Besteller-Autor Kai Twilfer plant zweiten „Schantall"-Roman

Der Gelsenkirchener Bestseller-Autor Kai Twilfer plant einen Nachfolger von "Schantall, tu ma die Omma winken".
Der Gelsenkirchener Bestseller-Autor Kai Twilfer plant einen Nachfolger von "Schantall, tu ma die Omma winken".
Foto: Tim Schulz
Mit „Schantall, tu ma die Omma winken“ hat der Gelsenkirchener Kai Twilfer einen Bestseller über den sogenannten "Kevinismus" geschrieben. Anhand der Geschichte von Schantall Pröllmann bedient sich Twilfer aller Klischees des Ruhrgebiets. Ein Nachfolger ist schon in der Mache.

Gelsenkirchen.. Die Terrasse des Cafés ist gut besucht, doch Kai Twilfer geht lieber rein. Da kann man besser reden. Entspannt macht er es sich auf einem Barhocker bequem, bestellt ein Malzbier. Gerade ist er aus dem Urlaub gekommen, einem Urlaub der „irgendwie anders war als sonst“. Viele Anrufe, noch mehr Mails. Aber Twilfer will sich nicht beschweren. Ist ja auch selber schuld, dass es vorbei ist mit der Ruhe. Was schreibt er auch ein Buch, das zum Bestseller in Deutschland wird?

­„Schantall, tu ma die Omma winken“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf“, 9,95 Euro) heißt es und trägt den Untertitel „Aus dem Alltag eines unerschrockenen Sozialarbeiters“. Gestandene Feuilletonisten wenden sich schon allein beim Lesen des Titels mit Grausen ab, aber die Leute lieben es. Gerade ist es „wieder auf Platz eins geklettert“, freut sich Twilfer. In den Sachbuch-Charts wohlgemerkt, für die der Verlag es gemeldet hat. Dreht sich ja auch um „Kevinismus“, die immer stärker um sich greifende Neigung von Eltern, ihren Kindern ungewöhnliche, exotische Vornamen zu geben. „Das ist kein Roman“, stellt der 36-Jährige klar und grinst. „Aber es ist natürlich Satire, wird überspitzt dargestellt.“ Und alles ist fiktiv. „Voll erfunden eh“, wie Schantall sagen würde.

"Ja, es werden alle Klischees bedient"

Um den spießigen Jochen geht es, eigentlich angesiedelt im Kulturbüro einer großen Reviermetropole, derzeit aber versetzt ins Sozialamt. Wo er Schantall Pröllmann kennenlernt, eine junge Dame mit wenig Geld, schlechtem Geschmack und noch schlechterem Deutsch. Eine Antiheldin mit kleinem Sohn, der „Tschastin“ heißt, und einer Freundin, die auf den Namen Cheyenne hört. Es geht – oft witzig, selten gehässig – um Einkaufstouren, Castingshows und Busfahrten nach Lloret. Aber auch um den Alltag zwischen Solarium, Glitzerhandy und getuntem BMW. „Ja“, gibt Twilfer offen zu, „es werden alle Klischees bedient.“

Mit Klischees kennt sich der Gelsenkirchener aus. Schon lange verkauft er über seinen Industriekult-Verlag Kohle in Dosen und Postkarten mit Sprüchen im Revierdialekt oder Fotos von Bergleuten. Verkauft ein Ruhrgebiet, das es so kaum noch gibt. Die Postkarten haben ihn auch auf die Idee gebracht, ein Buch zu schreiben. „Über den Schantall-Spruch wurde immer am meisten gelacht. Das Buch ist quasi darum herum entstanden.“

Das klingt jetzt allerdings ein wenig einfacher, als es war. Nicht wegen des Schreibens. Das ging ohne große Recherche. Wer, wie Twilfer, im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, der kennt vieles aus eigener Erfahrung. „Man muss nur genau beobachten.“ Neunzehn Verlagen legt er sein Manuskript vor, achtzehn schicken es zurück. Einer aber greift zu, ist mutig und geht gleich mit einer 10 000er Erstauflage an den Start. Der Mut wird belohnt. „Schantall“ steigt schnell in die Charts ein und dort immer höher. Mittlerweile ist siebenmal nachgedruckt worden, sind über 150 000 Exemplare verkauft.

Spezielle Comedy-Lesungen sind in Planung

Was das Buch so erfolgreich macht? „Für viele war der Titel Kaufanreiz“, hat Twilfer in diversen Gesprächen erfahren und spricht ansonsten von „viel Mundpropaganda“ und einer Art „Voyeurismus-Effekt“. „Wahrscheinlich wollen viele Leute einfach mal wissen, wie es bei Leuten wie den Pröllmanns so zugeht.“ Logisch, dass der Nachfolger bereits in Planung ist. Vorher aber nennt Twilfer in seinem im September erscheinenden neuen Buch „111 Gründe, den Ruhrpott zu lieben“. „Ich will ja nicht ewig der Schantall-Onkel bleiben.“ Eine Zeitlang aber schon. Als Hörbuch erscheinen die Erlebnisse der Pröllmanns demnächst und in dieser Woche beginnt der Vorverkauf für spezielle Comedy-Lesungen Anfang 2014.

Ein paar Monate später sollen die Pröllmanns dann zurückkehren. Und Jochen auch. „Alle Figuren werden wieder dabei sein“, kündigt Twilfer an. Anders ginge es auch gar nicht, denn: „Ich glaube, dass viele Leser diese Familie richtig ins Herz geschlossen haben.“

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