Christine Neubauer spielt „Die Holzbaronin“ hölzern

Christine Neubauer als "Holzbaronin" Elly Brauer.
Christine Neubauer als "Holzbaronin" Elly Brauer.
Foto: ZDF / Toni Muhr
Es kommt der Tag, da will die Säge sägen: Christine Neubauer mimt „Die Holzbaronin“. Das ZDF und Filmproduzentin wollen die Geschichte einer starken Frau erzählen. Tatsächlich ist die Story hölzern, obwohl es in dem "historischen Event-Film" durchaus sehenswerte Passagen gibt.

Mainz.. Dieses Bild muss nach dem Geschmack von Christine Neubauer sein: Da steht sie selbstbewusst – man ist geneigt zu interpretieren: ein wenig sehr selbstverliebt – im Wald. Brauner Anzug, brauner Hut und brauner Hund an kurzer Leine. „Die ist ein harter Brocken, härter als jeder Kerl“, raunen die Waldarbeiter; und Neubauer strahlt. Ihr Neubauer-Grinsen.

Ansonsten, so viel sei verraten, weint sie viel in diesem Film, der über drei Stunden die Familienasaga derer von Seitz im Schwarzwald erzählt. Das ZDF nennt „Die Holzbaronin“, 20.15 Uhr, daher auch vollmundig einen großen „historischen Event-Film um Liebe und Verrat, Loyalität und Missgunst, familiäre Machtkämpfe und persönliche Befreiungsschläge“.

Schicksal einer großbürgerlichen Fabrikantenfamilie

Die Vorlage zu dem Film lieferte der Autor Casimir Katz. Auf knapp 1200 Seiten erzählt er das Schicksal seiner großbürgerlichen Fabrikantenfamilie von 1880 bis in die 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Filmproduzentin Regina Ziegler und Drehbuchautorin Annette Hess betrachteten die Geschichte als lose Vorlage, fehlte ihr doch ganz Entscheidendes: ein Mord und eine weibliche Hauptrolle. So schenkte Ziegler ihrer Freundin Christine Neubauer einmal mehr einen großen Auftritt: Sie darf eine Frau spielen, die sich in der harten Männerwelt der 50er-Jahre durchzusetzen versteht. Die kämpft und an die Spitze des Familienunternehmens gelangt.

Hier setzt der Film ein. „Es sollte der Tag meines Lebens sein“, sagt Elly Seitz (Christine Neubauer) 1953. Doch an dem Tag, als sie zur Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt werden soll, wird sie verhaftet. Ihr geliebter Sohn Hans (Florian Bartholomäi) hat sie angezeigt, hat behauptet, sie habe ihren 1944 verstorbenen Ehemann Alfred (Dirk Borchardt) umgebracht. Im Verhör von Kommissar Fröbe (Simon Schwarz) lässt Elly Seitz ihr Leben noch einmal Revue passieren.

Henriette Confurius spielt erfrischend unprätentiös

Mal abgesehen von der erfundenen kämpferischen Geschichte um Elly gibt es in diesen Rückblicken durchaus sehenswerte Passagen. Mit Michael Mendl als Firmenpatriach Anton Seitz und Nicole Heesters als dessen Frau, mit Ben Braun, Andy Gätjen und Harald Schrott ist das Fernsehspiel durchaus prominent besetzt.

Erfrischend unprätentiös spielt Henriette Confurius. Sie hat den Part der jungen Elly Seitz übernommen. Und sie macht eines ganz anders als ihr älterer Gegenpart, die Neubauer: Sie integriert sich ins Team. Ist ein Star unter vielen, spielt sich trotz der Hauptrolle nicht permanent und fast unerträglich in den Vordergrund. Die Neubauer hingegen wirkt – der Geschichte einer Holzdynastie entsprechend – eher hölzern.

 
 

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