Behandlungsfehler schwer nachweisbar

Dortmund..  Eine 55 Jahre alte Herzpatienten muss ein schweres Los erdulden. Seit einer Herzkatheter-Untersuchung ist sie halbseitig gelähmt. Weil Luft im Katheter war, erlitt sie eine Embolie und einen Herzstillstand. Die Frau konnte zwar reanimiert werden, erlitt aber einen Hirninfarkt. Die Folge waren die Lähmungen. Bald kam der Verdacht auf einen Behandlungsfehler auf.

Mit Hilfe des spezialisierten Kompetenzzentrums der AOK Nordwest, in dem Mediziner und Juristen zusammenarbeiten, erstritt sie Schadenersatz und Schmerzensgeld. Fast noch wichtiger ist für die Patienten, dass ihr Leid als Behandlungsfehler anerkannt wird. Der Weg dorthin ist aber steinig.

Die 55-Jährige schickte ihre Unterlagen an das Zentrum und entband die Experten von der Schweigepflicht. Die AOK ließ Gutachten erstellen und kam zu dem Ergebnis: Es liegt ein Behandlungsfehler vor. Die Haftpflichtversicherung der behandelnden Ärzte spielte aber nicht mit. Die Krankenkasse zog deshalb vor Gericht. Zunächst mit wenig Erfolg. „Dem gerichtlich bestellten Gutachter war ein Fehler bei der Übersetzung englischsprachiger Literatur unterlaufen“, sagt der Leiter des Kompetenzzentrums, Holger Thomsen. Die Patientin hätte sicher aufgegeben, so Thomsen. Die AOK zog aber vor das Oberlandesgericht und gewann.

In Westfalen-Lippe hat das Kompetenzzentrum seit Gründung vor 15 Jahren 7300 Versicherten und in Schleswig-Holstein 3800 Versicherten zur Seite gestanden. 27,2 Millionen Euro habe die AOK Nordwest für sich erstritten, so viel wie kein anderer AOK-Verband. Die betroffenen Patienten haben nach Thomsens Schätzung etwa ebenso viel Geld erhalten.

Vor allem in den operativen Fachrichtungen wie Chirurgie, Orthopädie oder Gynäkologie wird häufig der Vorwurf eines Behandlungsfehlers erhoben.

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