Cliff Richard veröffentlicht sein 100. Album

Für immer jung:  Sir Cliff Richard scheint ein ewiger Junggeselle zu sein.
Für immer jung: Sir Cliff Richard scheint ein ewiger Junggeselle zu sein.
Foto: Getty
Cliff Richard, der Popsänger, der für viele ein Jugendidol war, will einfach nicht älter werden. Nach wie vor ist er in vielerlei Hinsicht aktiv und feiert ein neues Jubiläum: Die Veröffentlichung seines 100. Albums. "The Fabulous Rock 'N' Roll Songbook" ist eine Hommage an die Zeit der Schießbuden.

London.. Wie die Zeit vergeht. Gerade eilte man doch noch über die Kirmes und versuchte, an der Schießbude das neue Porträtfoto von Cliff Richard zu ergattern, und zack: Schon veröffentlicht das Idol unserer Jugendzeit bereits das 100. Album. Passenderweise mit Songs aus der Zeit der Schießbude, also guter, alter Rock’n’Roll.

Wir Fans haben uns inzwischen ein wenig verändert, Cliff dagegen sieht immer noch so aus wie auf dem Foto an der Schießbude: Rank und schlank, selbst das alberne Netzhemd aus dem Film „Summer Holiday“ könnte ihn nicht entstellen. Der Junge will einfach nicht altern. Auch sein Privatleben hat sich wenig verändert. Cliff ist solo.

Er bleibt Junggeselle

Er hat zwar inzwischen seinen britischen Pass abgegeben und ist Bürger von Barbados, schaut auch ab und an in seinem Weingut an der Algarve vorbei, bleibt aber Junggeselle. Das Getratsche um seine sexuelle Orientierung ist mit den Jahren leiser geworden, nicht zuletzt, weil der von der Queen gleich mehrfach mit hohen Ehren ausgezeichnete Sir den Gerüchten offensiv entgegen trat. Ja, es gehe niemand etwas an, nein, er sei nicht schwul, erklärte er öffentlich.

Beziehungen zu Frauen gab es durchaus. In der Frühzeit wurden sogar einige Freundschaften mit dem öffentlichen Hinweis beendet, Cliff sei nun mal Popstar, gehöre also allen, und sei deshalb nicht für eine enge Bindung geeignet. Besonders lang hielt die Liebe zu Sue Barker, einer Tennisspielerin, die heute für die BBC das Turnier in Wimbledon kommentiert – dem Schauplatz eines spontanen Konzerts, das niemand vergisst, der dabei war.

Sternstunde der Musik verewigt sich in geflügeltem Wort

1996 goss es wieder mal wie aus Kübeln im Tennis-Mekka, und in der Zwangspause drohte auch die Stimmung zu ersaufen. In der Ehrenloge übernahm Sir Cliff schließlich das Mikrofon des Stadionsprechers und lud den Centre Court zum Chorwettbewerb ein. Fast zwei Stunden sangen wir voller Inbrunst die größten Hits, oh ja, schon damals waren es sehr viele!, und wir kannten sie alle!, und auch Martina Navratilova war so begeistert, dass sie ihr Lieblings-Accessoire, ein Schoßhündchen namens Tyson, unter den Arm klemmte, um den Takt zu „Congratulations“ zu schlagen – eine große Stunde der Musik.

In England, wo sie emotionale Momente gern mit einer Prise Zynismus erden, schaut man seitdem sorgenvoll in den Himmel, wenn dunkle Wolken nahen, und sagt: Hoffentlich regnet es nicht – sonst singt Cliff! Das ist liebevoll gemeint, und die Zielscheibe des Spotts kann gut damit umgehen.

Weniger lustig findet der Popstar die Ablehnung, die ihm aus Teilen seiner eigenen Branche entgegen schlug. Cliff ist nicht cool, der vergrault unser Publikum, hieß es da lange in Rundfunk- und Fernsehstationen, und die Medienpräsenz drohte zu verschwinden. Doch Cliff ist auch ein Kämpfer. Als seine Plattenfirma EMI sein „Millennium Prayer“ nicht veröffentlichen wollte, beauftragte er eine unbekannte Firma mit dem Vertrieb und landete einen Riesenhit. „Can’t keep this feeling in“ erschien gar auf einem weißen Label, unter dem Pseudonym „Blacknight“, und wurde trotzdem ein Hit.

Die Branche hat ihren Frieden mit ihm gemacht

Inzwischen hat man seinen Frieden gemacht, und anlässlich der zahlreichen Jubiläen, 50 Jahren Bühnenkarriere, 250 Millionen verkauften Tonträger, Nr.-1-Hits in sechs Jahrzehnten, der unzähligsten Tournee, die ihn übrigens 2014 auch wieder nach Deutschland führt (Oberhausen, Köpi-Arena, 16. Mai), ist man sich im Jubel einig.

Als ganz Großer wird heute ein Künstler verehrt, der sich einst den Künstlernamen Cliff (für Cliff Face = Rock!) und Richard (als Tribut für sein Vorbild Little Richard) aussuchte und erst spät den im indischen Lucknow gegebenen Geburtsnamen Harry Rodgers Webb offiziell aufgab.

Wenn man ihn in Bronze gießen sollte, hier ein Vorschlag zur Güte: Das Denkmal sollten sie im Londoner Hyde Park neben das von Peter Pan platzieren – dem anderen Jungen, der niemals erwachsen wurde.

 
 

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