Bochums Kommissar ist „Heldt“

Bochum hatte nie einen Tatort-Kommissar, aber Bochum hat Kommissar Nikolas Heldt, wenigstens. Der draufgängerische Dreitagebart darf jetzt wieder im ZDF-Vorabendprogramm mittwochs um 19.30 Uhr ran. Die erste von neuen 15 Folgen der dritten Staffel führt die schnodderig-freundliche Revier-Spürnase ins Milieu der Zigaretten schmuggelnden Fernfahrer mit eingedeutschten polnischen Namen und harmlosen Akzent, wie man sie gerne im Ruhrgebiet trifft.

Jacek Nowak ist tot. Die Spur führt schnell in Günni’s Trucker Treff. In der - passend wie die legendäre deutsche Fernfahrer-TV-Serie mit Manfred Krug - „Auf Achse“ genannten Folge treten auf: Günni, Truckerin Birgit Kempowski (mit polnischer Großmutter), Polenhasser-Trucker Heinz Kawuttke, der mit Fetisch-Latex handelt. Einer von denen muss es gewesen sein. Oder der schräge Speditionsbesitzer beziehungsweise seine Sekretärin Schäfer, das hässliche Entlein an der Seite des schönen Jacek.

Das ehemalige Heimkind Heldt geht gerne mal unkonventionell vor, diesmal knackt er „aus Versehen“ einen verdächtigen Container mit dem Gabelstapler (ist aber nur Latex drin). Allzu viel Lokalkolorit darf man vom Bochumer Kommissar nicht erwarten. Das ZDF beschränkt sich auf ein paar eingeschnipselte Schnittbilder vom Bergbaumuseum (viermal!). Ruhri-Akzent wird nicht gesprochen. Das TV-Polizeipräsidium ist gegenüber dem backsteinernen Bochumer Original (das tatsächlich im Schatten des Bergbaumuseums liegt) tothässlich. Genauso macht es das Zweite beispielsweise auch bei Soko Leipzig & Co. Eigentlich langweilig.

Dass Heldt dennoch halbwegs unterhaltsam über 45 Minuten trägt, liegt dann nur am komödiantischen Geschick des Ermittler-Trios aus Nikolas (unrasiert: Kai Schumann), der alleinerziehenden Staatsanwältin Ellen (blond: Janine Kuntze) und Heldts dick-dreistem Vorgesetzten Detlev (schweinchenrosa: Timo Dierkes). Und an einer Geschichte, die sich nicht Tatort-ernst nimmt. Dass der böse Mörder aus der Pommes-Bude einem harmlosen polnischen Lkw-Fahrer aus Geldgier den Schädel eingeschlagen hat, ist am Ende so gut wie vergessen. Im Ruhrgebiet ist man eben nicht nachtragend.

Fazit: Schnell und lustig inszenierte Vorabendunterhaltung ohne tiefer gehende Milieu- oder Charakterstudien aus dem Revier-Schauplatz

ZDF, 19.25 Uhr

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