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Brandgefahr – Dortmund räumt Hochhaus mit 400 Wohnungen

Das sind die wichtigsten Regeln bei einem Brand

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Ein riesiger Hochhauskomplex mit mehr als 400 Wohneinheiten muss in Dortmund evakuiert werden. Es geht um Probleme mit dem Brandschutz.

Dortmund.  Die Dortmunder Feuerwehr will einen großen Hochhauskomplex mit mehr als 400 Wohnungen wegen Brandgefahr an diesem Donnerstag räumen. Die Sicherheitsmaßnahme diene dem Schutz der dort lebenden Mieter und sei laut Beschluss des Krisenstabes unumgänglich, teilte die Stadtverwaltung am Donnerstag mit. Rund 740 Anwohner müssen ihre Wohnungen verlassen.

Eigentümer ist die Berliner Gesellschaft Intown properties in Berlin. Ihr gehört auch das Wuppertaler Hochhaus, das im Juni ebenfalls aus Brandschutzgründen geräumt werden musste.

Die Stadt Dortmund will so schnell wie möglich Ersatzwohnungen für die betroffenen Menschen suchen. Der Leiter des Krisenstabes, Ludger Wilde, machte am Donnerstag in einer Pressekonferenz zugleich deutlich, dass dies nicht über Nacht erreichbar sein werde. „Wir werden nicht jetzt sagen können, dass wir bis Freitag 400 Haushalte in Wohnungen unterbringen können“. Bei der aus Brandschutzgründen nötigen umgehenden Evakuierung wolle man den betroffenen Mietern aber so wenig Umstände wie möglich bereiten.

Bewohner werden zunächst in Sporthalle untergebracht

Die Evakuierung sollte am Donnerstagabend um 19 Uhr beginnen. Die betroffenen Bewohner, die keine eigene Ausweichmöglichkeit hätten, kämen zunächst in eine Leichtathletikhalle, die Helmut-Körnig-Halle, die übergangsweise als Notquartier diene. Mehrere Hundert Helfer sollen im Einsatz sein. Für Kinder werde der Unterricht, falls erforderlich, in einer anderer Schule ermöglicht.

Die Stadt geht davon aus, dass unter den betroffenen Bewohnern des Hochhauskomplexes auch viele Studenten sind, die in kleinen Wohnungen leben. Der Mieterverein vermutet, dass auch Flüchtlinge in dem Hochhaus Wohnungen angemietet hatten und eingezogen waren.

Mieterverein: Räumung ist „dramatisch“

Der Mieterverein Dortmund bezeichnete die Räumung des Hochhauskomplexes als „dramatisch“. Viele Instandhaltungsmaßnahmen seien in dem Haus vernachlässigt worden, sagte Geschäftsführer Rainer Stücker am Donnerstag. An dem Hochhauskomplex ist nach Einschätzung der Stadt ein erheblicher Umbau notwendig. Weil der Berliner Eigentümer die Gebäudeanlage Hannibal II im Stadtteil Dorstfeld baulich verändern ließ, habe der Komplex die Brandschutzgenehmigung verloren, sagte Wilde.

Es gebe keine ausreichende Trennung zwischen dem Parkdeck im Untergeschoss und Wohnungen, erläuterte er. Durch Schächte mit direkter Verbindung nach oben bestehe die Gefahr einer schnellen Verrauchung im Brandfall. Auch fehlten ausreichende Rettungswege. „Unmittelbares Handeln ist erforderlich“, betonte Wilde. Der Rückbau der Veränderungen sei anspruchsvoll. In welcher Zeitdauer die Mängel behoben werden können, sei nicht zu sagen.

Ähnlicher Fall in Wuppertal

Im vergangenen Sommer waren in Folge eines verheerenden Hochhausbrandes in London viele ähnliche Gebäude in Nordrhein-Westfalen überprüft worden. In Wuppertal und Duisburg gab es bereits Räumungen wegen Brandschutzmängeln.

Im Juni war wegen Brandschutzmängeln ein Hochhaus in Wuppertal evakuiert worden. Dort waren 86 Wohnungen betroffen, von denen allerdings einige leer standen. Die Stadtverwaltung Wuppertal begründete die Entscheidung mit neuen Erfahrungen aus dem Brand des Grenfell Towers in London. Der Brand mit mindestens 81 Toten habe eine Neubewertung des Risikos auch in Wuppertal nötig gemacht.

Bewohner durften nach einem Monat wieder in die Wohnungen

In Kenntnis des Londoner Feuers habe Gefahr für Leib und Leben bestanden, sagte Wuppertals Baudezernent Frank Meyer damals. Nachdem die Eigentümer die brennbare Kunststoff-Fassade an den Treppenhäusern und Laubengängen entfernt hatte, durften die Bewohner einen Monat später in ihre Wohnungen zurück.

Die Stadt Duisburg hat im Juli wegen mangelnden Brandschutzes drei Gebäude in einer Hochhaussiedlung vorübergehend räumen lassen. Rund 100 Menschen aus 22 Wohnungen waren betroffen. (dpa)

 
 

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