankfurter „Tatorte“, aber ein würdiger Abschluss. Zumal er eine bittersüße Schlusspointe liefert.