Chef macht Mitarbeiter glücklich

Washington/Seattle..  „Wenn man Arbeiter besser bezahlt, bleiben sie länger im Unternehmen, die Moral ist besser und sie sind produktiver.“

Was der amerikanische Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman jüngst griffig auf den Punkt gebracht hat, ist Dan Price nach eigenen Worten „erst vor einigen Tagen so richtig aufgegangen“.

Der 30 Jahre alte Chef des Bezahldienstes „Gravity Payments“ in Seattle ließ sich von Mitarbeitern erklären, wie „eng es am Monatsende für die meisten ist“ und zog eine ungewöhnliche Konsequenz: Seine 120 Angestellten erhalten eine saftige Gehaltsspritze. Das durchschnittliche Jahresgehalt von zurzeit 48 000 Dollar wird binnen der nächsten drei Jahre auf 70 000 Dollar (circa 66 000 Euro) angehoben. Und zwar für alle. Für 30 Arbeitnehmer bedeutet das „eine glatte Verdopplung“ der Bezüge, sagt Unternehmenssprecher Ryan Pirkle.

Um das Projekt zu stemmen, greift der Boss in die Kasse mit dem Gewinn vom vergangenen Jahr (2,2 Millionen Dollar) und legt an sein eigenes Salär, zuletzt eine Million im Jahr, die Axt an. Begründung: „Es ist wirklich lächerlich zu hoch gewesen.“

Seit Price, der mit seinem Dreitage-Bart und der dunkelblonden Mähne wie ein College-Student aussieht, die frohe Botschaft per Video an seine Belegschaft weitergereicht hat, geben sich Journalisten im Nordwesten der USA die Klinke in die Hand. Alle wollen wissen, warum sich in der Stadt der Mega-Konzerne Starbucks, Boeing und Microsoft, der Kapitalismus plötzlich von seiner freundlicheren Seite zeigt.

Price‘ Vorhaben macht zu einem Zeitpunkt Schlagzeilen, an dem die herkömmliche Politik in Washington auf der Stelle tritt, wenn es um die große Kluft geht, die zwischen den Einkommen von Arbeitnehmern und Chefetagen liegen.

In dieser Gemengelage dient Dan Price nach Ansicht des TV-Senders MSNBC als Fallbeispiel, „wie man es im wirtschaftlich boomenden Amerika im Kleinen richtig macht“. Im Großen war zuletzt der Kaufhaus-Gigant Walmart vorgeprescht. Alle 500 000 Angestellten bekommen seit diesem Monat mehr Gehalt.

Dan Price bedient das Image des unkonventionellen Unternehmers. Seine Firma gründete er mit 19 in seiner Studentenbude an der Pacific University von Seattle. Er nahm dazu einen Kredit auf, den Rest lieh er sich von seinem Bruder.

Der aus dem ländlichen Idaho stammende Mann umgibt sich nicht mit den Symbolen des Reichtums. Sein Audi ist zwölf Jahre alt, in Seattle hat er eine Dreizimmerwohnung.

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