Bauer-Verlag soll Taschen-Heft "Der Landser" wegen Nazi-Propaganda einstellen

Sie würden den Holocaust verharmlosen und den Nationalsozialismus verherrlichen: Das Simon Wiesenthal Center fordert ein Verbot der Weltkriegs-Hefte "Der Landser". Im Bild: Adolf  Hitler beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1938 in Österreich.
Sie würden den Holocaust verharmlosen und den Nationalsozialismus verherrlichen: Das Simon Wiesenthal Center fordert ein Verbot der Weltkriegs-Hefte "Der Landser". Im Bild: Adolf Hitler beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1938 in Österreich.
Foto: dpa
Das Taschen-Heft "Der Landser" erzählt Kriegsgeschichten aus der Sicht von Wehrmachtssoldaten. Zwischen 20.000 und 40.000 Exemplare hoch soll die Auflage pro Heft sein. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum fordert jetzt, dass die Hefte wegen rechten Gedankenguts verboten werden.

Essen.. In fast jeder Bahnhofsbuchhandlung steckt „Landser“ in den Auslagen. Das Taschen-Heft, das in den 50er-Jahren erstmals erschien, damals weit mehr eine halbe Million Leser hatte und seither vom „Alltag“ der deutschen Soldaten im 2. Weltkrieg, vom „Schicksal“ seiner Luftwaffe oder der Schiffe der Reichsmarine erzählt, verkauft sich fast 70 Jahre nach Kriegsende immer noch recht gut.

Zwischen 20.000 und 40.000 Exemplare hoch soll die Auflage pro Heft sein, und der Bauer-Verlag lässt Doppel- oder Sonderausgaben gerne zusätzlich erscheinen.

Wie lange noch? Das Simon Wiesenthal-Center hat den Historiker und Dortmunder Journalisten Stefan Klemp mit einem Gutachten betraut. Der Prüfauftrag: Verherrlicht der „Landser“ auch die SS? Das Ergebnis der Expertise ist so, dass das Wiesenthal-Center jetzt das Bundesinnenministerium auffordert, den „Landser“ zu verbieten. Das Ministerium will die Aufforderung „ernsthaft prüfen“. Die New York Times hat darüber ausführlich berichtet.

Nazi-Propaganda wird juristisch überprüft

Der Innenminister kann hier keine politische Entscheidung fällen. Es ist eine juristische. Die Behörde muss zum Beispiel prüfen, ob der Paragraph 86 des Strafgesetzbuches zieht.

Dort heißt es im Absatz 4: „Wer Propagandamittel, die nach ihrem Inhalt dazu bestimmt sind, Bestrebungen einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation fortzusetzen, im Inland verbreitet oder zur Verbreitung im Inland oder Ausland herstellt, vorrätig hält, einführt oder ausführt oder in Datenspeichern öffentlich zugänglich macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“.

Bauer-Verlag sieht in Landser keinen verfassungsfeindlichen Stoff

Tatsächlich sind die Titelgeschichten nicht selten der SS oder ihren Unterorganisationen gewidmet wie den „Pionieren der 4. SS Polizei Division.“ Untertitel: „Drauf, dran, durch“, wie ein Nutzer des Internetportals User www.netz-gegen-nazis.de“ aus einer eigenen Erfahrung berichtet.

Die New York Times schreibt, die Erlebnisberichte von der Front des Weltkriegs seien so angelegt, dass die Mitglieder von Hitlers Elite-Divisonen wie normale Soldaten dastehen würden. Das seien sie eben nicht gewesen. Gutachter Klemp kommt zum Ergebnis, der „Landser“ reduziere Geschichten über SS-Einheiten aus dem Krieg auf „deutsche Helden, dabei ignoriert er die Verbrechen, in die ihre Einheiten verwickelt waren, als seien sie nicht wichtig“.

Der Bauer-Verlag weist weit von sich, dass er verfassungsfeindlichen Stoff verkauft. Alle Publikationen des Hauses stünden im „Einklang mit den deutschen Gesetzen, das gilt auch für den Landser“, zitieren Mediendienste den Großverlag, der darauf hinweist, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften noch nie eine Nummer gesperrt habe. Man nehme die Vorwürfe jedoch ernst.

 
 

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