Bayern: Pfarrer nimmt Flüchtling auf – mit heftigen Konsequenzen

Bayern: Pfarrer Ulrich Gampert wurde wegen der Aufnahme eines Flüchtlings verurteilt.
Bayern: Pfarrer Ulrich Gampert wurde wegen der Aufnahme eines Flüchtlings verurteilt.
Foto: dpa

Sonthofen. Harte Strafe für einen evangelischen Pfarrer aus Bayern nach einem Verfahren vor dem Amtsgericht Sonthofen.

Nachdem Ulrich Gampert (64) im Mai 2018 einen Flüchtling aufgenommen hatte, erhielt der Geistliche aus Bayern nun eine saftige Strafe. Amtsrichterin Brigitte Gramatte-Dresse sprach von einem Einzelfall und mangels gesetzlicher Regelungen von einem „juristischen Nirwana“.

Bayern: Pfarrer gewährt Flüchtling Asyl – mit Folgen

Schließlich drücken die Behörden beim Thema Kirchenasyl in der Regel ein Auge zu. Darauf hatte der 64-Jährige im Mai 2018 auch gebaut. Da stand ein Afghane vor seiner Tür, der im Sommer 2015 nach Deutschland gekommen war.

Seitdem hatte der junge Mann (23) Deutsch gelernt, seinen Schulabschluss gemacht, sich verlobt und Fußball im Verein gespielt. Doch all das ist nichts wert, weil die Behörden seinen Asylantrag abgelehnt hatten. Für den Pfarrer unverständlich: „Kirchenasyl ist die Möglichkeit, den Staat zu bitten, schaut noch mal hin bei dieser Person, da ist was übersehen worden“, so Gampert. Und weiter: „Wenn man das berücksichtigt, kommt es hoffentlich zu einer anderen Entscheidung.“

Doch die Behörden sehen darin eine Straftat.

------------------------------------

• Mehr Themen:

„Markus Lanz“: Frau bekommt mit 58 erstes Baby – ein Satz sorgt für heftige Diskussionen

Frau schaut in den Kühlschrank und kocht vor Wut – „Scheißkerl!“

• Top-News des Tages:

„Aktenzeichen XY“: Sendung zeigt brutalen Raub auf Ehepaare aus NRW – Führt dieser Hinweis jetzt zu einer neuen Spur?

Michael Schumacher: Seine Managerin erklärt das größte Problem: „Schwierige Zeit!“

-------------------------------------

Staatsanwaltschaft klagt Pfarrer an

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft habe der 23-Jährige keine Aufenthaltserlaubnis. Seiner Abschiebung habe er sich mit der Aufnahme ins Kirchenasyl entziehen wollen, heißt es in der Anklage.

Ulrich Gampert habe davon gewusst und die Abschiebung so verhindert. Weil er und sein Schützling Einspruch gegen einen Strafbefehl einlegten, kam es zum Prozess.

Gericht verurteilt Pfarrer und Flüchtling

Das Amtsgericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Pfarrer zu einer Geldstrafe von 3.000 Euro. Der junge Afghane muss 80 Sozialstunden leisten. Die Richterin betonte aber: „Kirchenasyl ist eine Tradition“ und daher grundsätzlich keine Straftat. Es handle sich um eine Einzelfallentscheidung.

------------------------------------

Das ist das Kirchenasyl

  • Ursprung in vorchristlicher Antike: Zuflucht an heiligen Orten
  • Später Asyl für Straftäter zum Schutz vor Lynchjustiz
  • Heute: Vorübergehende Aufnahme von Flüchtlingen
  • Ziel ist die Überprüfung von Asylverfahren

------------------------------------

Unklar ist jetzt, wie es mit dem 23-Jährigen weitergeht. Derzeit läuft eine Klage gegen seinen Asylbescheid. Bis Anfang 2020 kann er sich noch in seiner neuen Heimat frei bewegen. Bis dahin ist seine Abschiebung vom Petitionsausschuss des bayerischen Landtags ausgesetzt.

+++ Hund eines Obdachlosen verschwindet spurlos – dann geschieht ein Wunder +++

Er hofft: „Ich wünsche mir nur, dass ich bald ein normales Leben anfangen kann.“ Bis dahin will er seine im September begonnene Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in einem Möbelhaus weiterführen und hat auch privat große Pläne. Wenn wir alle Papiere zusammenhaben, würden wir am liebsten sofort ins Standesamt gehen“, verrät seine Verlobte der Deutschen Presseagentur. (ak mit dpa)

 
 

EURE FAVORITEN