Charité-Führung berichtet zuständiger Senatorin über Missbrauchsfall

Nach dem mutmaßlichen sexuellen Missbrauch einer 16-Jährigen durch einen Krankenpfleger an der Charité hat die Klinikleitung am Montag der zuständigen Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) einen Bericht vorgelegt. Ebenfalls am Montag nahm ein externes Expertengremium seine Arbeit auf, das die Strukturen an der Charité verbessern soll.

Berlin (dapd-bln). Nach dem mutmaßlichen sexuellen Missbrauch einer 16-Jährigen durch einen Krankenpfleger an der Charité hat die Klinikleitung am Montag der zuständigen Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) einen Bericht vorgelegt. Ebenfalls am Montag nahm ein externes Expertengremium seine Arbeit auf, das die Strukturen an der Charité verbessern soll. Die Grünen forderten von Scheeres und von Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) die Ausdehnung der Debatte auf alle Berliner Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen.

Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen sexuellen Missbrauchs Widerstandsunfähiger, wie ein Sprecher sagte. Es seien Unterlagen beschlagnahmt worden. Zudem sei eine Befragung des Opfers geplant. Erst dann werde der Pfleger vernommen.

Nach Angaben von Scheeres berichteten Charité-Chef Karl Max Einhäupl und der Ärztlichen Direktor Ulrich Frei eineinhalb Stunden über die Situation an der Klinik. "Die Krankenhausleitung hat deutlich gemacht, dass sie den Ernst der Situation erkannt hat und die notwendigen Konsequenzen einleiten wird, beziehungsweise schon erste Maßnahmen eingeleitet hat", sagte Scheeres im Anschluss. Die Klinikleitung habe erklärt, dass sie die interne Kommunikation vom Kopf auf die Füße stellen werde.

Scheeres sieht unterbrochene Informationskette

Zum konkreten Fall schätzte die Senatorin ein, dass die Mitarbeiter der betreffenden Station am Tattag "offenbar schnell und richtig gehandelt haben" - danach sei die Informationskette aber abgerissen.

"Jetzt wird die Charité ein tragfähiges Kinderschutz- und Präventionskonzept erarbeiten, sagte Scheeres. Es folge kurzfristig ein Maßnahmenkatalog. Die Einschaltung des Expertenteams nannte sie "richtig". Zu den Mitgliedern gehören die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) und der ehemalige Hamburger Innensenator Udo Nagel. Darauf aufbauend müssten in der Charité die Meldewege verbindlich geregelt, Zuständigkeiten klar festgehalten und weitere Maßnahmen ergriffen werden, um die Prävention und den Schutz zu stärken, forderte Scheeres. Ziel müsse ein von der Charité entwickeltes Konzept sein, dass auch für andere Krankenhäuser beispielgebend sein könne.

Zugleich betonte Scheeres, die Mitarbeiter der Charité leisteten mit großem Engagement eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau. "Das sollten wir in dieser Situation nicht vergessen."

Grüne fordern bessere interne Kommunikation

Auch der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Heiko Thomas, begrüßte die Einsetzung der Experten-Kommission. Allerdings müsse im Ergebnis auch eine bessere interne Kommunikation innerhalb der Charité stehen. Die Aufklärung des aktuellen Falles könne im Übrigen nur ein Anfang sein. "Wir fordern eine breite Debatte, Aufklärung und den Aufbau eines Schutzsystems. Die medizinischen und sozialen Organisationen müssen sich damit auseinandersetzen, was die sexuelle Gewalt ausgeübt durch einen Einzelnen mit ihnen zu tun hat."

Im parlamentarischen Gesundheitsausschuss forderte Thomas am Montag eine Überprüfung des Managements gegen Missbrauch auch an anderen Krankenhäusern. Gesundheitsstaatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner entgegnete darauf: "Das Lenkungsgremium der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales und der zuständigen Wissenschaftsverwaltung werden sich mit dem schrecklichen Vorfall befassen." Das Thema solle gemeinsam angegangen werden. Beispielsweise habe sich bereits am Montag das Berliner Netzwerk gegen sexuelle Gewalt damit befasst, das unter Federführung der Senatsverwaltung steht.

Der Vorfall ist auch Thema auf der nächsten Sitzung des Charité-Aufsichtsrates am 3. Dezember.

dapd

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