Völlig überhöhte Rechnungen: Chefs von Schlüsseldienst vor Gericht

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Von Geldern aus wurde wohl ein Betrugsnetzwerk mit Schlüsseldiensten geführt.
Von Geldern aus wurde wohl ein Betrugsnetzwerk mit Schlüsseldiensten geführt.
Foto: Christin Klose / dpa-tmn
Ein Gericht in Kleve verhandelt den Fall eines bundesweiten Betrügernetzwerkes. Einer der Chefs saß schon wegen Betrugs im Gefängnis.

Kleve.  Mit Rechnungen von bis zu 1500 Euro haben Chefs eines bundesweit tätigen Schlüsseldienstes abkassiert. Dazu hat das Geschäftsmodell dem Anbieter aber auch eine Anklage in über 1000 Fällen eingebracht.

Die Firma aus Geldern am Niederrhein soll seine Kunden systematisch ausgenommen haben. Gegen die 57 und 39 Jahre alten Betreiber beginnt am Dienstag in Kleve der Prozess.

Über Tausend Fälle von Betrug, Wucher und Steuerhinterziehung

Sie sollen deutschlandweit für angeblich ortsansässige Betriebe geworben und dabei Telefonnummern mit örtlichen Vorwahlen angegeben haben. Über diese Nummern sollen die Kunden in die Zentrale nach Geldern umgeleitet worden sein, die die Monteure in den jeweiligen Regionen losschickte. Die Monteure sollen alle Möglichkeiten ausgenutzt haben, um die Rechnung in die Höhe zu treiben.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen bandenmäßigen Betrug und Wucher vor, Steuerhinterziehung und Veruntreuung von Arbeitsentgelten, weil sie für die Monteure keine Sozialabgaben gezahlt haben sollen. Nach Angaben des zuständigen Landgerichts in Kleve haben die Angeklagten die Tatvorwürfe im Wesentlichen bestritten.

Zu dem Verfahren, das bis Juli terminiert ist, sind über 100 Zeugen geladen, darunter viele Opfer. Angeklagt sind bundesweit insgesamt 1009 Fälle, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen.

57-Jähriger bereits wegen Betrugs verurteilt

Der 57-jährige Angeklagte ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft schon einmal wegen dieser Betrugsmasche zu vier Jahren Haft verurteilt worden, nach der Hälfte aber entlassen worden. Nach der Haftentlassung soll er seine kriminellen Machenschaften wieder aufgenommen haben. Die Verfahren gegen 200 Call-Center-Mitarbeiter und Monteure sei abgetrennt.

Unseriöse Schlüsseldienste sind den Verbraucherzentralen immer wieder ein Dorn im Auge: Solche Anbieter verlangten mitunter hohe dreistellige oder sogar vierstellige Beträge, nachdem sie die Tür aufgesperrt haben, kritisiert der Verbraucherzentrale Bundesverband. Wie Sie einen seriösen Schlüsseldienst finden, erklären wir hier. (dpa)

 
 

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